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Selfimprovement
Emotionale Intelligenz: So wichtig ist sie im Job
© Amanda Dalbjörn - Unsplash

Emotionale Intelligenz: So wichtig ist sie im Job

Ein Gastbeitrag von Nicole Inez Fuchs | 21.09.20

Emotionale Intelligenz gewinnt in der Arbeitswelt mehr und mehr an Bedeutung und umfasst gleichzeitig wichtige Soft Skills. Warum ist ein hoher EQ wichtig im Job?

Was der Intelligenzquotient (IQ) ist und wofür er steht, ist wahrscheinlich den meisten von uns bekannt. Doch weißt du auch, was es mit der emotionalen Intelligenz auf sich hat? Einerseits legen manche Unternehmen nach wie vor mehr Wert auf den IQ, andererseits ist aber der EQ viel wichtiger, um erfolgreich zu sein. Außerdem wirkt sich ein hoher EQ etwa auch positiv auf das Arbeitsklima aus. Auch, wenn emotionale Intelligenz nur in gewissem Ausmaß vorhanden ist, kann sie noch weiter gesteigert werden. Daran arbeiten lohnt sich, denn mehr und mehr Firmen setzen emotionale Intelligenz voraus.

Was bedeutet emotionale Intelligenz?

Wer emotional intelligent ist, ist in der Lage, sowohl seine eigenen als auch Gefühle von anderen, richtig einzuschätzen. Mehr noch: Eine emotional intelligente Person kann auch Beziehungen adäquat einschätzen und dementsprechend handeln. In der Arbeitswelt nennt man solche Fähigkeiten auch „Soft Skills“. Der Terminus stammt aus dem Jahr 1990, als ihn die zwei amerikanischen Psychologen Peter Salovey und John D. Mayer etablierten. Im Jahr 1995 folgte ein Grundlagenwerk von Daniel Goleman: Emotionale Intelligenz. Dieser sieht die Emotionale Intelligenz als essenzielle Grundlage für beruflichen Erfolg und erfolgreiche Führung. Vor allem beschreibt er die emotionalen Fertigkeiten in folgenden Bereichen:

  • Empathie
  • Selbstbewusstsein
  • Kommunikationsskills
  • Taktgefühl
  • Teamfähigkeit

Die sind allesamt Skills, die auch in der Berufswelt von Bedeutung sind und nicht nur zu einem besseren Arbeitsklima beitragen. Laut Goleman haben emotional intelligente Menschen folgende Fähigkeiten; sie:

Kennen ihre eigenen Emotionen

Wer seine eigenen Gefühle erkennen und annehmen kann, während sie hochkommen, versteht sich selbst und sein Verhalten besser. Daraus resultiert, dass sich solche Menschen nicht als Opfer der Umstände fühlen und aktiv in ihr Verhalten eingreifen können. Wer dies nicht kann, ertappt sich oft dabei, zu sagen: „Warum passiert das immer mir?“

Können diese beeinflussen

Emotional intelligente Personen können ihre Emotionen so steuern, dass sie sich in der Situation als angemessen zeigen. Sie können sich selbst beruhigen, wenn sie etwa Angst empfinden. Jedoch können sie sich auch in ihren positiven Empfindungen bestärken. So können herausfordernde Situationen überstanden werden. In brenzligen Situationen greifen sie oft zu dem Satz: „Da ist mir die Sicherung durchgebrannt.“ Sie geben der Situation und nicht ihrer mangelnden Selbstkontrolle die Schuld.

Können diese Gefühle in Handlungen umwandeln

Damit ist gemeint, dass sie ihre Gefühle so steuern können, um ihre Ziele zu erreichen. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der Selbstmotivation. Dazu gehört auch, dass kurzfristigen Verlockungen widerstanden werden kann und Impulse unterdrückt werden. Nur, wer dazu in der Lage ist, kann längerfristig erfolgreich sein. Menschen, die das nicht können, widerstehen leichter Versuchungen, wundern sich jedoch auch häufig, warum sie immer wieder scheitern.

Gestalten Beziehungen erfolgreich

Um Beziehungen erfolgreich zu gestalten, muss angemessen mit den Gefühlen anderer umgegangen werden. Das ist auch im beruflichen Kontext wichtig und Voraussetzung für: Wertschätzung, Beliebtheit und Integration in eine Gemeinschaft. Manchmal ertappen sich Personen, die das nicht können dabei, immer den anderen die Schuld für das Scheitern von (Geschäfts-)Beziehungen zu geben.

Falls du noch nicht weißt, ob du emotional intelligent bist und wenn ja, in welchem Ausmaß, kannst du das mit einem Test herausfinden.

Sind emphatisch

Wenn jemand weiß, wie sich andere fühlen, kann er am Verhalten anderer früher erkennen, was sie wollen oder brauchen. Ob sich Empathie positiv oder negativ auswirkt, hat allein damit zu tun, wie sie der emphatische Mensch nutzt. Entweder zum Wohlwollen oder zur Manipulation seines Gegenübers. Nicht-emphatische Personen wundern sich häufig, wenn Konsequenzen folgen, da sie es über Monate nicht haben kommen sehen.

Studienergebnisse zum Thema Emotionale Intelligenz

Eine Studie des Capgemini Institutes kommt zu folgendem Ergebnis: 74 Prozent der Arbeitgeber und 58 Prozent der Arbeitnehmer ohne Führungsverantwortung sind der Ansicht, dass der EQ künftig enorm bedeutend für Erfolg sein wird. Die Studie geht davon aus, dass sich die Nachfrage nach emotionaler Intelligenz in den kommenden fünf Jahren versechsfachen wird.

Weitere Ergebnisse hinsichtlich emotionaler Intelligenz gibt es aus einer deutsch-amerikanischen Studie. Dabei zeigte sich, dass vor allem karriereorientierte Arbeitnehmer von einem hohen EQ profitieren: Und zwar mit beruflichen Erfolg. Außerdem hilft er etwa dabei „zwischen den Zeilen“ zu lesen und zu fühlen, worauf zum Beispiel der Vorgesetzte wirklich Wert legt. Auch bei beruflichen Entscheidungen kommt sie zugute. Denn, wer emotional intelligent ist, kann die Tragweite seiner Wahl langfristig einschätzen.

Eine Studie des deutschen Arbeitspsychologen Gerhard Blickle machte folgendes deutlich: Eine Testperson, die Emotionen aus Stimmproben und Gesichtern adäquat herauslesen konnten, wurde auch von seinen Vorgesetzten und Kollegen als sozial kompetenter eingeschätzt. Dies hat seinerseits wieder positive Auswirkungen auf die Einkommenshöhe.

Vorteile emotionaler Intelligenz

Emotional intelligente Menschen genießen im Job viele Vorteile. Egal, ob sie sich in einer Führungsposition befinden oder nicht.

  • Da sie sich nicht von ihren Emotionen leiten lassen, sind sie angenehmere Kollegen. Denn: Wer mag schon cholerische, emotionale Menschen, bei denen man nie weiß, was als nächstes passiert?
  • Emotional intelligente Vorgesetzte wissen, was ihre Mitarbeiter können und brauchen. Somit über- oder unterfordern sie diese nicht mit Aufgaben. Außerdem schenken sie ihnen Vertrauen und geben Verantwortung ab.
  • Durch einen hohen EQ gestaltet sich das Arbeitsumfeld angenehmer. Denn statt Misstrauen, Egoismus und Gefühlskälte herrschen Vertrauen, Verständnis und Empathie.
  • Emotional intelligente Personen merken schon vorweg, wenn sich ein Konflikt anbahnt. Wenn dieser dann tatsächlich entfacht, sind sie konstruktiver, gehen besser mit Kritik um und haben ihre Gefühle besser im Griff.

Für Recruiter gilt: Ob jemand über einen hohen EQ verfügt, lässt sich gezielt herausfinden.

Nachteile emotionaler Intelligenz

Auch wenn aus einem hohen EQ viele positive Aspekte resultieren, hat dieser auch Schattenseiten. Gerade dann, wenn Menschen ihre emotionale Intelligenz dazu nutzen, um andere zu manipulieren und zu steuern. Dies kommt häufiger vor als wahrscheinlich vermutet. Wer jedoch eine Freundlichkeit seines Gegenübers hinterfragt, kann einem Manipulator schnell auf die Schliche kommen. Auch Psychopathen oder Narzissten sind oft mit einem hohen EQ ausgestattet. Diese Menschen weisen ebenfalls alle Zeichen emotionaler Intelligenz auf. Mit dem Unterschied, dass sie schlechte oder egoistische Absichten verfolgen.

Kann emotionale Intelligenz gesteigert werden?

Auch, wenn die Wissenschaft davon ausgeht, dass der EQ sich in den ersten fünf Lebensjahren entwickelt, scheint es Hoffnung zu geben. Zwar wird eine Person mit einem kaum vorhandenen EQ nicht mehr die Empathie in Person werden, dennoch gibt es Möglichkeiten.

  • Arbeite an deiner Selbstwahrnehmung: 

Analysiere immer, wenn Gefühle in dir hochkommen. Was macht dich zum Beispiel wütend? Wann brechen Emotionen einfach hervor? Jeder von uns hat bestimmte Muster oder Themen, auf die er stärker emotional reagiert. Wenn du dir bewusst bist, welches deine sind, wirst du Herr deiner Emotionen. Sprich: Du steuerst sie und nicht umgekehrt.

  • Bleib körperlich aktiv

Wer regelmäßig Sport macht, baut Emotionen und Stress ab. Außerdem ordnet es die Gedanken neu und hilft bei der Wahrnehmung von Körper und Geist.

  • Lerne, dich zu entspannen

Indem du dich regelmäßig entspannst, schaffst du Distanz zu deinen Emotionen. Du kannst sie aus der Entfernung betrachten und beurteilen. Somit wird es dir auch leichter möglich, auf Situationen entspannt und nicht übertrieben zu reagieren. Was wiederum für emotionale Intelligenz spricht.

  • Antworten müssen nicht gleich gegeben werden

Bevor du eine vorschnelle Reaktion zeigst, versuche einmal, einfach später zu antworten. Je nach Thema können dies Stunden, Tage oder Wochen sein. Das schafft Bewusstsein für deine Reaktionen und schafft ein friedvolleres Arbeitsumfeld.

  • Nimm an einem Schauspielkurs teil

Was im ersten Moment vielleicht seltsam klingen mag, ist eigentlich gar nicht so seltsam. Menschen mit niedrigem EQ fällt es schwer, sich in andere hineinzuversetzen. Im Schauspiel geht es jedoch darum, sich in einen anderen Charakter hineinzuversetzen. So lernst du, dich in die Perspektive des anderen zu begeben: In seine Gedanken, Gefühle, Wünsche und Ziele. Auch, wenn emotionale Intelligenz für egoistische Ziele eingesetzt werden kann, überwiegen die Vorteile dennoch klar. Kaum ein Mensch wird sich beschweren, wenn Kollegen emphatisch, emotional reif, verständnisvoll und umgänglich sind.