Technologie

Alexa für Hotels startet durch: Wie läuft der Siegeszug der Sprachassistenz?

Alexa hat sich im Bereich der Sprachassistenz als Richtmodell etabliert. In Autos, Wohnzimmern und jetzt auch Hotels finden wir schon Smart Speaker von Amazon. Wohin führt der Weg?

Alexa für Hotels, Screenshot YouTube, © Amazon

„Alexa, zeig mir die Tür“. Was früher der Page im Hotel geleistet hat, soll heute Amazons Sprachassistenz übernehmen – und noch vieles mehr. Alexa kommt in einer Sonderversion für Hotels auf den Markt und erweitert damit seinen Wirkungsbereich wieder enorm. Bei einer Bestandsaufnahme zur Alexa-Nutzung zeigt sich, dass Amazons Assistenz den Alltag in stets mehr Bereichen beeinflusst. Bald vielleicht in allen Bereichen?

Alexa kommt in mehr Hotels

Die Hotelkette Marriott ist eine Partnerschaft mit Amazon eingegangen. Diese beinhaltet, dass in ausgewählten Hotels der Kette die Sprachassistenz Alexa für mehr Gästekomfort sorgen soll. Davon berichtet unter anderem Reuters. Demnach können Gäste damit den Concierge kontaktieren und um Rat fragen, den Roomservice bestellen oder einfach nur Licht ein- oder ausschalten, Wecker stellen, Filme einschalten usw.

Diese Zusammenarbeit steht ganz im Zeichen von Amazons Projekt Alexa for Hospitality. Diese Version von Alexa wird auf der Basis von Einladungen an Hotels, Ferienwohnungen und andere Gaststätten vermittelt, weiß Chris Welch von The Verge. Über ein Gerät wie Amazons Echo wird Alexa dann auf die Lokalität zugeschnitten. Neben den ausgewählten Marriott Hotels sollen auch die Westin Hotels & Resorts, St. Regis Hotels & Resorts, Aloft Hotels, und Autograph Collection Hotels mit dem Service der Sprachassistenz ausgestattet werden. Wie dieser sich darstellt, kann im Video von Amazon nachvollzogen werden, gepostet bei YouTube von einer Userin.

Schon im Sommer 2017 hatten das Wynn und das Encore Resort in Las Vegas den Sprachassistenten für über 4.700 Zimmer eingeführt.

Für den deutschsprachigen Raum, aber nicht nur, steht mit Roompad ein Skill für Alexa bereit, der sich auf konkrete Sprachbefehle im Hotelsektor bezieht. Alexa ist also im Hotelbereich so langsam auf dem Vormarsch, wenngleich zunächst wohl nur die gehobenen Adressen mit Smart Speakern auf den Zimmern operieren werden. Doch künftig dürfte deren Anblick, der in Deutschland noch nicht einmal im Wohnzimmer Alltag ist, sich durchaus normalisieren. Immerhin nimmt Alexa schon heute in verschiedenen Bereichen des Alltags Sprachbefehle entgegen.

Alexa breitet sich aus: Integration bei PCs, Konsolen und TV-Diensten

Amazons Echo-Geräte hatten 2017 in Europa einen Marktanteil von 67 Prozent bei den Smart Speakern, gegenüber 33 Prozent für Google Home-Geräte.

Marktanteile bei Smart Speakern 2017, Voicebot.Ai

Beim weltweiten Absatz von Smart Speakern liegt Amazon nach dem ersten Quartal 2018 auch deutlich vorn.

Weltweiter Absatz von Smart Speakern, © Statista, Quelle: Strategy Analytics

Die Statistik zeigt zudem, dass die Nachfrage nach derlei Geräten in den letzten gut eineinhalb Jahren extrem gewachsen ist. Im Umkehrschluss bedeutet das wiederum, dass Amazon Echo sich noch in diesem Jahr in immer mehr Haushalten niederlassen wird. Im Januar 2018 nutzten in Deutschland „nur“ 5,9 Prozent einen Smart Speaker mit Alexa, also ein Echo-Gerät. In den USA waren es zum gleichen Zeitpunkt schon 15,4 Prozent.

Prozentuale Smart Speaker-Nutzung in den USA und in Deutschland, © Statista

Der Wert dürfte sich jedoch monatlich erhöhen. Denn Alexas Vorzüge werden inzwischen über immer mehr Kanäle herausgestellt. Zum einen hält die Sprachassistenz demnächst wohl Einzug bei der Xbox One, wir berichteten. Damit öffnet sich auch die Welt des Gaming für eine sprachbasierte Unterstützung durch Amazons berühmten Service. Zum anderen hat Amazon jüngst seinen neuen Fire TV Cube vorgestellt. Laut Android Kosmos stellt er die Verbindung von Echo und Fire TV dar.

Amazons Fire TV Cube, Screenshot YouTube, © Amazon Fire TV

Das Gerät liefert dabei nicht nur Hilfestellung bei der Auswahl von Sendern, sondern ebenfalls Tipps zum Shopping, News, Wettervorhersagen und Smart Home-Kontrollen. Damit könnte es sich schnell zum Alltagshelfer entwickeln.

Genau auf diese Entwicklung hofft Amazon. Daher soll Alexa in Verbindung mit noch mehr Bildschirmen, genauer: PCs auftreten. Einem Bericht des Amazon-Watchblog zufolge soll das Unternehmen an Vorlagen gearbeitet haben, die dafür sorgen Alexa bei mehr Windows PCs zu integrieren. Und zu diesem Zweck stellt Amazon selbst neue Vorlagen vor, die Entwicklern die Integration bei PCs erleichtern sollen. Amazon gibt an, dass Acer, ASUS, Lenovo, und HP schon entsprechende Integrationen angekündigt hätten.

Auch die Autoindustrie wird durch Alexa beeinflusst

Viele Nutzer verbringen einen Gutteil ihres Tages im Auto; auf dem Weg zur Arbeit und zurück, privat oder während der Arbeit. Auch bei den Touren mit dem eigenen Wagen spielen digitale Touchpoints eine immer gewichtigere Rolle. Amazon weiß diesen Markt zu nutzen. Denn in zahlreichen neuen Modellen von Autobauern ist die Sprachassistenz Alexa integriert. So etwa bei allen Modellen von BMW und Mini, die ab Mitte 2018 gebaut werden.

Gerade beim Autofahren erhält die Sprachsteuerung eine enorme Relevanz, da die Hände nicht frei sind.

Sprachsteuerung hat bei der BMW Group schon vor Jahren Einzug gehalten, nun erweitern wir dies um ein digitales Ökosystem, das dem Kunden ganz neue Möglichkeiten eröffnet – schnell, einfach und sicher aus dem Fahrzeug heraus,

heißt es bei der Pressestelle BMWs. Beim Tool Uconnect ist Alexa ebenfalls mit im Spiel. Dieses vereint für Automarken eine Verbindung von Touchscreens, Sprach- und Lenkradbedienungen und übersichtlichen Displays. Die Integration von Alexa bei Uconnect ist etwa bei Modellen von Jeep verfügbar. Alexa erlaubt dann das Prüfen der Tankfülle per Sprachbefehl oder aber das Starten des Wagens, wenn es etwa draußen heftig regnet.

Uconnect und Alexa heben Sprachbefehle für Autos auf ein neues Level, Screenshot YouTube, © Uconnect

Demzufolge breitet sich Alexa auch lokal aus. Auf Hotels, Autos und Co. In den Wohn-, Ess- und Schlafzimmern dürften sich Smart Speaker von Amazon ohnehin immer häufiger finden. In Deutschland begegnen viele Nutzer ihnen jedoch weiter mit Vorbehalten. Diese basieren mitunter auf Gewohnheiten – die sich ändern können. Dazu kommt die Angst vor der Datenweitergabe, dass Amazon immer mithört. In Bezug auf die Nutzung in Hotels negiert das Unternehmen diese Möglichkeit natürlich rundheraus. Doch heutzutage darf man die Möglichkeit nicht ausschließen, dass die über gegebene Sprachbefehle zusammengetragenen und zusammengesetzten Daten an irgendeiner Stelle gewinnbringend gespeichert werden.

Alexa und Co. als Zukunftsmodell auch in der Öffentlichkeit?

Natürlich existieren neben Alexa auch die Geräte von Google Home oder Apples HomePod. Sie alle werden in den kommenden Jahren das Bild der digitalen Gesellschaft prägen. Womöglich werden die entsprechenden Sprachassistenten aber, wie uns Alexa for Hospitality lehrt, in immer mehr gewerblichen Bereichen eingesetzt werden. Und letztlich scheint es dann, wenn es Echos in der Hotellobby des Marriott gibt, gar nicht weit hergeholt, dass Alexa und ihre Pendants in nicht allzu ferner Zukunft auch vermehrt an öffentlichen Plätzen walten. Etwa an Bahnhöfen oder Flughäfen, vielleicht sogar in Foyers oder Verwaltungen, selbst Museen könnten profitieren.

Wir dürfen konstatieren: dafür, dass Alexa erst im November 2014 offiziell vorgestellt wurde, hat diese Sprachassistenz bisher schon einen erstaunlichen Siegeszug hinter sich; und der scheint jetzt erst richtig Fahrt aufzunehmen. Die Sprachassistenten, von welchen Unternehmen auch immer sie kommen mögen, bieten tatsächlich starke Erleichterungen im Alltag. Sie werden bei ihrer Integration in unser Leben kaum aufzuhalten sein. Die Vision von Smart Speakern und Sprachassistenz im öffentlichen Raum ist jedoch eine Orwellsche und es tut bei aller Freude über diese und das wirtschaftliche Potential, das sie bieten, Not, sich die Frage nach dem Datenschutz und der Transparenz zu stellen. Zuletzt schickte Alexa selbstständig eine private Konversation an einen fremden Nutzer; dabei handelte es sich jedoch um eine Misinterpretation.

Nichtsdestotrotz spricht man immerzu in ein Mikrofon. Und die Zeiten, in denen ein Screen auch unsere Gesichter dabei fokussiert, könnten kommen. Dann wird deutlich, wie bedeutend die Aufgabe von Amazon, aber auch den Gesetzgebern ist, solche Daten gewissenhaft zu behandeln. Denn die Sprachassistenz soll dem Nutzer dienen, ihn nicht exponieren.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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