Video Marketing

170 Millionen US-Dollar Strafe: YouTube ändert Umgang mit Kindervideos drastisch

Die Videoplattform muss wegen Verstößen gegen den Schutz der Privatsphäre von Kindern 170 Millionen zahlen. Künftig werden personalisierte Werbung und Kommentare bei Kindervideos entfernt.

© Leon Bublitz - unsplash

YouTube und die Videos für Kinder, diese Kombination ist äußerst erfolgreich. Allerdings ist sie besonders in den letzten Monaten auch zu einer äußerst prekären geworden. Kindervideos sind durch mitunter pädophile Kommentare sexualisiert worden, was Werbeboykotte herbeigeführt hat. Es kam zur Entfernung von Kommentaren bei Kindervideos und sogar zur Überlegung, alle diese Videos von der Hauptplattform zu entfernen. Nun muss YouTube eine Rekordstrafe zahlen und wird die Daten von Kindern und deren Privatsphäre künftig besser schützen.

170 Millionen US-Dollar Strafe wegen Verstößen gegen COPPA

Die Children’s Online Privacy Protection Rule (COPPA) wurde von YouTube deutlich verletzt. Das gab die Federal Trade Commission bekannt und ordnete daher eine Rekordstrafe von 170 Millionen US-Dollar an. Dabei ging es um den Vorwurf, dass YouTube Informationen von Kindern sammle, ohne die Einwilligung der Eltern aktiv einzuholen. FTC Chairman Joe Simons erklärte:

YouTube touted its popularity with children to prospective corporate clients. Yet when it came to complying with COPPA, the company refused to acknowledge that portions of its platform were clearly directed to kids. There’s no excuse for YouTube’s violations of the law.

Zusätzlich schreibt die FTC vor, dass Inhalte bei YouTube, die an Kinder gerichtet sind, mit der COPPA in Einklang stehen müssen. YouTube müsste ankündigen, welche Daten von Kindern gesammelt werden und die Einwilligung der Eltern einholen – ein beinah unmögliches Unterfangen. Daher reagiert YouTube mit umfassenden Änderungen für Videos, die an Kinder gerichtet sind. Diese sollen in etwa vier Monaten ausgerollt werden. So werden alle Daten, die beim Ansehen von Kindervideos generiert werden, als Daten von Kindern anerkannt, egal wie alt der Viewer tatsächlich ist. Daher werden lediglich die Daten gesammelt, die für den Videoservice selbst vonnöten sind. Des Weiteren werden Kommentare und Benachrichtigungen bei derlei Videos ausgeschaltet. Besonders relevant aber ist, dass personalisierte Ads bei Kindervideos nicht mehr ausgespielt werden.

Außerdem müssen die Produzenten von Kindervideos klarmachen, dass es sich um solche handelt. Via Machine Learning wird YouTube diverse Videos auch nachträglich identifizieren können.

Ist YouTube für Kinder dann sicherer?

Nicht nur, dass Kinder bei YouTube zahlreiche Daten abgegeben hatten; bei von ihnen eingestellten Videos wurden sie auch durch sexualisierende Kommentare belästigt. Gefahren lauern in sozialen Medien für Kinder überall. Daher wird YouTube es auch nicht müde, für die YouTube Kids App zu werben. Diese wird für Kinder immer wieder empfohlen. Aber natürlich hat sie nicht die gleiche Anziehungskraft wie das schier unermessliche Portal, das YouTube selbst darstellt. Doch YouTube möchte mit einer Kampagne, die über die Plattform läuft, auch verstärkt für die Vorteile der App werben. Zuletzt wurden ebenfalls die Standards für Channels in der App angehoben, sodass viele ausgeschlossen wurden, die nicht als angemessen gelten. Zusätzlich wird die YouTube Kids Experience nun auch wieder über den Desktop zugänglich gemacht.

YouTube Kids soll Kiondern eine sichere Umgebung bieten

YouTube Kids soll Kindern eine sichere Umgebung bieten, © YouTube

Weiterhin gibt YouTube an, über drei Jahre 100 Millionen US-Dollar zu investieren, um weltweit sorgfältig kreierte Original-Kindervideos produzieren zu können. YouTube CEO Susan Wojcicki betonte zudem noch, dass die Teams bei YouTube in Bezug auf die COPPA-Regularien gezielt geschult werden sollen.

Diese Änderungen sind drastisch, manchen aber noch nicht genug. Rebecca Kelly Slaughter von der FTC erklärt:

YouTube Kids, a COPPA-compliant app that YouTube developed, is a signal of its seriousness in becoming a trustworthy service that is safe for our children. This order will make YouTube safer for children than it has been, but, without a backstop to catch inappropriately designated content, it will not make YouTube safe enough. More action is needed, and I hope that our partners in state attorneys’ general offices can finish the job.

Die Frage, wie ernst die Vorgabe genommen wird, Kindervideos als solche zu labeln, bleibt zunächst offen. Für Creators und manche Advertiser sind dies indes keine guten Nachrichten. Gibt es im Kontext von Kindervideos keine personalisierten Ads, dürfte das die Einkünfte der Produzenten drücken.

Im Endeffekt könnte YouTube sogar weniger Creators für Kinder-Content oder weniger Kindervideos überhaupt haben, das könnte der Preis sein. Aber der Schutz gerade der Kinder sollte ohnehin schwerer wiegen. Wir dürfen dennoch gespannt verfolgen, wie sich die Änderungen auf YouTubes beziehungsweise Googles Werbekosmos auswirken.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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