Human Resources
Fachkräftemangel allein ist keine Ausrede: Warum manche Unternehmen Stellen schneller besetzen können

Fachkräftemangel allein ist keine Ausrede: Warum manche Unternehmen Stellen schneller besetzen können

Marié Detlefsen | 20.10.26

Während manche Unternehmen monatelang nach passenden Mitarbeiter:innen suchen, besetzen andere ihre offenen Stellen deutlich schneller. Eine aktuelle Studie zeigt, woran es hapert – und mit welchen Stellschrauben Arbeitgeber:innen ihr Recruiting beschleunigen können.

Die Suche nach neuen Mitarbeiter:innen zieht sich für viele Unternehmen in die Länge. Laut einer Zusatzbefragung der ManpowerGroup für das Arbeitsmarktbarometer im vierten Quartal 2026 berichten 39 Prozent der befragten Arbeitgeber:innen, dass sie offene Stellen heute langsamer besetzen als noch vor einem Jahr. 17 Prozent kommen dagegen schneller zum Abschluss. Weitere 43 Prozent verzeichnen kaum Veränderungen. Zwei Prozent sind unsicher, ob sich die Dauer verändert hat.

Die Zahlen zeigen: Der Druck auf dem Arbeitsmarkt trifft nicht alle Unternehmen gleich. Zwar erschwert der Mangel an qualifizierten Bewerber:innen die Suche. Wie lange eine Stelle unbesetzt bleibt, hängt aber auch davon ab, wie gut Unternehmen ihre eigenen Recruiting-Prozesse organisieren.

Abbildung: So schnell vergeben Unternehmen ihre Stellen. 39 Prozent der befragten Arbeitgeber:innen berichten, dass sie offene Stellen heute langsamer besetzen als noch vor einem Jahr, © ManpowerGroup
39 Prozent der befragten Arbeitgeber:innen berichten, dass sie offene Stellen heute langsamer besetzen als noch vor einem Jahr, © ManpowerGroup

Besonders häufig scheitert eine schnelle Besetzung daran, dass Bewerber:innen nicht die benötigten Qualifikationen mitbringen. 46 Prozent der Unternehmen, bei denen die Suche länger dauert, nennen fehlende Kompetenzen als Hindernis. 45 Prozent finden vor Ort nicht genügend qualifizierte Kandidat:innen.

Auch die Erwartungen passen nicht immer zusammen: 26 Prozent der Arbeitgeber:innen berichten von unterschiedlichen Vorstellungen zwischen Unternehmen und Bewerber:in. Bei 19 Prozent brechen Kandidat:innen den Kontakt während des Bewerbungsprozesses ab. Weitere 18 Prozent erhalten seltener passende Empfehlungen aus beruflichen Netzwerken.

Damit wird deutlich, warum Stellen nicht einfach durch eine schnellere Ausschreibung besetzt werden können. Wenn fachlich geeignete Menschen fehlen oder sich beide Seiten nicht einig werden, verlängert sich die Suche. Doch nicht jede Verzögerung lässt sich allein mit dem Arbeitsmarkt erklären.

Schnellere Entscheidungen machen den Unterschied bei der Stellenvergabe

Ein Blick auf Unternehmen, die ihre Stellen mindestens genauso schnell wie im Vorjahr besetzen, liefert konkrete Ansatzpunkte. So nennen 28 Prozent laut der Studie eine bessere Zusammenarbeit zwischen Personalabteilung und Fachbereichen als Erfolgsfaktor. Für 22 Prozent sind zügigere interne Freigaben und Entscheidungen ausschlaggebend. Jeweils 21 Prozent setzen auf eine gezieltere Ansprache potenzieller Kandidat:innen, flexible oder hybride Arbeitsmodelle sowie wirksamere Auswahlverfahren, darunter KI-gestützte Methoden, zum Beispiel auch LinkedIns Hiring Assistant 2.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Recruiting nicht erst bei der Suche nach geeigneten Menschen beginnt. Auch interne Abstimmungen kosten Zeit. Wenn Personalabteilung und Fachbereiche unterschiedliche Vorstellungen von der gesuchten Person haben oder Entscheidungen auf sich warten lassen, kann selbst eine vielversprechende Bewerbung ins Stocken geraten. Unternehmen können deshalb an mehreren Stellen ansetzen: Anforderungen frühzeitig klären, Entscheidungswege verkürzen und passende Kandidat:innen gezielt ansprechen. Flexible Arbeitsbedingungen können den Kreis potenzieller Bewerber:innen zusätzlich erweitern. Für Faris Bećirović, Country Manager und Vorsitzenden der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland, liegt der Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Arbeitgebenden nicht allein in der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte:

Über Fachkräftemangel sprechen wir seit Jahren. Die spannendere Frage ist deshalb: Warum schaffen es manche Unternehmen trotzdem, ihre Stellen schnell zu besetzen? Unsere Daten zeigen, dass der Unterschied nicht nur im Arbeitsmarkt liegt, denn der ist ja für alle gleich. Recruiting-Erfolg hängt mehr denn je davon ab, wie schnell Unternehmen entscheiden, wie gut ihre Bereiche intern und mit Partnern zusammenarbeiten und wie konsequent sie Kandidatinnen und Kandidaten ansprechen.

Unternehmen können den Fachkräftemangel nicht allein beseitigen. Sie können aber beeinflussen, wie gut sie mit ihm umgehen. Erfolgreiche Personalgewinnung erfordert daher ein Zusammenspiel aus Personalplanung, Recruiting und internen Abläufen. Auch externe Partner:innen und flexible Workforce-Lösungen können helfen, auf veränderten Personalbedarf zu reagieren.


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