Social Media Marketing

Facebook ergänzt Navigation um prominentes Gaming Tab

Um im immer wichtigeren Bereich Gaming mit Twitch oder YouTube konkurrieren zu können, setzt Facebook nun auf ein Tab für Spiele direkt in der Navigation.

© Facebook Gaming

Trotz immer wieder auftretender Kritik oder gar apokalyptischen Prognosen bleibt Facebook wohl auch deshalb das größte soziale Medium, weil die über zwei Milliarden Nutzer dort in allen möglichen Interessengebieten mit Content, Interaktionsoptionen, stets neuen Features und natürlich Werbung versorgt werden. Mit Facebook Gaming ist die Plattform ebenso in diesem Bereich aktiv, jetzt bringt man den Engagement-reichen und wachsenden Bereich per Tab prominent in die Navigation.

Gaming soll Facebooks Nutzerschaft beschäftigen

Der Markt für Games ist nicht erst seit Kurzem enorm groß. Doch im Zuge umfassender Digitalisierung verschieben sich einerseits die Monetarisierung des – auch professionellen – Spielens, andererseits die Zugangspunkte und Interaktionsräume zusehends gen Social Media, Streamingplattform usw. Im vergangenen Jahr lieferte Newzoo einen globalen Bericht zum Gamingpotential. Demnach sollten 2018 weltweit gut 138 Milliarden US-Dollar für Spiele ausgegeben werden, 91 Prozent davon für digitale Games. Insbesondere Mobile Games spielen dabei eine immer größere Rolle. Schon 2021 sollen sie 59 Prozent der Gaming-Einkünfte ausmachen, hierbei über 100 Milliarden US-Dollar einbringen. Gleichzeitig erleben auch Konsolen- und PC Games weiteres Wachstum.

Und nicht nur Spieleentwickler und Marken profitieren. Populäre Gamer oder eSportler können mit dem Streaming ihrer Fähigkeiten in Spielen wie Fortnite, League of Legends und Co. immense Summen verdienen. Ninja beispielsweise erhielt für einen Livestream kürzlich eine Million US-Dollar von EA, damit er das Spiel Apex Legends promotet. Dass gerade eSports derzeit für zahlreiche Marken, Sponsoren und Medien an Gewicht gewinnt, prognostizierte uns Twitchs Kusuma Chumpuree-Reyntjes bereits Ende 2018 im Trend-Artikel:

Viele Marken haben hierzu schon verkündet, die Gelder aus dem klassischen Sponsoring zurück zu ziehen und diese Budgets vermehrt in eSports zu investieren. Immer mehr Unternehmen, Agenturen und auch Sportclubs investieren in eSports […] eSports wächst rasant und bietet Zugang zu einer jungen, konsumstarken Zielgruppe, die nicht mehr über die linearen Kanäle erreicht werden kann.

Nicht zuletzt deshalb hat Facebook schon vergangenes Jahr die eigene Unterseite Facebook Gaming eingeführt.

Ein Blick auf Facebook Gaming (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zu einer größeren Ansicht), Screenshot Facebook

Derweil bleiben YouTube und Twitch bei den Gamern jedoch die ersten Adressen. Daher hat Facebook nun das Gaming deutlich prominenter in die eigene Plattform integriert.


© Will Francis – Unsplash

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Ein Gaming Tab als Engagement-Treiber?

Das Soziale Netzwerk möchte seinen Nutzern dabei helfen, einfach und schnell die Gamer, Streams, Gaming-Gruppen und Spiele zu finden, die sie interessieren. So hat inzwischen der globale Rollout des Gaming Tabs begonnen, wie Sarah Perez bei TechCrunch darstellt. Die Bedeutung und Reichweite der Facebook Games-Sektion fb.gg – die auch als Standalone App verfügbar ist – soll dank der Einbindung in die gewohnte Facebook-Navigation gestärkt werden. Denn das explizite Tab soll künftig zumindest in der mobilen Ansicht zwischen Facebook Watch und Benachrichtigungen exponiert sein.

Das Gaming-Tab soll prominent dargestellt werden, Quelle: TechCrunch

Diese Ansicht konnten wir noch nicht reproduzieren. Auf dem Smartphone finden wir das Spiele-Icon erst unter „Mehr anzeigen“ im Burgermenü. Dies liefert uns dann folgende Ansicht.

Facebooks Gaming-Bereich auf Mobile, Screenshot

Auf dem Desktop findet sich der Weg zu fb.gg über das Icon im Entdecken-Bereich. Klickst du auf „Gaming-Video“, gelangst du zur Unterseite. Diese schlägt dir zunächst aktuelle Livestreams von Spielen vor und bietet zudem ein Dashboard, über das Gamer livestreamen können. Außerdem werden Top Clips der Woche dargeboten, Streams nach Spielen sortiert angezeigt oder Streamer und von Freunden angesehene Videos vorgeschlagen.

Facebooks Gaming Video-Bereich, (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zu einer größeren Ansicht), Screenshot Facebook

Mit der prominenten Platzierung des Zugangs zum Gaming möchte Facebook jedoch nicht bloß die Nutzer zu mehr Verweildauer verlocken. Denn die Gamer sollen ebenfalls profitieren.

Mehr Zugriff auf die Gamer-Gemeinschaft 

Wer Spiele über Facebook Games und Spielsituationen livestreamt, kann damit ebenso Geld verdienen wie bei anderen Plattformen. Laut TechCrunch können die Views über Virtual Tipping monetarisiert werden, wobei Facebook fünf bis 30 Prozent dieser Einkünfte für sich einbehält. Außerdem gibt es bei Facebook Fan Subscription-Programme, bei denen Streamer ebenfalls bis zu 30 Prozent abtreten müssen. Wer im Level Up-Programm über Fb.gg streamen möchte, muss sich zunächst als Gaming Video Creator anmelden. Zu den Voraussetzungen gehört, dass mindestens vier Stunden und an mindestens zwei Tagen in den vergangenen zwei Wochen Videos gestreamt wurden. Zudem bedarf es mindestens 100 Seitenabonnenten. Und nur aus berechtigten Ländern – Deutschland ist darunter – kann überhaupt gestreamt werden.

So wird Facebook die Gamer-Gemeinschaft für Inhalte auf der eigenen Plattform sensibilisieren wollen – um langfristig eine bedeutendere Rolle in diesem Kontext zu spielen. Das Soziale Netzwerk geht von 700 Millionen Nutzern aus, die stark am digitalen Spielegeschehen interessiert sind. Für diese wird das Gaming Tab zunächst nach und nach ausgerollt.

Das Bestreben Facebooks, Gaming zu einem deutlich zentraleren Teil der eigenen Plattform-Erfahrung zu machen, spiegelt die zunehmende gesellschaftliche Relevanz der Thematik wider. Nicht umsonst wird über eSports als Sportart und Profession diskutiert; das Interesse nicht mehr nur am eigenen Spiel, sondern an den Leistungen digital auftretender Gamer ist so groß, dass Medien ihren Vorteil daraus ziehen möchten. Und Facebook tut gut daran, sich auf die Entwicklung einzustellen. Gelingt es der Plattform, seine massive Nutzerschaft vermehrt in den Gaming-Bereich zu ziehen, könnte sich das Unternehmen in diesem Kontext mit einer ganz eigenen, finanzkräftigen Position behaupten. Vorerst gilt es aber, YouTube und Twitch diesbezüglich mehr Viewer abzunehmen, um diesem Ziel näherzukommen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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