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Neuer Facebook-Feed: Organische Reichweite im Newsfeed bald nur noch gegen Bezahlung?

In einigen Märkten stellt Facebook die Strukturen der Newsfeeds testweise komplett um. Die Reichweite der Seiten bricht mit dem Entdecker-Feed massiv ein.

© Flickr / HAMZA BUTT, CC BY 2.0

Der Entdecker-Feed wird jetzt offiziell in der Desktop-Version von Facebook ausgerollt. In einigen Märkten sind die Postings von Fanpages lediglich im neuen Feed sichtbar. Der traditionelle Newsfeed enthält dagegen ausnahmslos Posts von Freunden und Werbung.

Entdecker-Feed enthält personalisierte Inhalte jenseits der eigenen Filterblase

Das Raketen-Symbol, das im Frühjahr zunächst Verwirrung stiftete, ist nun auch in der Desktop-Version integriert. Der Entdecker-Feed, in den Tests noch “Entdecken-Feed” genannt, wurde im Sommer für mobile Geräte ausgerollt. Gegenüber TechCrunch bestätigte ein Facebook-Sprecher den globalen Launch des neuen Feeds für alle Versionen.

Der Banner des neuen Feeds auf Desktop, Screenshot Facebook

Der Entdecker-Feed soll User dabei unterstützen, Content zu erkunden, der normalerweise untergehen würde. So kommen hier Bilder, Videos und Posts zum Vorschein, die vom Algorithmus im Newsfeed herausgefiltert werden. Dabei handelt es sich um personalisierte Inhalte, die zwar nicht aus dem eigenen Netzwerk stammen, denen jedoch stark ähnlich sind. Sie basieren auf den Likes und Interessen der User oder entspringen den Netzwerken der Freunde.

Stellt Facebook das Posting-System um?

Bislang sind in dieser Sektion keine Ads aufgetaucht. Eine Meldung, die die fehlende Werbung erklären könnte, verunsichert Seitenbetreiber nun:  In der Slowakei sowie in Sri Lanka, Serbien, Bolivien, Guatemala und Kambodscha funktioniert der Entdecker-Feed grundlegend anders, wie der Journalist Filip Struhárik auf Medium herausstellt. Das Feature verändert in diesen Regionen das gesamte Posting-System. Sämtliche Posts von Seiten landen ausschließlich im Entdecker-Feed. Der reguläre Newsfeed des Nutzers enthält nur noch Postings von Freunden und Werbeanzeigen.

Das bedeutet: In den regulären Newsfeed können sich die Fanpages nur noch einkaufen. Die Folge sind drastische Einbrüche der organischen Reichweite, die sich derzeit sowieso schon auf einem Tiefstand befindet. Struhárik spricht auf Medium von einem Rückgang der organischen Reichweite um zwei Drittel. Slowakische Medienseiten verzeichnen beispielsweise nur noch ein Viertel der Interaktionen seit der Umstellung der Feeds Ende der vergangenen Woche. Der Traffic der größeren Websites sei dadurch nicht merklich betroffen. Kleinere Seiten beklagen dagegen starke Traffic-Einbrüche durch Facebook.

Die Interaktionen der 60 größten slowakischen Medienseiten seit der Umstellung, © CrowdTangle

Bei den betroffenen Regionen handelt es sich um sehr kleine Märkte, von daher ist von einem Test auszugehen. Ein Facebook-Sprecher sprach in dem Zusammenhang laut Medium sogar selbst von einem “regionalen Test”. Trotzdem – so abwegig wäre eine strukturelle Umstellung der Feeds nicht. Im Vordergrund steht für Facebook mit dem Rollout des Feeds jedoch zunächst einmal, die Verweildauer der Nutzer auf der Plattform zu erhöhen, indem mehr interessante Inhalte ausgespielt werden. Wir können jedoch gespannt bleiben, wie sich der Entdecker-Feed weiter entwickelt.

Update: Facebook äußert sich offiziell

Adam Mosseri, Head of News Feed bei Facebook, hat auf Facebook Media ein ausführliches Statement zu den Tests gegeben. Demnach plane das Soziale Netzwerk bislang nicht, die Änderungen weiter auszurollen:

There have been a number of reports about a test we’re running in Sri Lanka, Bolivia, Slovakia, Serbia, Guatemala, and Cambodia. Some have interpreted this test as a future product we plan to deliver globally. We currently have no plans to roll this test out further.

[…]

The goal of this test is to understand if people prefer to have separate places for personal and public content. We will hear what people say about the experience to understand if it’s an idea worth pursuing any further. There is no current plan to roll this out beyond these test countries or to charge pages on Facebook to pay for all their distribution in News Feed or Explore.

Facebook versucht die Fanpage-Betreiber, die verständlicherweise in Aufruhr versetzt wurden, damit zu beruhigen. Komplette Entwarnung kann trotzdem nicht gegeben werden – mit dem Zusatz “currently” lässt sich Mosseri alle Optionen offen.

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