Social Media Marketing

Riesen Clickfarm in Thailand entdeckt: Über 400 iPhones und 300.000 SIM-Karten für Engagement bei WeChat

In Thailand hat die Polizei eine gewaltige Clickfarm aufgespürt, die mit Massen von Handys und SIM-Karten Fake Engagement und Views bei WeChat generierte.

© Alejandro Escamilla | Unsplash

Die thailändische Polizei nahm kürzlich drei Chinesen fest, die in Mietshäusern eine enorme Clickfarm betrieben. Von einem chinesischen Unternehmen bezahlt, betrieben sie ein Bot Netzwerk, um Likes, Shares und Views auf WeChat in China zu pushen.

347.200 SIM-Karten und Co. für die Clickfarm

Wie die Bangkok Post berichtet, hat die Polizei Thailands die chinesischen Staatsbürger Wang Dong, Niu Bang und Ni Wenjin festgenommen. Inzwischen wegen Schmuggels und illegaler Arbeit in Thailand angeklagt, wurden die Männer arretiert, nachdem die Polizei nicht nur 347.200 SIM-Karten von Mobilfunkanbietern aus Thailand, sondern auch 474 iPhones der Serie 5S, 5C und 4S in deren Unterkunft gefunden hatte. Darüber hinaus befanden sich weitere technische Geräte wie Laptops etc. in den Mietshäusern nahe der kambodschanischen Grenze.

Die Männer, die allem Anschein nach eine sogenannte Clickfarm betrieben, gaben der Polizei gegenüber Auskünfte zu ihrem Treiben. Einerseits hätten sie monatlich 150.000 Baht (etwa 3.950 Euro) von einem chinesischen Unternehmen bekommen. Andererseits hätte ihre Aufgabe darin bestanden, das Engagement für Produkte, die in China online verkauft werden, zu steigern. Dabei nutzten sie das eingeschmuggelte Equipment, dass dem Vernehmen nach auch von der chinesischen Firma gestellt wurde, um Likes, Shares und Views bei der Social Media Plattform WeChat manipulativ zu fördern. Dazu erhielten sie allem Anschein nach ein Bot Netzwerk aufrecht, auf das sich ihre Clickfarm stützte.

In Thailand hat die Gruppe operiert, da die Mobilfunkkosten dort verhältnismäßig günstig sind.

Die Drahtzieher sind unbekannt

Während die Clickfarm Betreiber zwar den Zweck ihrer Bemühungen offenbarten, waren sie nicht bereit, ihren Auftraggeber preiszugeben. Demnach sind die Drahtzieher weiterhin unbekannt, weshalb, so die Bangkok Post weiter, die Polizei weiterhin nach anderen Mitgliedern der illegalen Gruppe fahnde. Vor allem jene Hintermänner, die das Geld für die Beschaffung der SIM-Karten und Handys aufbringen konnten, würden mit Hochdruck gesucht.

Doch vermutlich wird es für die thailändische Polizei zunächst bei der Verhaftung der drei Clickfarm „Mitarbeiter“ bleiben. Für diese gerät das für sie lukrative Geschäft nun zum Alptraum. The Verge zufolge drohen ihnen fünf Jahre Haft sowie empfindliche Geldstrafen.

Das Clickfarm Problem besteht weiter und ist nur eins von vielen

Die Problematik mit Clickfarmen ist jedoch nicht neu und wird weiter bestehen. So kann ihr Betrieb auch darauf ausgelegt sein, der Konkurrenz zu schaden. Indem etwa einer Clickfarm eine geringe Summe pro Klick gezahlt wird, damit von ihr aus Ads des Konkurrenten, die einen hohen Cost per Klick aufweisen, geklickt werden. Auf diese Weise verliert dieser Konkurrent viel Werbebudget, da die Ads zwar geklickt werden, jedoch ohne Wirkung sind. Dabei gibt es viele Formen des Ad oder Click Betrugs. Die Clickfarm in Thailand setzte eben auf Fake Engagement bei WeChat.

Diese Social Media Plattform verzeichnete Ende 2016 ganze 889 Millionen monatlich aktive User, davon der größte Teil in China. Damit ist diese Plattform sehr einflussreich auch für den Onlinehandel in China. Die gezielte Manipulation dieses Netzwerks kann zweifelsohne Sales und Conversions vorantreiben. Und bei einer so riesigen Clickfarm, mit mehr als 300.000 SIM-Karten, über 400 Handys usw. scheint solch eine Manipulation nicht marginal zu sein.

Das Ausmaß der Clickfarm in Thailand lässt sich an Bildern der Thai News Agency (hier des Broadcasters MCOT) ermessen, Screenshot YouTube, © Thai News Agency

Der Kampf gegen das Phänomen Clickfarm – wie auch gegen Bots, die betrügerische Absichten verfolgen – geht weiter. Facebook und Co. arbeiten an Algorithmen, um Unstimmigkeiten zum Beispiel beim Engagement in Social Media zu prüfen. Doch Clickfarmen bleiben eine Gefahr, solange die Hintermänner weiteragieren und keine effiziente Lösung gefunden wird, ihr Treiben aufzudecken. So ist die Entdeckung der Polizei in Thailand zwar ein wichtiger Schritt; doch die Online Betrüger sind ihnen vielleicht schon einen solchen voraus.

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