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Unternehmenskultur
Wie reagiere ich auf die Kinderfrage im Bewerbungsgespräch

Wie reagiere ich auf die Kinderfrage im Bewerbungsgespräch

Kathrin Pfeiffer | 09.02.22

Kein Bewerbungsgespräch ohne Kinderfrage? Wir erklären, warum die Frage absolut unangemessen ist und wie du gekonnt damit umgehen kannst.

Hast du schon mal gehört, dass sich Männer darüber echauffieren, dass kein Bewerbungsgespräch ohne die Frage, wann man als Vater in Elternzeit gehen wird, abläuft? Wahrscheinlich nicht. Wenn die Frage nach der Familienplanung nur Frauen gestellt wird, ist das eine Form von Sexismus, da impliziert wird, Kinder seien Frauensache. Zudem können durch die vermeintlich harmlose Frage schnell Themen mit Trigger-Faktor hochkommen: Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten, Endometriose und der Umstand, dass transsexuelle Frauen keine leiblichen Kinder gebären können. All das sind persönliche und höchst emotionale Themen, die bei einem Bewerbungsgespräch nichts verloren haben.


Auch die Zahlen sprechen für sich: Laut einer Umfrage des Büroanbieters Viking haben 56,4 Prozent der befragten Frauen das Gefühl, ihre Kinder hätten einen negativen Einfluss auf ihre Karriere. Ebenfalls mehr als die Hälfte aller Befragten (52,6 Prozent) gab an, dass ihnen während eines Bewerbungsgespräches eine oder mehrere „unzulässige Fragen“ gestellt worden seien.

Deine Rechte kennen und äußern

Nach Paragraph eins des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, welches 2006 in Kraft getreten ist, ist die Frage nach der Familienplanung verboten. Bewerber:innen müssen also laut Gesetz keine Antwort auf die Frage geben. Im Fall, dass die Frage aufkommt, kannst du also auf den Paragrafen hinweisen und damit selbstbewusst auf deine Rechte aufmerksam machen. Dort heißt es:

Ziel des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) ist es, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

Bewerber: innen müssen also laut Gesetz keine Antwort auf die Frage geben. Eine informative und (einigermaßen) höfliche Antwort kann jedoch folgendermaßen aussehen:

Ich möchte Ihnen darüber keine Auskunft geben. Jedoch würde ich Ihnen tunlichst dazu raten, eine:n Jurist:in zu konsultieren – Sie scheinen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz §1 nicht zu kennen.

Ist das gerade ein Test, ob ich meine Rechte kenne? Sie wissen hoffentlich, dass diese Frage nicht rechtens ist. Falls Sie eine:n Bewerber:in suchen, die sich einschüchtern lässt, müssen Sie leider weitersuchen. Sie dürfen die Frage jedoch zurückziehen und wir vergessen das Thema.

Klare Trennungen

Ähnlich wie im Home Office auf eine Trennung zwischen Arbeitsleben und Privatem geachtet werden sollte, fordern Feminist:innen auch in Bewerbungssituationen eine klare Trennung dieser Bereiche. Selbstverständlich ist das einfacher gesagt als getan. Denn Unternehmen setzen in den vergangenen Jahren vermehrt darauf, sich als familiär und offen zu präsentieren. Ein fast freundschaftlicher Umgang rechtfertigt jedoch keine Ausfragungen à la Weihnachtsessen mit den entfernten Verwandten.

Die Erwartung, seine Energie in das Muttersein zu stecken, ist eine moderne Abwandlung der Jäger- und Sammlergeschichte. Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, muss man zwingend den Alibi-evolutionsbiologischen Erklärungen abdanken. Doch wie lange noch, bis Gleichberechtigung wirklich gelebt wird? Mirijam Trunk, Journalistin und Managing Director bei Bertelsmann, formuliert es in ihrem LinkedIn Post folgendermaßen:

Der weibliche Körper scheint so eine Art Gemeinschaftsthema zu sein, über das man reden und urteilen kann, wie es einem passt. […] Dabei ist es so einfach: urteile einfach nicht darüber, was in Organen vorgeht, die nicht deine sind.


So kann man im Bewerbungsgespräch mit der Kinderfrage umgehen

Falls in einem Bewerbungsgespräch trotzdem die K-Frage gestellt wird, gibt es verschiede Arten das Gespräch weiter zu führen. Neben dem genannten Szenario, in dem du auf deine Rechte verweist und die Aussage verweigerst, gibt es noch weitere Optionen, wie du auf die Frage nach deiner Kinderplanung reagieren kannst.

  1. Die Wahrheit sagen
  2. Lügen
  3. Nicht auf die Frage antworten
  4. Kontern

Vor deiner Auswahl solltest du dir die möglichen Konsequenzen durch den Kopf gehen lassen. Sagst du die Wahrheit, dass ein oder mehrere Kinder demnächst geplant sind, könnte das Unternehmen entscheiden, dich zu benachteiligen. Zu lügen, dass kein Kind geplant ist, wenn du dir insgeheim in naher Zukunft dennoch Nachwuchs wünschst, könnte das Vertrauensverhältnis zwischen dir und deiner potentiellen Arbeit zerstören.

Dumme Frage – Dumme Antwort?

Wir haben für euch eine Auswahl an Kontern erstellt, die mehr oder minder ernst gemeint sind. Wenn dir eine unpassende Frage hinsichtlich deiner Kinderplanung gestellt wird, kann das dazu führen, dass das Unternehmen als potentieller Arbeitsplatz ohnehin für dich rausfällt. Für den Fall könnte Option 4 „Kontern“ die richtige für dich sein. Mit einer frechen Antwort, mit der du die Absurdität der Frage unterstreichen möchtest, kannst du die Recruiter im besten Fall amüsieren – im wahrscheinlicheren Fall brennst du damit Brücken hinter dir ab. Wir haben ein paar Anregungen für dich erstellt, wenn du dich für diese Variante entscheidest:

Meine biologische Uhr tickt, ich muss mich ranhalten. Außerdem hab ich echt Hunger, wann geht ihr Männer denn circa jagen? Mittagspause ist ja schon bald.

Nein, ich möchte keine Kinder. Damit das auch so bleibt, erwarte ich von Ihnen eine monatliche Verhütungspauschale von 50 Euro.

(Ernsthafte Antwort). Und bei Ihnen? Sie werden ja schließlich auch nicht jünger.

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