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Selfimprovement
Wer im Glashaus sitzt… – Studie zeigt: Baby Boomer ist die sensibelste aller Generationen
© Hide The Pain Harold

Wer im Glashaus sitzt… – Studie zeigt: Baby Boomer ist die sensibelste aller Generationen

Toni Gau | 18.12.19

Eine kürzlich getätigte Studie der Michigan State University brachte ein interessantes Ergebnis ans Tageslicht: Es sind nicht die Millennials, sondern Baby Boomer, welche übersensibel sind.

Oftmals müssen Millennials sich anhören, wie überempfindlich und narzisstisch sie doch seien. Eine überlebensunfähige Ansammlung narzisstischer Schneeflocken, welche sich bei der kleinsten Unannehmlichkeit in der Ecke schniefend zusammenrollt. Ein doch sehr verbreitetes und heftiges soziales Stigma, welches nun von einer Studie der Michigan State University relativiert wurde: Die primären Beschuldiger – Baby Boomer – waren tatsächlich noch um einiges schlimmer.

Narzissmus als Ausgangspunkt

Es scheint die Annahme zu herrschen, jüngere Generationen würden immer narzisstischer und selbstabsorbierter werden. Eine Behauptung, welche zu Zeiten von Social Media durchaus vertretbar scheint. Schließlich kann jede Person binnen einer Minute zum Internetstar werden; jede Person kann sich nun selbst inszenieren. Da ist es doch naheliegend, dass die jüngeren Generationen um einiges narzisstischer sind, oder?

Nun, an dieser Stelle muss wohl leider eine Blase zerplatzen: Dem ist nicht so. Ältere Generationen starteten der Studie zufolge mit einem höheren Level an Hypersensibilität, Selbstabsorption oder auch Eigensinnigkeit, wobei diese als Wahrscheinlichkeit die eigenen Meinungen anderen aufzuzwingen zu verstehen ist. Manche dieser Tendenzen lassen sich bis dato noch spüren – siehe die doch sehr empfindliche Reaktion auf den Internet Trend „OK, Boomer“ oder auch der altbekannten Phrase: „Das siehst du auch noch anders, wenn du älter bist“.

Ich, ich und wieder ich! Das Missverständnis vom Narzissmus

Bekanntermaßen verhalten Menschen sich allerdings wie ein guter Wein und reifen mit der Zeit – zumindest im Optimalfall. Der Studie zufolge geht Narzissmus im Alter nämlich auch zurück. Wir knüpfen neue Beziehungen, trennen alte, kriegen Jobs und Kinder, heiraten und dergleichen – dadurch realisieren wir mit der Zeit, dass die Welt sich nicht nur um uns dreht und wir womöglich gar nicht so großartig und außergewöhnlich sind, wie wir zuvor annahmen. Oder wie William Chopik, Professor der Psychologie an der Michigan State University, es formulierte:

There are things that happen in life that can shake people a little bit and force them to adapt their narcissistic qualities. As you age, you form new relationships, have new experiences, start a family and so on. All of these factors make someone realize that it’s not ‚all about them.‘ And, the older you get, the more you think about the world that you may leave behind.

In der Regel bessert sich der eigene Narzissmus also mit der Zeit – dass mehr hiervon überbleibt, sofern die eigenen Level höher starteten, ist ein logischer Rückschluss und kann auch intergenerationelle Probleme erklären. Bemerkenswert ist hierbei ebenfalls, dass insbesondere junge Erwachsene drastische Vorsprünge bei ihrem Narzissmus machen – dennoch erwähnt Chopik gleichermaßen, dass es sich hierbei um einen lebenslangen Prozess handelt.

…sollte nicht mit Steinen werfen

Wer sich nun also wieder denkt, wie verweichlicht doch die ganzen jüngeren Generationen sind, dass diese nur an sich selbst denken und so weiter, sollte nun eventuell einmal kurz einatmen, in sich gehen und sagen: Statistisch gesehen war ich noch schlimmer. Es ist sehr einfach, jüngere Generationen zu diffamieren, wenn diese nicht die eigene Lebenserfahrung teilen und noch viel zu lernen haben. Genauso ist es sehr einfach zu sagen, man könne nichts mehr von ihnen lernen und dementsprechend auf die Eigensinnigkeit zu beharren, welche sich im Optimalfall doch über die Jahre hätte bessern sollen. Ja, es ist auch sehr einfach auf die Jugend herabzuschauen, wenn die eigene nun beinahe ein halbes Jahrhundert in der Vergangenheit liegt. Studien wie diese zeigen uns allerdings, dass es sich hierbei nicht zwanghaft um die klügsten Maßnahmen handelt – vor allem, wenn man selbst doch nicht besser war. Diese Studie hat uns doch immerhin eine Sache gezeigt: Selbstreflexion stoppt nicht in der Jugend, sondern geht auch noch im Alter weiter.

Patrice am 18.12.2019 um 17:27 Uhr

Zunächst wird in diesem Artikel wenig verständlich argumentiert. Wahrscheinlich, weil die die Quelle völlig fehlinterpretiert wird. In der Studie werden Personen der Geburtsjahrgänge 1923 bis 1969 verglichen. Die Boomer sind hier enthalten, aber noch viel frühere Jahrgänger. Diese frühen Jahrgänge schienen sensibler als die Boomer und NICHT die Boomer als die Millenials. WO ist hier überhaupt die Rede von Millenials?

Das ist einfach nur schwach gemacht und nur dazu da, auf die eben stattfindende Web-Debatte aufzuspringen. Die Quelle steckt hinter einer Paywall, so muss man dem Autor hier dann wohl oder übel glauben. Ich habe auch nur den Abstract zur Verfügung, der aber genau das erzählt, was ich hier kommentiere und nicht, was im Artikel steht. Solch schlechter Journalismus heizt jegliche Debatten unnötig an, und seien es solche nichtigen Themen wie diese Boomer/Millenial-Debatte. Das ist das Problem.

Antworten
Toni Gau am 19.12.2019 um 13:49 Uhr

Hallo Patrice,

natürlich bedanke ich mich erst einmal fürs Lesen, auch wenn der Artikel dir offensichtlich missfallen hat. Ich hoffe aber dennoch einige deiner Fragen und Probleme aufgreifen und beantworten zu können.

Erst einmal zur Verlinkung, welche angeblich dazu dienen würde, dass man mir im Artikel wahllos glauben müsse. Das ist selbstverständlich keineswegs die dahinterstehende Intention. Die Michigan State University hat lediglich darum gebeten, dass bei Berichterstattung dies die angegebene Quelle sein solle. Das ist vollkommen plausibel, schließlich wollen auch diese an ihren Forschungsergebnissen profitieren und diese nicht gratis publik machen – wenn ich ein Buch als Quelle angeben würde, bestünde hierbei dasselbe Prinzip – Informationen gegen Kaufabschluss. Das ist nicht unüblich und soll kein Informationsprivileg schaffen, sondern dient schlichtweg dem beidseitigen Profit. Andere Quellen zu diesem Thema gibt es ansonsten reichlich und das ohne Geld zu zahlen, beispielsweise diese: https://www.insider.com/baby-boomers-are-more-sensitive-than-millennials-large-study-finds-2019-12
https://msutoday.msu.edu/news/2019/me-me-me-how-narcissism-changes-throughout-life/
https://www.businessinsider.de/bi/millennials-less-sensitive-than-baby-boomers-stereotypes-2019-12/?r=US&IR=T

Die Quelle wurde im Übrigen auch nicht missverstanden. Chopik sagt ganz klar, dass ältere Generationen den Ergebnissen zufolge in der Regel hypersensibler sind – so auch der Baby Boomer und Millennial Vergleich. Einige Zitate seinerseits dazu:

„Baby boomers may be more narcissistic than other generations because they grew up in a time when the government provided privileges like social security. Based on our study, there’s weak evidence that this younger generation is the worst in human history. We know younger people on average are more narcissistic, but that goes away as they age. People will live their own lives and have experiences to lower that narcissism and mature.“

Was die Argumentation betrifft, muss ich gestehen, dass ich hierbei nur wenig Verständnis zeigen kann, ganz einfach, da abseits des Fazits keine wirkliche Argumentation meinerseits erfolgt. Schließlich rezitiere ich nur die Ergebnisse der Studie und im Fazit argumentiere lediglich, dass man anhand der Studie eventuell in sich gehen sollte, bevor man die jüngeren Generationen beschmäht.

Nichtsdestominder, dass ich wie gesagt nur die Inhalte wiedergebe und nicht etwa plane eine Debatte anzuheizen, steht es dir natürlich auch frei zu denken, dass dieses Thema nichtig sei, doch muss ich hier klar widersprechen. Mehr Generationen als je zuvor werkeln aktuell gemeinsam innerhalb der Arbeitswelt und ständig konfligieren diese miteinander. Die einen sagen OK, Boomer, die anderen sagen Snowflake und niemand scheint in einem anständigen Diskurs auf einen Nenner zu kommen – das ist der intergenerationelle Status Quo und durchaus wert diskutiert zu werden. Zu sagen, dieses Thema sei nichtig, scheint mir dann doch etwas ignorant. Wenn es für dich persönlich uninteressant ist, ist das natürlich etwas anderes und dein gutes Recht, doch sollte man das nicht als allgemeines Urteil werten.

Ich hoffe, dass ich deine Probleme mit und Fragen zu diesem Artikel somit weitestgehend beantworten konnte.

Liebe Grüße,
Toni

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Bruno Mayer am 18.12.2019 um 22:44 Uhr

Quasi bravo, Patrice ! Obwohl ich die Studie nicht gelesen habe, ist mir Dein Angriff auf den Journalisten
schon sehr recht, weil ich schon länger mit der Redaktion hadere. Auch mit deren Aufzwingung von
Tracking-Technologie bzgl. Nutzerprofile. Wenn das nicht bald aufhört, kündige ich.

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