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In 5 Schritten zum Sabbatical: Planung und Vorbereitung sind das A und O
© Simon Rae - Unsplash

In 5 Schritten zum Sabbatical: Planung und Vorbereitung sind das A und O

Michelle Winner | 07.09.20

Bezahlter Sonderurlaub? Genau das wünschen sich immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland. Doch Finanzierung und Durchführung des Sabbaticals sollten gut durchdacht sein.

Bis zu einem Jahr bezahlten Sonderurlaub nehmen? Das Sabbatical macht es möglich. Und tatsächlich wünschen sich immer mehr Arbeitnehmer diese Form der Auszeit, um den Kopf freizubekommen vom schnelllebigen Arbeitsalltag. Voraussetzung Nummer eins dafür ist natürlich, dass der Arbeitgeber damit einverstanden ist. Einen Anspruch auf ein Sabbatical gibt es für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst, in der freien Wirtschaft musst du jedoch auf die Zustimmung deines Chefs hoffen. Doch damit hört die Planung nicht auf, denn ein Sabbatical will gut vorbereitet werden. Wie genau das funktionieren kann, zeigen wir dir in den folgenden Schritten:

1. Auf die Planung kommt es an

Ein Sabbatical kannst du nicht von heute auf morgen beginnen – du brauchst Vorlauf für die Planung. Am Anfang steht dabei die Frage, wann du dir die spezielle Auszeit nehmen willst und warum. Die drei häufigsten Gründe für ein Sabbatjahr sind der Wunsch nach mehr Zeit für eigene Interessen und das Reisen, die Suche nach neuen Perspektiven und die Burnout-Prävention. Ist der Plan einmal gefasst, solltest du frühestmöglich mit deinem Vorgesetzten darüber sprechen, denn zum einen muss dieser dein Fehlen in den Arbeitsabläufen mit einplanen und zum anderen stellt sich die Frage, ob du während deines Sabbaticals Geld vom Arbeitgeber erhältst. Es gibt viele verschiedene Modelle für das Sabbatical. Hier ein kleiner Exkurs:

Unbezahlte Freistellung: Ein ruhendes Arbeitsverhältnis, in welchem du kein Geld vom Arbeitgeber erhältst und dich selbst um Kranken- und Pflegeversicherung sowie Renten- und Arbeitslosenversicherung kümmern musst.

Sonderurlaub: Dieser kann bis zu vier Wochen genehmigt werden und für die Sozialversicherung ist weiterhin der Arbeitgeber verantwortlich, du erhältst jedoch kein Gehalt. Mit dem normalen Jahresurlaub kannst du auf zwei Monate verlängern.

Lohnverzicht: Dieses Modell braucht mehr Vorlauf, denn es geht darum jedes Jahr auf einen Teil deines Verdienstes zu verzichten. So bekommst du beispielsweise sechs Jahre lang 85 Prozent deines Gehalts ausgezahlt. Im siebten Jahr steht dein Sabbatical an, in dem du dann die „angesparten“ Prozent ausgezahlt bekommst. Dein Arbeitsverhältnis bleibt dabei bestehen.

Teilzeitmodell: Ähnlich funktioniert diese Variante. Du gehst weiterhin Vollzeit arbeiten, gehst aber eine Teilzeitbeschäftigung ein. Heißt, in der Zeit wird Gehalt angespart. Dieses wird in deinem Sabbatical dann vom Arbeitgeber freigestellt, also dir ausgezahlt. Voraussetzung hier ist jedoch die Einhaltung des Teilzeitgesetzes: Du musst vorher mindestens sechs Monate beschäftigt sein und der Betrieb muss mehr als 15 Mitarbeiter haben.

Arbeitszeitkonto: Das beliebteste Modell. Du sammelst über längere Zeit Überstunden und wenn möglich Nullstunden an und baust diese dann auf einen Schlag ab – während deines Sabbaticals. Wie lange dieses dauert, hängt natürlich von der Zahl der Überstunden ab. Du wirst weiterhin bezahlt und bist sozialversichert. Bei Vertrauensarbeitszeit funktioniert das Modell jedoch nicht, da die Überstunden offiziell erfasst und auf einem Konto festgehalten werden müssen.

Über weitere Modelle wie das Sabbatical durch Kündigung oder per Zeitwertguthaben kannst du in den ausführlichen Erklärungen von Karrierebibel nachlesen. Was dir nun klar sein dürfte, ist, wie wichtig die Planung und Vorbereitung deines Sabbaticals ist.

2. Eine Vertretung finden

Je nach Ausmaß wird ein Sabbatical am besten ein Jahr im Voraus angekündigt. Denn nicht nur du brauchst Zeit zur Vorbereitung, sondern auch dein Arbeitgeber, schließlich muss er auf eine Arbeitskraft verzichten. Gegebenenfalls muss für dein Sabbatjahr eine neue Kraft eingestellt und eingearbeitet werden, oder deine Projekte müssen auf deine Kollegen übertragen werden. Gehörst du zu den Personen, die keinen generellen Anspruch auf ein Sabbatical haben, kann die Mithilfe beim Organisieren der Vertretung ein Argument sein, das deinen Vorgesetzten überzeugt. Eventuell kannst du auch schon im Voraus mit deinen Kollegen mögliche Absprachen treffen oder hast jemandem im Bekanntenkreis, der für die Zeit deiner Abwesenheit eingestellt werden könnte. Zeige deinem Chef die Möglichkeiten zur Vertretung auf und komme deinem Ziel damit einen Schritt näher.

3. Bereite auch dein privates Umfeld vor

Das Sabbatical hat nicht nur Auswirkungen auf deine Arbeit, sondern auch auf dein Privatleben. Partner und Familie sind in der Regel diejenigen, die am meisten davon betroffen sind. Wichtig ist es hier zum Beispiel, dich mit den möglichen Nachteilen eines Sabbaticals auseinanderzusetzen wie geringerem Einkommen, möglichen Schulden und sinkendem Lebensstandard. Könnt ihr euch trotz deines Sabbaticals noch Wohnung, Haus oder Auto leisten? Und wenn du die Zeit zum Reisen nutzen möchtest, wie steht es da mit Partner und Kindern? Reisen diese mit? Wenn ja, was musst du zwecks Schulpflicht beachten? Plant als Familie gemeinsam, damit dein Sabbatical keinen Keil zwischen euch treibt.

Doch natürlich ist nicht jeder, der ein Sabbatical macht, durch die eigene Familie „eingeschränkt“. Aber auch als alleinstehende Person gilt es einiges zu beachten und zu planen. Kannst du dir die Miete noch leisten? Welche Impfungen und Versicherungen solltest du fürs Reisen haben? Kann die Wohnung untervermietet werden? Und was ist mit Abos, Post und Co.? Vielleicht hast du auch ein Haustier, das nicht mit auf Weltreise kann. Je nachdem, welche Pläne du für dein Sabbatical hast, gibt es verschiedenste Punkte zu beachten. Am besten setzt du dich mit Familie oder Freunden zusammen und fertigst eine Checkliste an. Gemeinsam besprecht ihr dann, wie sich bestimmte Probleme lösen lassen und inwieweit dein soziales Umfeld dich unterstützen kann.

4. Auch der Wiedereinstieg will geplant sein

Willst du auf Nummer sicher gehen, dass du nach deinem Sabbatical wieder in der gleichen Position in deinem Unternehmen arbeiten kannst, solltest du auf eine schriftliche Vereinbarung bestehen. Während einige Betriebe Mustervereinbarungen für solche Fälle haben, muss bei anderen ein Zusatz zum Arbeitsvertrag oder Ähnliches aufgesetzt werden. Darin sollten auch Absprachen zur Länge, Vergütung, Versicherung sowie zu Krankheitstagen und Kündigungsschutz festgehalten werden. Mit diesem Schreiben stehst du auf der sicheren Seite und musst während deiner Auszeit keine Gedanken an das „Was wäre wenn…?“ verschwenden.

Der Wiedereinstieg bedeutet gleichzeitig auch die Rückkehr in den Alltag. Diese kann schwerfallen, nachdem du ein Jahr lang deinen Interessen nachgegangen bist oder die Welt bereist hast. Plane vor Ende deines Sabbaticals am besten Zeit zur Akklimatisierung ein, damit du an deinem ersten Tag zurück im Job keinen Kulturschock erlebst oder mit der Zeit in ein tiefes Loch fällst.

5. Ziele fürs Sabbatical setzen

Deine Auszeit ist genehmigt, deine Rückkehr ins Unternehmen ist gesichert und du bist finanziell auf der sicheren Seite. Und nun? Dein Sabbatical beginnt und du weißt eigentlich gar nicht, was du tun sollst und lebst einfach nur in den Tag hinein, arbeitest deine Watchlist bei Netflix ab und kümmerst dich ein bisschen um den Haushalt. Natürlich brauchen manche Personen genau das, um abzuschalten. Doch meistens steckt mehr hinter einem Sabbatical und deshalb soll auch die Zeit während deiner Auszeit gut geplant sein. Zunächst solltest du dich im Voraus fragen, wozu du die Zeit nutzen willst. Selbstfindung? Neue Perspektiven für dein Leben? Reisen?

Egal was es ist – du solltest dir einen groben Zeitplan anlegen, damit du am Ende nicht enttäuscht bist, weil du Pläne vergessen oder nicht geschafft hast. Natürlich sollte so ein Plan auch immer genug Raum für spontane Ideen und Aktionen lassen. Als Reiselustiger solltest du aber ungefähr festlegen, wann und wie lange du wo sein willst. Notiere dir außerdem, was du in der jeweiligen Destination unbedingt sehen oder erleben möchtest. Behalte dabei auch einen Überblick über dein Budget – nichts wäre fataler, als am Ende nicht mehr über das nötige Kleingeld zu verfügen. Willst du hingegen lieber neue Perspektiven finden, überlege dir, wie du das schaffst. Gibt es Weiterbildungen, die du gern machen würdest? Möchtest du neue Hobbys entdecken oder einen Blog starten? Ein Buch schreiben? Was auch immer es ist: Setze dir ein paar ungefähre Deadlines, damit du ein Ziel vor Augen hast und es am Ende nicht bereust, Zeit verdaddelt zu haben.

Auf ins Sabbatical

Ein Sabbatical bedeutet viel Vorbereitungsarbeit – darauf solltest du dich einstellen. Doch wenn du dich erst einmal durch die Orga gekämpft hast, steht deiner Auszeit kaum noch etwas im Wege. Natürlich bringt die anhaltende Coronakrise weitere Herausforderungen und Einschränkungen mit sich – der Zeitpunkt für ein Sabbatjahr ist für viele ungünstig, besonders wegen der Reisebeschränkungen und der schwierigen finanziellen Lage für viele Privatpersonen und Unternehmen. Doch einen Vorteil hat das Ganze: Du kannst die Zeit während der Krise zur Organisation nutzen und dann, sobald die Lage sich beruhigt hat, hoffentlich schnell in deine Auszeit starten.