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Unternehmenskultur
Equal Pay Day 2022: Gender Gap bleibt ein Problem, doch wo liegen die Ursachen?

Equal Pay Day 2022: Gender Gap bleibt ein Problem, doch wo liegen die Ursachen?

Michelle Winner | 04.03.22

Auch in diesem Jahr macht der Equal Pay Day darauf aufmerksam, wie viel weniger Geld Frauen im Vergleich zu Männern verdienen. Neben strukturellen Gründen, kann auch fehlendes Selbstbewusstsein eine Ursache für ein niedriges Gehalt sein.

Am 7. März ist Equal Pay Day. Dieser Tag markiert den Punkt, bis zu dem Frauen im Vergleich zu Männern theoretisch unentgeltlich gearbeitet haben, obwohl sie die gleiche Leistung erbracht haben. Damit soll auf das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern, also die Gender Pay Gap aufmerksam gemacht werden. Denn noch immer verdienen viele Frauen weniger in ihrem Job als Männer – selbst wenn es sich um vergleichbare Positionen handelt und sie die gleichen Qualifikationen mitbringen.

Wieso verdienen Frauen weniger als Männer?

Als Ursache für die Gender Pay Gap lassen sich viele verschiedene Faktoren nennen. In vielen Familien sind es beispielsweise überwiegend die Mütter, die nach der Geburt eines Kindes in Elternzeit gehen. Danach wird ihnen die Rückkehr in die Arbeitswelt oft erschwert und sie geraten in die sogenannte Teilzeitfalle, was auch direkte Auswirkungen auf die Gender Pay Gap hat. Und auch die Coronapandemie hat dafür gesorgt, dass das Lohngefälle nicht kleiner, sogar größer wird. Teilweise werden Mädchen bereits im Schulalter „klein gehalten“, heißt, ihnen wird vermittelt, dass bestimmte Berufsfelder, die generell als gut bezahlt gelten (technische Berufe, Führungspositionen etc.), „nichts für Frauen sind“. Dadurch entscheiden sie sich eventuell für einen Job, in dem die Gehaltsmöglichkeiten schlechter sind.

Es lassen sich noch mehr Gründe finden und natürlich muss betont werden, dass einige Frauen sich auch bewusst gegen einen hochbezahlten Job entscheiden, um zum Beispiel mehr Zeit für die Familie oder eigene Interessen zu haben. Doch neben der großen Gender Pay Gap gibt es auch noch den bereinigten Wert. Und dieser zeigt, dass auch Frauen in vergleichbaren Positionen wie Männer in derselben Branche mit denselben Qualifikationen und derselben Kompetenz teilweise sehr viel weniger verdienen. Dieser Unterschied lässt sich nicht durch strukturelle Unterschiede erklären und das niedrigere Gehalt basiert oft auf unterbewussten Vorbehalten der Arbeitgeber:innen. Frauen werden als weniger kompetent und leistungsfähig wahrgenommen.

Liegt der Gehaltsunterschied am Selbstbewusstsein?

Ein weiterer Grund dafür, dass Frauen oft weniger Gehalt bekommen und sich auch mit Gehaltserhöhungen schwertun, könnte auch das Selbstbewusstsein sein. Weibliche Angestellte neigen dazu, ihre eigene Leistung weniger anzuerkennen als männliche Angestellte. Diese sogenannte Confidence Gap hat Glassdoor in einer aktuellen Studie untersucht. Laut dieser sagen 53 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer in Deutschland, dass es ein Defizit hinsichtlich des Selbstvertrauens am Arbeitsplatz gibt.

73 Prozent der befragten Frauen sind der Überzeugung, dass sie mehr Gehalt verdienen würden. Dennoch gehen gerade einmal 43 Prozent selbstbewusst in Gehaltsverhandlungen hinein, bei den Männern sind es immerhin 66 Prozent. Außerdem geben 41 Prozent der weiblichen Arbeitskräfte an, dass ihre Zurückhaltung in solchen Gesprächen negativen Einfluss auf ihr Gehalt hatte. Hier können Unternehmen eingreifen und die eigene Gehaltspolitik überdenken, um allen Mitarbeiter:innen die gleichen Gehaltsmöglichkeiten einzuräumen. Das Schlüsselwort lautet Transparenz: 67 Prozent aller Befragten sind überzeugt, dass Gehaltstransparenz sich positiv auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter:innen auswirkt, aber nur knapp die Hälfte denkt, dass ihr Unternehmen transparent ist. Arbeitgeber:innen sollten sich diesen Punkt zu Herzen nehmen und Safe Spaces für die Gehaltsverhandlungen schaffen, sodass sich für alle faire Chancen ergeben.

Wer wagt, gewinnt?

Mutig sein wird oft belohnt. Die Studie ergab, dass von den Befragten, die in den vergangenen 12 Monaten nach einer Gehaltserhöhung gefragt haben, 83 Prozent auch eine erhalten haben – jedoch nicht immer in der gewünschten Höhe. Insgesamt haben 43 Prozent der Männer die prekäre Frage nach mehr Lohn gestellt, bei den Frauen waren es 35 Prozent. Dabei sind die männlichen Angestellten etwas erfolgreicher gewesen: Hier haben 48 Prozent auch das Gehalt erhalten, was sie gefordert hatten, während es bei den Frauen 42 Prozent waren. Jill Cotton, Karriereexpertin bei Glassdoor, kommentiert die Ergebnisse wie folgt:

Bis heute ist das Thema Gehaltsverhandlungen vielen Menschen und hauptsächlich Frauen unangenehm. Unsere Umfrage hat ergeben, dass die anhaltende mangelnde Transparenz um das Gehalt Frauen am Arbeitsplatz benachteiligt. 40 Prozent der Arbeitnehmerinnen trauen sich nicht, über ihr Gehalt zu verhandeln, und nur 46 Prozent glauben, dass ihr Arbeitgeber genug tut, um das geschlechtsspezifische Lohngefälle zu beseitigen. Transparente Gehaltsstrukturen und die Einbeziehung aller Beschäftigten in offene Gehaltsgespräche können ein gleichberechtigteres Arbeitsumfeld schaffen, was zu langfristigem Unternehmenserfolg führt. Dieses Thema ist am Vortag des Weltfrauentages so relevant wie nie.

Mitarbeiter scheinen selbstbewusster zu verhandeln als Mitarbeiterinnen. Darauf deutet auch hin, dass laut der Studie 51 Prozent der Frauen ihr letztes Jobangebot angenommen haben, ohne irgendeinen Punkt zu verhandeln. Entweder waren sie tatsächlich mit dem Angebot zufrieden oder haben sich nicht getraut, nach besseren Konditionen zu fragen.

Unternehmen sollen mehr gegen das Lohngefälle tun

Angestellte, die ihr Gehalt als zu niedrig einstufen, sehen oft nur einen Jobwechsel als Lösung des Problems. 76 Prozent der Befragten, die einen neuen Job suchen, geben an, dass sie dieses Mal ihr Gehalt verhandeln wollen. Zwar haben in den vergangenen 12 Monaten nur wenige ihr Unternehmen verlassen (20 Prozent), doch sie wollen, dass ihre Treue belohnt wird. 77 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen wollen in den kommenden 12 Monaten nach mehr Gehalt oder Boni fragen. Auch hier zeigt sich wieder mehr Verhandlungsbereitschaft bei den männlichen Angestellten.

Jede Vierte der befragten Frauen ist überzeugt, dass ihr Unternehmen keinen Wert auf die Verringerung der Gender Pay Gap legt. Darüber hinaus glauben 48 Prozent der Männer und 54 Prozent der Frauen, dass ihre Arbeitgeber:innen nicht genug tun, um das Lohngefälle zu verringern und gerechte Gehälter zu verteilen. Es zeigt sich also, dass Unternehmen aktiv dazu beitragen können, die Gender Gap zu schließen. Dazu müssen sie neben einer transparenten Gehaltspolitik auch innere Vorbehalte ablegen und weibliche Angestellte dazu ermutigen, ihre Leistung anzuerkennen und selbstbewusst in Gehaltsverhandlungen zu kommen. Interessant wären an dieser Stelle noch Untersuchungen dazu, wie es nichtbinären Personen beim Thema Lohnlücke ergeht. So oder so bietet der Equal Pay Day aber die Chance, Unternehmen sowie Arbeitnehmer:innen auf die Problematik aufmerksam zu machen.

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