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Unternehmenskultur
Wegen Gewerkschaftsplanung rausgeworfen? Google wird von US-Arbeitsanwalt verklagt
© Yaroslav Verstiuk - Unsplash

Wegen Gewerkschaftsplanung rausgeworfen? Google wird von US-Arbeitsanwalt verklagt

Niklas Lewanczik | 03.12.20

Google hat Mitarbeitende, die sich gewerkschaftlich organisieren wollten, entlassen. Jetzt muss sich der Tech-Riese vor Gericht dafür verantworten - und gibt für die Entlassung andere Ursachen an.

Hat Google im vergangenen Jahr eine Reihe von Mitarbeitenden entlassen, weil diese eine gewerkschaftliche Organisation innerhalb des Unternehmens aufbauen wollten? Diese Frage wird nach Informationen des Tech Publishers Heise nun vor Gericht geklärt. Denn im Namen zweier Ex-Googler hat ein US-Anwalt für Arbeitsrecht nun Anklage gegen das Unternehmen erhoben. Der Vorwurf: Verstöße gegen das Arbeitsrecht. Gleichzeitig hat das US National Labor Relations Board laut Yahoo News in den USA eine Beschwerde gegen Google eingelegt, weil das Unternehmen inzwischen entlassenen Mitarbeitenden während ihrer Zeit bei Google das Recht auf gewerkschaftliche Organisation verwehrt und sie sogar überwacht habe.

Unterbindet Google die Organisation unter Mitarbeitenden? Beschwerde und Anklage als Indikatoren

Zwei ehemalige Google-Mitarbeitende, Laurence Berland und Kathryn Spiers, klagen gegen Google. Sie werfen ihrem ehemaligen Arbeitgeber vor, sie wegen des Bestrebens nach gewerkschaftlicher Organisation gefeuert zu haben. Google hingegen nennt als Grund den Verstoß gegen interne Vorschriften. In einem Statement gegenüber TechCrunch gibt das Unternehmen außerdem an:

Google has always worked to support a culture of internal discussion, and we place immense trust in our employees. Of course employees have protected labor rights that we strongly support, but we have always taken information security very seriously. We’re confident in our decision and legal position. Actions undertaken by the employees at issue were a serious violation of our policies and an unacceptable breach of a trusted responsibility.

Ein Verwaltungsrichter soll nun in den USA klären, ob Spiers und Berland unrechtmäßig entlassen worden waren. Die konkreten Anklagepunkte sind nicht nachvollziehbar, weil die Klageschrift nicht öffentlich ist. Kathryn Spiers hatte sich auf der Publishing-Seite Medium allerdings schon nach ihrer Entlassung im vergangenen Jahr zu Wort gemeldet und angegeben, sie habe mit einigen Code-Elementen eine Pop-up-Nachricht erstellt, die Mitarbeitenden beim Browsen auf bestimmten Seiten wie zu den Community Guidelines die Information „Googlers have the right to participate in protected concerted activities“ anzeigte. Unter anderem wurde ihr dieses Handeln als Verstoß gegen das Sicherheitsprotokoll ausgelegt, sodass sie erst suspendiert, später gefeuert wurde. Spiers hatte sich besonders gegen Googles Kooperation mit dem Unternehmen IRI Consultants ausgesprochen. Dieses ist für seine Arbeit gegen gewerkschaftliche Organisation bekannt; die New York Times hatte über Googles fragwürdige Zusammenarbeit mit dem Business berichtet.

Laurence Berland wiederum wurde entlassen, weil er unrechtmäßig einen Kalender einer Kollegin eingesehen hatte. Dort hatte er Treffen mit IRI-Personen entdeckt, woraufhin Google zugab, mit dem Unternehmen zusammenzuarbeiten – allerdings ohne einen konkreten Aufgabenbereich für die Consulting-Firma zu nennen. Ob Berland und Spiers vor Gericht Recht bekommen werden, ist noch nicht abzusehen. Immerhin haben sie, so scheint es von außen, gegen interne Protokolle verstoßen. Und so muss ihr Anwalt das Gericht davon überzeugen, dass die Entlassungen im Kontext ihrer gewerkschaftlichen Bestrebungen standen – und dass diese allgemein unterdrückt werden.

Google als Arbeitgeber: Seit Jahren gibt es Proteste

Die beiden Klagenden sind nicht die ersten Ex-Googler, die das Unternehmen bezichtigen, ihnen Rechte nicht zugestanden zu haben. Ohnehin sieht sich Google seit Jahren Protesten gegen die Arbeitskultur im Unternehmen ausgesetzt. 2018 kam es zu einem globalen sogenannten Google Walkout, an dem über 17.000 Googler teilnahmen. Der Protestmarsch basierte auf dem Vorwurf der Ungleichbehandlung und einem problematischen Umgang mit sexueller Belästigung bei Google. In der Folge wurden aber auch immer wieder mögliche antigewerkschaftliche Praktiken bei Google an den Pranger gestellt. Das US National Labor Relations Board hatte schon vor rund einem Jahr eine Untersuchung dieser Vorwürfe durch ehemalige Mitarbeitende eingeleitet.