OK, Boomer – Wie gut können fünf verschiedene Generationen zusammenarbeiten?

Können 20-Jährige dauerhaft ohne Konflikte mit 70-Jährigen zusammenarbeiten? Dieser Generationenfrage hat sich nun eine Studie angenommen. Wir stellen euch die Ergebnisse vor.

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Jung und Alt – Konfliktpotenzial gab es da schon immer. „OK, Boomer“ – das Meme der Stunde bringt da aktuell auch einige schöne Beispiele zur Sprache. Vor allem aber sind die verschiedenen Altersstrukturen im Arbeitsalltag oft schwer zu vereinen. Und kein Wunder, dass es manchmal knirscht und kracht, wenn man sich die fünf unterschiedlichen Generationen mal genauer anschaut, die heute in deutschen Büros aufeinandertreffen:

Stille Generation             (74 – 91 Jahre)

Baby Boomer                    (55 – 73 Jahre)

Generation X                     (39 – 54 Jahre)

Millennials                          (23 – 38 Jahre)

Generation Z                     (22 Jahre und jünger)

Da jede der Gruppen unterschiedliche Erwartungen, Wünsche, Lebenserfahrungen und Ansprüche hat, verwundert es ganz und gar nicht, dass hier grundsätzlich ein großes Konfliktpotenzial besteht.

It do really be like that. from r/okboomer

Aber ist es denn tatsächlich so, dass Jung und Alt schlecht miteinander arbeiten können? Dieser Frage sind der Büromittellieferant Viking zusammen mit dem Marktforschungsinstitut OnePoll nachgegangen. Sie haben 1.000 deutsche Arbeitnehmer befragt und eine Studie zum Generationenkonflikt am Arbeitsplatz erstellt.

Wer arbeitet überhaupt mit wem?

Hat der 21-Jährige überhaupt viel mit dem 75-Jährigen zu tun? Laut Studie haben zwei Drittel der Befragten täglich Kontakt mit Millennials und der Generation X. Zudem arbeiten rund 44 Prozent täglich mit der Generation Z und den Baby Boomern zusammen, mit der stillen Generation hat immerhin jeder 4. täglich Kontakt.

Wo gibt es Stresspotenzial?

Die zwei gegensätzlichsten Parteien – Anfang 20 und Ü70 – sind nicht sehr beliebt. Denn jeweils ein Viertel der Befragten hat mit diesen Altersgruppen negative Erfahrungen gemacht. Häufige Gründe waren die Arbeitseinstellung und Machtkämpfe. Aber auch die Baby Boomer und Generation X schnitten nicht sonderlich gut ab. Konflikte gab es hier bisher für ein Drittel der Studienteilnehmer.

Was allerdings stark auffällt: die Generation Z ist das „schwarze Schaf“ der Altersgruppen. Je ein Drittel der Baby Boomer, Generation X und Millennials hatten Probleme in der Zusammenarbeit und der Arbeitseinstellung. Auffällig ist zudem, dass die Arbeitsmoral selbst den Altersgenossen ein Dorn im Auge ist. Rund 37 Prozent der Generation Z bemängelte dies ebenfalls bei Arbeitskollegen ihren Alters.

Vor allem kommt es bei der Kommunikation zu Irritationen. Während die Älteren eher den persönlichen oder telefonischen Kontakt suchen, geht es bei den Jüngeren hauptsächlich online.

Auch ist die unterschiedliche Arbeitseinstellung ein Thema. Die stille Generation und die Baby Boomer möchten Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren und stufen den Respekt für ihre Vorgesetzten als sehr hoch ein. Etwas anders sieht es hier bei der Generation X aus. Arbeit ist für sie oft das Mittel zum Zweck, um sich ein schönes Leben ermöglichen zu können. Auch werden Probleme direkt angesprochen, was natürlich nicht bei jedem gut ankommt. Bei den Millennials und der Generation Z zeigt sich etwa, dass die Hierarchien immer flacher werden.

Was treibt die Gruppen an?

Auch die Motivation, die hinter der Arbeit steckt, variiert von Generation zu Generation stark. Das zeigt sich bei der Angabe von Punkten, die den Teilnehmern am Arbeitsplatz besonders wichtig sind. Baby Boomer brauchen Sicherheit – 90 Prozent gaben an, dass ein sicherer Job eine sehr hohe Priorität hat. Anders bei der stillen Generation. Hier legen 90 Prozent auf berufliche Weiterentwicklung wert. Bei der Generation X und den Millennials sieht das wieder ganz anders aus. Gehalt (83 Prozent bzw. 86 Prozent) und freundliche Kollegen (84 Prozent und 88 Prozent) stehen hier im Fokus. Bei der Generation Z zählt die Leidenschaft für den Job (84 Prozent).

Einig sind sich allerdings alle bei dem Thema Autonomie. Das erachten alle für wichtig. Allerdings können die Kicker wieder eingepackt werden. Denn weniger als die Hälfte der Teilnehmer (48 Prozent) sehen diverse Benefits wie Obstkörbe o. ä. als einen wichtigen Bestandteil zur Zufriedenheit.

Diese Qualitäten verkörpern die Altersgruppen

Aber natürlich ist nicht alles schlecht. Ganz im Gegenteil. Meist ist es ein Pluspunkt, wenn Teams alterstechnisch gut durchgemischt sind. Das befruchtet die Kollegen und jeder kann von den Qualitäten der anderen lernen. Es entstehen oft neue Dynamiken und Ideen. Der Jüngere zeigt dem Älteren z. B. den Umgang mit neuen Technologien, andersherum partizipiert der Junge von der langjährigen Arbeits- und Lebenserfahrung.

In der Studie wurden ebenfalls verschiedene Eigenschaften abgefragt. Wer kann also was am besten?

Qualität Wer verkörpert dies am ehesten?
Arbeitsmoral Stille Generation 33 Prozent
Fachwissen Baby Boomer 33 Prozent
Führungsqualitäten Generation X 36 Prozent
Problemlösung Generation X 31 Prozent
Einfühlungsvermögen Generation X 24 Prozent
Freundlichkeit Generation X 24 Prozent
Innovation Millennials 25 Prozent
Kreativität Millennials 26 Prozent

Das sagen die Chefs

Bei der Befragung lieferten 284 ManagerInnen Einblicke in die Führungsetagen. Hier liegt die Altersgruppe der Generation X klar vorne – immerhin 43 Prozent sind in dieser Gruppe vertreten. Ein Viertel besteht aus Baby Boomern und gerade mal 3 Prozent aus der stillen Generation. Somit ist der Großteil der Führungskräfte über 39 Jahre alt (71 Prozent).

Hier gab ein Viertel an, dass sie nicht sehr zuversichtlich sind, was die Führung der zwei Nachwuchsgenerationen angeht. Hilfe könnten hier Schulungen und Weiterbildungen sein, die allerdings noch ausbaufähiger sind. Gerade mal ein Fünftel konnte sich bisher zur „Generationen-Inklusion“ weiterbilden. Rund 41 Prozent aller Befragten denken, dass dies jedoch ein Thema ist, das alle MitarbeiterInnen generationenübergreifend angeht und nicht nur in den Führungsebenen diskutiert werden sollte.

Trotz aller möglichen Schwierigkeiten ist ein harmonisches und produktives Zusammenarbeiten kein Ding der Unmöglichkeit. Wichtig sind hier die Wertschätzung für alle, die Förderung von gegenseitigem Verständnis und die Kommunikation untereinander.

Die ausführlichen Ergebnisse zur Studie gibt es hier.

Über Christina Reif

Die gelernte Medienfachwirtin war jahrelang der Print-Branche treu. Nach Tageszeitung und Magazin folgte der Wechsel auf die digitale Seite. Neben der Social Media-Arbeit ist sie als freie Redakteurin für die unterschiedlichsten Bereiche tätig.

Christina Reif

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