Millennials in der Arbeitswelt: Gar nicht mal so einfach?

Millennials werden oftmals als faule Generation bezeichnet, die kaum noch hart arbeiten muss. Vielmehr kann, denn die Nachfrage fehlt.

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Millennials werden oftmals als eine sehr faule, undankbare und auch verwöhnte Generation dargestellt. Eine Masse von verweichlichten Traumtänzern, die keinen Nagel mehr in die Wand geschlagen bekommen und eigentlich bereits alles haben, sich damit aber dennoch unzufrieden zeigen. Dass Millennials es jedoch gar nicht so einfach haben, wie stets behauptet wird, speziell in der Arbeitswelt, wird entweder missachtet, unterschätzt oder schlichtweg belächelt, wie auch Kununu berichtet. Doch sind die Probleme der Millennials keineswegs zu ignorieren; sie sind real und greifbar.

Wetteifern am Stellenmarkt

Bis dato gab es keine so gut ausgebildete Generation, wie die Millennials es sind – und das statuiert ein Problem. 85-90 Millionen dieser treiben aktuell in den USA ihr glutenfreies Unwesen und dürfen feststellen, dass die ach so angepriesene Bildung sich für die Arbeitswelt als größtenteils wertlos entpuppt, denn diese wird kaum noch anerkannt, sondern als selbstverständlich präsupponiert. Alles, was keinen Doktor oder Master hat, ist redundant; niedrigere Abschlüsse sind nichts Besonderes mehr, sondern im Wert etwa mit dem Abitur gleichgestellt. Das Angebot ist folglich riesig, doch die Nachfrage beinahe inexistent. Als Millennial besteht eine exorbitant hohe Wahrscheinlichkeit zur Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung oder – wenn man Glück hat – einem schlichtweg frustrierenden Start in der Arbeitswelt.

Dementsprechend viele Millennials leben weiterhin bei ihren Eltern, arbeiten in Teilzeit-Jobs trotz Bachelor, werkeln als Kellner und Kellnerinnen und ergreifen schlichtweg jeden erdenklichen Job, einfach, um zumindest etwas Einkommen zusammenzutragen. Andere Möglichkeiten gibt es oftmals nicht. In den USA sind 40% der aktuell Arbeitslosen auch Teil der Millennial-Generation. In Deutschland sieht diese Statistik zwar besser auch, doch die Millenial-Probleme sind dieselben. Unter anderem dadurch, dass Studenten hierzulande keine lebenslangen Schulden aufbauen, bloß indem sie studieren. Die hiesigen Schulden nach dem Studium belaufen sich oftmals im Bereich von Zehntausenden, in Amerika hingegen von Hunderttausenden. Dennoch steigen die Studienkredite auch in Deutschland; ein Drittel absolviert sein Studium verschuldet.

Insgesamt weniger Einkommen

Doch nicht nur deswegen ist der Millennial im Dispo. Ganz allgemeine Finanzprobleme sind nämlich genauso präsent, wie die durchs Studium verursachten. Beiträge für die Altersvorsorge steigen, während das durchschnittliche Einkommen von heute im Vergleich zu dem vor 30 Jahren um insgesamt 19 Prozent gesunken ist. Sprich: Weniger Geld, jedoch höhere Zahlungen. Zusätzlich seien auch weiterhin die Konsequenzen der Finanzkrise im Jahr 2008 für die insbesondere amerikanische Millennial-Generation spürbar.

In Verbindung mit der Befürchtung, dass aufgrund des Klimawandels viele junge Leute ihre Rente gar nicht mehr miterleben dürfen – und selbst wenn, scheint diese eher mager auszufallen – sowie einer Arbeitswelt, welche nichts für einen bereithält, entwickelt sich ganz selbstverständlich eine Generation von Traumtänzern, welche für den Moment leben, denn die Zukunft scheint nicht vielversprechend. Eine sehr düstere Zukunftsvision, doch eine, mit der Millennials sich unausweichlich befassen müssen. Die angeblich so faule, undankbare und verwöhnte Generation ist realistisch betrachtet nichts von alledem. Vielmehr verkam eine ursprünglich aufstrebende, intelligente Generation zu einer demotivierten, frustrierten und verängstigten. In keiner anderen sind die Probleme der Depression, klinischen Angst und des Stresses so verbreitet wie in dieser – und das aus gutem Grund. Zu behaupten, als Millennial habe man es so einfach, ist schlichtweg ignorant. So wie jede andere Generation auch, verfügt diese über eine gewisse Anzahl von Vor- und Nachteilen. Bevor man also urteilt, sollte man erwägen, stattdessen einem reflektierten Umgang mit dem Thema nachzukommen. Denn die Realität sieht folgendermaßen aus: Die kommenden Generationen sehen sich mit tatsächlichen Herausforderungen konfrontiert. Es wird nicht, wie gerne behauptet, alles auf dem Silvertablett serviert.

Über Toni Gau

Toni Gau

Toni Gau ist freischaffender Blogger, wobei sein Augenmerk auf Popkultur, Literatur und Storytelling liegt, mit eigens geschriebenen Geschichten zwischendrin. Nach dazugehörigem Studium setzt er hier nun seine Arbeit fort und schreibt seit März 2019 für OnlineMarketing.de

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