Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
New Work
Wir müssen uns wiedersehen: Warum die Zukunft der Arbeit nicht völlig remote ist
© Malt

Wir müssen uns wiedersehen: Warum die Zukunft der Arbeit nicht völlig remote ist

Ein Gastbeitrag von Vincent Huguet | 04.08.20

Durch die Coronapandemie arbeiten immer mehr Menschen von Zuhause aus – und finden es toll. Da kommt die Frage auf: Brauchen wir das klassische Büro eigentlich noch? Vincent Huguet, Mitgründer und CEO von Malt, hat eine eindeutige Antwort: Ja.

Home Office ist in den letzten Monaten zur Normalität geworden. Langes Pendeln, volle Straßenbahnen und der tägliche Feierabendverkehr gehörten schlagartig der Vergangenheit an. Die neue Realität brachte viele Vorteile mit sich und revolutionierte die Arbeitspolitik in Unternehmen. Aber ist dauerhafte Fernarbeit wirklich eine Alternative zum Büroalltag oder lässt sich der persönliche Austausch doch nicht mit Videokonferenzen ersetzen? Vincent Huguet, Mitgründer und CEO der Plattform Malt, hat beim Aufbau seines Unternehmens schon von Anfang an eine remote Kultur gepflegt. Im Beitrag erzählt er von den Anfängen von Malt und warum „Full Remote“ für ihn langfristig keine Option ist. 

Von Full Remote zum Hybrid Modell: „Wir sind soziale Wesen” 

Bei der Gründung unseres Unternehmens Malt haben wir von Anfang an vollständig im Home Office gearbeitet, denn Hugo, CTO und Mitgründer, lebte aus familiären Gründen in Lyon und ich in Paris. Von Anfang an hatten wir unsere Unternehmenskultur also entsprechend organisiert und erstmal gezeigt, dass Remote Work in vielen Bereichen gut funktioniert. Mit der Zeit hat sich damals aber trotzdem der Wunsch nach einem zentralen Büro entwickelt. Dabei spielte vor allem der soziale Aspekt eine Rolle. Bei einem Kaffee oder einem Bierchen mit Kollegen lösen sich oft Probleme nebenbei und der Austausch bringt uns nicht nur privat, sondern auch beruflich voran. Wir brauchen persönlichen Kontakt und das kann ein Anruf nicht ersetzen. Selbst unsere Software-Entwickler haben mit der Zeit gemerkt, dass ihnen der Austausch mit anderen fehlt. Wir sind also den umgekehrten Weg gegangen, aus dem Home Office ins Büro. Damit waren wir auch auf die plötzliche Krise gut vorbereitet. Wir wussten bereits wie man von Zuhause aus arbeitet.

Die Arbeitswelt von morgen: Das hybride Büro

Was ist also die Lösung? Ich bevorzuge ein hybrides Modell. Ausschließlich zu Hause zu arbeiten, funktioniert nur für begrenzte Zeit. Aber hin und wieder sollte es doch die Möglichkeit dazu geben. Wie häufig man von zu Hause aus arbeiten will und kann, hängt letztendlich aber von den Aufgaben und Arbeitsbereichen ab. Es ist außerdem wichtig, dass zum Beispiel junge Leute, die neu im Unternehmen sind, sich häufiger mit anderen treffen, um voneinander und miteinander zu lernen. Ich persönlich bin üblicherweise für vier Tage in der Woche im Büro und einen zu Hause. Das liegt aber auch daran, dass ich mich mit vielen Menschen, Kunden und Mitarbeitern treffe und es mir gerade beim Aufbau eines neuen Standorts, wie momentan in München, am Herzen liegt, eine persönliche Beziehung zum Team aufzubauen. Mit einem hybriden Modell treten wir eindeutig in eine neue Phase unserer Arbeitsweise ein. 

In einer Umfrage, die wir kürzlich gemeinsam mit der Boston Consulting Group unter 2500 Freelancern auf Malt durchgeführt haben, hat sich gezeigt, das gerade Freelancer um diese Vorteile schon lange Bescheid wissen. Bereits vor der Krise haben Freelancer mindestens 45 Prozent ihrer Zeit remote gearbeitet. Vor der Gründung von Malt war Hugo, unser CTO, ja selbst Freelancer und wir waren im ständigen Austausch mit der Freelancer Community. Uns war klar, dass wir mit einer Berufsgruppe zusammenarbeiten, deren Bedeutung immer weiter zunehmen wird. Nicht nur weil immer mehr Experten die Freelancer-Karriere für sich entdecken, sondern auch weil Unternehmen von dieser Berufsgruppe enorm profitieren können, um agile und autonome Arbeitsmodelle zu implementieren und einen kulturellen Wandel zu bewirken. Unser Auftrag ist es, die beiden auf unkomplizierte Art zusammenzubringen. 

Büro oder Coworking Space – Menschen kommen immer noch gerne zusammen

Aber selbst Freelancer schätzen den Austausch mit anderen Freelancern oder Kunden vor Ort. Neben den Möglichkeiten der Fernarbeit brauchen wir aus meiner Sicht weiterhin einen zentralen Ort, an dem man sich treffen und gemeinsam kreativ werden kann. Dabei ist es wichtig einen Arbeitsplatz zu schaffen, der Vorteile gegenüber dem eigenen Zuhause bietet. Viele Menschen wohnen in großen Städten wie München, Paris oder London und haben in den kleinen Stadtwohnungen gar keinen Platz für einen richtigen Schreibtisch. In München beispielsweise haben wir uns deshalb in einem Coworking Space eingemietet, während unser großes Büro und Headquarter in Paris ist. Aber das allein reicht nicht, dass Menschen ihren heimischen Arbeitsplatz gegen das Büro tauschen. Essenziell ist auch ein guter Kaffee, Lunch-Möglichkeiten oder eine zentrale Lage, um von den Mitarbeitern gut erreicht werden zu können. Das bietet auch ein großes Angebot für ein After-Work-Leben, was den Feierabend angenehmer gestaltet. Das Wichtigste ist, die Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiter zu berücksichtigen und dann darauf zu setzen, dass die Menschen gerne zusammenkommen. Bei Malt vertrauen wir darauf, dass jeder Mitarbeiter für sich selbst weiß, wann er von wo aus am besten arbeiten kann. Und wir merken, dass es funktioniert und unser Büro noch nicht ausgedient hat.

In der momentanen Situation haben einige Menschen noch Angst, sich wieder mit anderen zu treffen. Im Unternehmen muss sich um diese Menschen gekümmert werden. Dabei ist die Unternehmenskultur das Wichtigste. Es hilft nicht, einen Wertekodex an die Wand zu hängen. Das Büro muss als sozialer Ort wahrgenommen werden, an den man nicht nur zur Arbeit geht, um dann hinter dem Computer zu versinken. Es ist ein Raum, an dem man zusammenkommt, sich unterstützt und gemeinsam etwas bewirkt. Die Leute sollen ins Büro kommen, weil sie es wollen und gerne tun, nicht weil sie müssen.

Vertrauen und Autonomie statt strikter Regeln

Die Bedingungen der zweigeteilten Arbeitsweise basieren auf Vertrauen. Starre Vorgaben und enge Regeln, zum Beispiel feste wöchentliche Meetings vor Ort oder festgelegte Tage, an denen kein Home Office gemacht werden darf, funktionieren also nicht. Menschen in unterschiedlichen Jobs und Positionen haben auch unterschiedliche Anforderungen, die man respektieren muss. In den letzten Monaten hat sich dieses Vertrauen in vielen Unternehmen bereits gebildet. Sie haben festgestellt, dass Home Office und Remote Work funktionieren können und gelernt, von festen Anwesenheitszeiten und strikter Kontrolle loszulassen. Diese Vertrauenskultur muss jetzt weiter angenommen werden. Aber es kommt auch auf die richtigen Tools an. Slack oder Microsoft Teams, ein gutes Headset, es braucht die notwendigen Werkzeuge und Fertigkeiten sowie die nötige Organisation und Mitarbeit. Als Chef liegt es an mir, diese Rahmenbedingungen zu schaffen, um meinen Mitarbeitern ein ansprechendes Arbeitsumfeld zu bieten.