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Informationsflut sorgt für Stress und Überforderung im Home Office
© Kelly Sikkema - Unsplash

Informationsflut sorgt für Stress und Überforderung im Home Office

Michelle Winner | 02.07.20

Zig Accounts und Anwendungen und dazu noch schlechte technische Vorausetzungen: Das Home Office während Corona ist durch Hürden geprägt. Doch diese können gemeinsam genommen werden.

Die Coronapandemie und die damit einhergehende Zunahme der Arbeit von zu Hause aus hat die Debatten rund um das Thema Home Office wieder angefacht. Während die einen sich nach dem Büroalltag zurücksehnen, wollen andere ein dauerhaftes Recht aufs Home Office. Wieso die Meinungen soweit auseinander gehen, zeigt eine aktuelle Studie des Softwareunternehmens OpenText. Fehlende Voraussetzungen und schlechtes Informationsmanagement überfordern die Arbeitgeber.

Informationsflut als Stressfaktor im Home Office

Von April bis Mai wurden für die Studie 12.000 Arbeitnehmer aus Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Spanien, Kanada, Australien und Singapur befragt. Die folgenden Daten beziehen sich jedoch ausschließlich auf die befragten Arbeitnehmer aus Deutschland. Von diesen fühlen sich insgesamt 37 Prozent nicht für das Home Office gerüstet und von ihren Arbeitgebern diesbezüglich im Stich gelassen. Gleichzeitig sei hier jedoch zu erwähnen, dass das Corona-Home-Office für die meisten Unternehmen plötzlich und ohne Chance auf Vorbereitung kam. Daher sind Defizite hier nicht verwunderlich.

Nichtsdestotrotz führte die Umstellung bei vielen Befragten zu sinkender Produktivität und einem erhöhten Stresspegel. An letzterem ist vor allem die gewaltige Informationsflut Schuld: Die konstante Zufuhr von Daten, die Menge an Informationen und die Nutzung mehrerer Kanäle und Geräte sorgen bei 23 Prozent der Studienteilnehmer für Stress. Sieben Prozent geben sogar an, es falle ihnen schwer abzuschalten. Die Trennung von Arbeit und Privatleben gelinge ihnen nicht, wenn der Joballtag plötzlich zu Hause stattfindet. Abgesehen davon bemängeln fünf Prozent die Menge an Datenquellen, die sie täglich abrufen müssen, um auf dem neusten Stand zu sein. Die Ergebnisse zeigen, dass Arbeitgeber in Zukunft genau hier anknüpfen und für ein besseres, übersichtlicheres Informationsmanagement sorgen müssen.

Zu viele Accounts und Plattformen erhöhen das Stresslevel

Doch nicht nur im Home Office herrscht eine starke Informationsflut. Die Hälfte der Befragten stimmt zu, dass die Anzahl an Quellen am Arbeitsplatz, wie Mails, News Feeds und Cloud Services, in den letzten Jahren gestiegen ist. Mit dem Home Office durch Corona steigt diese Zahl nun meist erneut, weil Arbeitgeber tolle neue Features finden, die den Angestellten helfen sollen – jedoch oft mit gegenteiligem Effekt, weil es einfach zu viele werden. Und so geben 16 Prozent an, dass sie täglich mit sechs bis zehn verschiedenen Accounts und Anwendungen zurecht kommen müssen. Sechs Prozent können die genaue Anzahl nicht einmal benennen. Abgesehen von der Überforderung, stellen sich hier zusätzlich Datenschutzfragen: Denn der Einfachheit halber nutzen viele Arbeitnehmer das gleiche Passwort für all ihre Zugänge.

Nicht zu vergessen ist außerdem, dass während der Arbeit im Home Office die gleichen Endgeräte für private und berufliche Plattformen genutzt werden. Hinzu kommt für viele Eltern auch noch, dass sie sich mit den unterschiedlichen Methoden des E-Learnings für die Kinder auseinandersetzen müssen. Gerade die Jüngeren benötigen hier Unterstützung. Es ist also nicht verwunderlich, dass viele Arbeitnehmer von der Informationsflut erschlagen werden. Wenn dann auch noch die Internetverbindung nicht mitspielt, ist das Chaos vorprogrammiert.

Produktivität fördern durch gutes Informationsmanagement

40 Prozent der Befragten geben an, dass sie für die Suche nach einer für die Arbeit erforderlichen Information 30 Sekunden bis fünf Minuten brauchen. Durch die ewige Klickerei geht Zeit verloren und die Produktivität sinkt. Jedoch sind die Mitarbeiter gewillt, sich der neuen Situation anzupassen – zuvor muss aber innerhalb der Unternehmen überlegt werden, wie man die Informationsflut drosseln und übersichtlicher gestalten kann, um den Workflow wiederherzustellen. Der erste Schritt ist aber definitiv die Bereitstellung aller erforderlicher Technik. Abgesehen davon sorgen sich elf Prozent der Befragten darüber, wie gemeinsame Projekte mit Kollegen im Home Office stattfinden sollen. Und sechs Prozent fragen sich, wie der Zugriff auf das Intranet des Unternehmens sowie benötigte Software geregelt werden kann.

All diese negativen Statistiken und Fragen der Arbeitnehmer müssen von den Chefetagen gehört und ernst genommen werden. Die Autoren der Studie selbst schreiben:

Außerdem können nur Unternehmen, die neben der Automatisierung von verschiedenen Prozessen auch in stringentes Informationsmanagement investieren, das volle Potenzial ihrer Daten und Informationen nutzen – und das zugunsten einer Mitarbeiterschaft, die die Heimarbeit trotz unbekannter Technologie selbst in Krisenzeiten meistern kann.

Wer also längerfristig auf Home Office umsatteln und für Krisenzeiten wie die jetzige gewappnet sein möchte, muss zuvor investieren. Doch die dadurch entstehenden Kosten und der Zeitaufwand lohnen sich, wenn die Abläufe im Home Office dadurch besser gelingen und die Mitarbeiter vor der Informationsflut geschützt werden.