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Karrieretipps
Arbeitszeugnisse richtig deuten: So setzt du deine Bewertungen am besten ein
© The Jopwell Collection - Unsplash (Änderungen wurden vorgenommen via Canva)© The Jopwell Collection - Unsplash (Änderungen wurden vorgenommen via Canva)

Arbeitszeugnisse richtig deuten: So setzt du deine Bewertungen am besten ein

Marié Detlefsen | 26.07.23

Welche entscheidende Bedeutung hat ein Arbeitszeugnis für deine Karriereaussichten und wie beeinflusst es dein berufliches Wachstum? Einblick in die geheime „Arbeitszeugnissprache" erhältst du im Artikel. Wir zeigen dir außerdem, welche Zeugnisarten es gibt und was du nach Erhalt eines deiner Meinung nach unfairen Arbeitszeugnisses tun kannst.

Arbeitszeugnisse sind mehr als nur formale Dokumente, die das Ende eines Beschäftigungsverhältnisses besiegeln. Sie sind eine bedeutsame Reflexion der beruflichen Leistung und Kompetenz eines:einer Mitarbeiter:in und spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der zukünftigen Karriere. In der heutigen Arbeitswelt sind Arbeitszeugnisse ein maßgeblicher Faktor für Arbeitgeber:innen, um potenzielle Kandidat:innen zu bewerten und die richtige Wahl für ihr Unternehmen zu treffen. Wir zeigen dir, warum diese Dokumente eine Schlüsselrolle spielen, wie du das Beste aus ihnen herausholen kannst und auf welche Art und Weise du mit einem schlechten Zeugnis umgehen solltest.

Was für Arbeitszeugnisse gibt es?

Ein Arbeitszeugnis ist ein wichtiges Dokument, das dein Arbeitsverhältnis, deine Aufgaben, Leistungen und Verhalten bestätigt. Zukünftige Arbeitgeber:innen fragen oft danach, um Einblicke in deine berufliche Vergangenheit zu erhalten. Es bietet nicht nur Nachweise für Bewerbungen, sondern auch Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung und Selbstreflexion und beinhaltet Informationen über dein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kolleg:innen, deine Zuverlässigkeit, dein Engagement und andere arbeitsrelevante Aspekte. Dabei haben alle Mitarbeitenden nach Beendigung einer Beschäftigung ein gesetzliches Recht darauf, ein Arbeitszeugnis zu erhalten. Allerdings müssen in diesem Kontext die zu beachtenden Fristen eingehalten werden.

Insgesamt gibt es zwei Hauptarten von Arbeitszeugnissen, die sich in ihrer Information und Aussagekraft unterscheiden: das einfache und das qualifizierte Arbeitszeugnis.

Einfaches Arbeitszeugnis: Umfasst grundlegende Informationen wie die Beschäftigungsdauer, die Position und die Art der Tätigkeit des:der Arbeitnehmer:in. Es enthält in der Regel keine detaillierte Bewertung der Leistung oder des Verhaltens und ist eher kürzer und weniger detailliert gehalten. Dieses Zeugnis ist von Nutzen, wenn du nur einen Nachweis über deine Beschäftigung benötigst.

Qualifiziertes Arbeitszeugnis: Enthält zusätzlich zu den genannten Basisinformationen auch eine ausführliche Beurteilung der Arbeitsleistung und des Verhaltens des:der Arbeitnehmer:in. Es hebt die Stärken und Erfolge hervor und gibt eine differenzierte Einschätzung der Fähigkeiten und Qualitäten. Ein qualifiziertes Zeugnis zeichnet sich durch eine präzise und positive Beschreibung der Leistungen aus und gibt Arbeitnehmer:innen eine wertvolle Rückmeldung für zukünftige Bewerbungen und Karrierechancen.

Wie deute ich den Inhalt meines Arbeitszeugnisses?

Doch auch wenn sich viele Arbeitszeugnisse gleich lesen, liegen in den exakten Formulierungen nähere wissenswerte Informationen. Und in einigen Fällen steckt der Teufel sogar im Detail. Die Formulierungen sind nämlich gezielt gewählt und folgen einem bestimmten Code, der als  „Zeugnissprache“ bekannt ist. Diese spezielle Sprache ermöglicht es Personalverantwortlichen, deine Leistungen und dein Verhalten während der Beschäftigung präzise zu bewerten. Es ist von großer Bedeutung, diese Formulierungen zu verstehen, da sie einen erheblichen Einfluss auf deine zukünftigen Karrieremöglichkeiten haben können. Die Plattform Bewerbung.com hat in einem Beitrag die Notenskala und die damit einhergehende Bewertung wie folgt verdeutlicht:

  •  „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ (Note  „sehr gut“): Diese Formulierung zeigt, dass du über die Erwartungen hinausgegangen bist und hervorragende Leistungen erbracht hast.
  •  „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ (Note  „gut“): Dies bedeutet, dass du konsequent gute Arbeit geleistet hast und die Erwartungen deines Arbeitgebers erfüllt hast.
  •  „stets zu unserer Zufriedenheit“ (Note  „befriedigend“): Diese Formulierung zeigt, dass du die Anforderungen deines Arbeitgebers im Allgemeinen erfüllt hast, aber es gibt Raum für Verbesserungen.
  •  „zu unserer Zufriedenheit“ (Note  „ausreichend“): Dies bedeutet, dass du die minimalen Erwartungen erfüllt hast, aber es gibt erheblichen Raum für Verbesserungen.
  •  „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ (Note  „mangelhaft“): Diese Formulierung zeigt, dass deine Leistung unter den Erwartungen lag und Verbesserungen notwendig sind.
  •  „er/sie hat sich bemüht“ (Note  „ungenügend“): Dies ist eine sehr negative Bewertung und zeigt, dass deine Leistung nicht den Erwartungen entsprach.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass ein Arbeitszeugnis stets mindestens mit der Bewertung  „befriedigend“ ausgestellt werden muss. Schlechtere Beurteilungen müssen von der Leitung begründet werden. Des Weiteren stellen diese Formulierungen nur einen Ausschnitt der Zeugnissprache dar. Es existieren zahlreiche weitere Ausdrucksweisen und Feinheiten, die in einem Arbeitszeugnis zum Einsatz kommen können. Es ist daher ratsam, dein Arbeitszeugnis überprüfen zu lassen, um sicherzustellen, dass du das volle Verständnis für dessen Bedeutung erlangst.


Schluss mit Kauderwelsch:
So übersetzt du Floskeln im Arbeitszeugnis und ihre Bedeutung

Geöffnetes Wörterbuch
Geöffnetes Wörterbuch, © Pisit Heng – Unsplash


Was tun bei Erhalt eines schlechten Arbeitszeugnisses?

Solltest du ein deiner Meinung nach ein schlechtes Zeugnis erhalten haben, das nicht deinen Erwartungen entspricht, musst du nicht resignieren. Denn es gibt einige Möglichkeiten, wie du dein Zeugnis aufwerten oder angehen kannst. Im ersten Schritt solltest du das Problem direkt mit der Personalabteilung besprechen und den Verantwortlichen ruhig erklären, warum du unzufrieden mit deinem Zeugnis bist und welche Änderungen du dir wünschst. Oft kann das Problem so gelöst werden. Wenn das Gespräch nicht hilft, kannst du einen schriftlichen Widerspruch gegen das Zeugnis einreichen. In diesem Schreiben legst du genau dar, warum du mit dem Zeugnis nicht einverstanden bist und welche Änderungen du forderst. Du kannst sogar alternative Formulierungen vorschlagen, die eine präzisere Darstellung deiner Leistungen und deines Verhaltens während der Beschäftigung bieten.

Falls auch der schriftliche Widerspruch nicht zum gewünschten Ergebnis führt, bleibt als letzter Schritt die Möglichkeit einer Zeugnisberichtigungsklage. Beachte jedoch, dass diese Maßnahme als letzter Ausweg betrachtet werden sollte, da sie mit Kosten und Zeit verbunden ist. Auch solltest du dir gegebenenfalls rechtlichen Rat einholen. Wichtig ist nur zu beachten, dass du innerhalb von drei Wochen nach Erhalt des Zeugnisses eine Klage einreichen musst, da es nach Ablauf dieser Frist nicht mehr angefochten werden kann.

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