Human Resources
Über eine Million kununu-Bewertungen zeigen: Diese Recruiting-Fehler rächen sich

Über eine Million kununu-Bewertungen zeigen: Diese Recruiting-Fehler rächen sich

Selina Beck | 02.11.26

Absagen kommen gerade wegen der schwächelnden Wirtschaft und gestrichenen Stellen leider immer häufiger vor. Dabei zeigt sich: Beim Tempo der Rückmeldung und der Transparenz im Prozess hakt es. Doch auch andere Probleme ergeben sich für die Unternehmen bei vielen Absagen.

Die Wirtschaft befindet sich in einer anhaltenden Schwächephase und der Arbeitsmarkt bleibt fragil, wie auch das DIW in einer Prognose mitteilt. Die Arbeitslosenquote hat ihren Höhepunkt laut den Expert:innen des DIW erreicht, doch mit einer Erholung rechnen sie erst im Laufe von 2027 – und das auch nur in geringem Maße. Aufgrund des Stellenabbaus in vielen Unternehmen, unter anderem im Zuge des zunehmenden KI-Einsatzes, kommen immer mehr Bewerbende auf eine Stellenanzeige und somit steigt die Anzahl der Absagen, die verschickt werden. Kununu hat über eine Million Bewerbungsbewertungen ausgewertet und die Ergebnisse zeigen große Probleme bei den Bewerbungsprozessen.


DIW: Arbeitsmarkt in fragiler Lage –

Strukturwandel und gesunkene Produktivität

Innenhof des DIW Berlin © DIW Berlin
Innenhof des DIW Berlin, © DIW Berlin


Im Schnitt werden rund 120.000 Bewerbungsbewertungen im Jahr geschrieben. Der Bewerbungsprozess insgesamt wird auf kununu mit durchschnittlich vier von fünf Sternen bewertet und liegt damit höher als der Score der Mitarbeiter:innen mit 3,5. Dennoch verdeckt das Gesamtbild viele Risiken, die mit dem Bewerbungsprozess einhergehen.

Bewerbende loben Gespräche, kritisieren aber langsame Rückmeldungen

Gut bewertet wird vor allem die Kategorie Bewerbungsgespräch mit „angenehmer Atmosphäre“ (Score von 4,3) und „wertschätzender Behandlung“ (Score von 4,2). Anders sieht es hingegen bei den Kategorien Zeit und Transparenz aus. Die „zeitgerechte Zu- oder Absage“ erhält nur einen Score von 3,8. Auch die „Erwartbarkeit des Prozesses“ liegt mit 3,9 unter der 4,0-Marke. Nur diese beiden Aspekte erreichen den Score von vier nicht. Geschwindigkeit und Transparenz sind damit die Baustellen im Bewerbungsprozess – quer durch alle Gruppen.

Nach Absagen bewerten Bewerbende Unternehmen deutlich schlechter

Für Unternehmen bergen Absagen ein Risiko, denn wer eine Absage erhalten hat, bewertet den Prozess gravierend anders als Bewerber:innen mit Zusagen: 4,8 Sterne bei einer Zusage stehen 2,8 Sternen bei einer Absage gegenüber. Die emotionale Enttäuschung wirkt sich auf die öffentliche Bewertung aus und kann somit für einen Imageschaden sorgen. Denn wer schlecht absagt und/oder wenig empathisch kommuniziert, riskiert negative Bewertungen und öffentliche Kritik.

Von Ghosting bis fehlendem Feedback: Fünf Kritikpunkte bei Bewerbungen

Neben der quantitativen Analyse hat kununu zudem 80.000 Kommentare von Bewerber:innen KI-gestützt und repräsentativ ausgewertet. Als erster Problembereich zeigen sich sehr späte Rückmeldungen. So schreibt ein User:

Ich habe mich im Oktober beworben und drei Monate keine Antwort bekommen. Nicht einmal ein [sic!] Bestätigungsmail, dass meine Unterlagen eingelangt sind. Am 23. (!) Dezember schließlich kam eine Mail mit dürrer Absage und dem Wunsch nach besinnlichen Weihnachten.

Ein zweiter Problembereich ist das Ghosting durch die Firmen, das zahlreiche User beklagen. Keine Absage und keine Rückmeldung wirken unhöflich und unprofessionell und führen zu Frust auf der Seite der Bewerbenden. Als drittes Problem wird generisches Feedback kritisiert, beispielhaft mit dieser Bewertung:

Erst gute Gespräche, aber dann lapidare, nicht detaillierte Standardabsage. Auch auf Nachfrage kein ordentliches Feedback – das ist nicht angemessen!

Ein viertes Problemfeld: Manche Personaler:innen bereiten sich nicht angemessen auf das Jobinterview vor. Ein User bemängelt:

Personaler waren nicht vorbereitet, sie konnten keine Fragen angemessen beantworten. Wurden nach dem Stellen der Fragen sehr unfreundlich.

Eine gute Vorbereitung gehört auf beiden Seiten zum A und O des Bewerbungsprozesses. Als fünfter Problembereich sorgen unkoordinierte Prozesse für Unverständnis, etwa „[w]idersprüchliche Aussagen, verschobene Termine ohne Konsequenz, Eingangsbestätigungen, die nach der Einladung zum Interview eintreffen“.

Branchenvergleich: Handwerk und öffentliche Verwaltung schneiden besonders schlecht ab

Zwischen den Branchen bestehen dabei nochmal deutliche Unterschiede. Am schlechtesten schneidet das Handwerk mit einem Score von 3,2 ab. Auch die öffentliche Verwaltung (3,4) und die Chemiebranche (3,5) gehören zu den Verlierer:innen des Rankings. Zu den Gewinner:innen des Rankings gehören die Branchen Sport/Beauty, Gastronomie und Versicherung mit einem Score von 4,2. Nina Zimmermann, CEO von kununu, rät den Unternehmen zur Optimierung der Bewerbungsprozesse:

Das Image eines Arbeitgebers ist nur so gut wie sein Bewerbungsprozess. Wer hier nicht investiert, baut langfristig ein negatives Image auf, das in der nächsten Aufschwungphase auch kostenintensive Kampagnen nicht mehr korrigieren können.

Die Analyse basiert auf der Auswertung von über einer Million Bewerbungsbewertungen, die auf kununu bis Ende Oktober 2025 abgegeben wurden. Bei der qualitativen Analyse wurde eine repräsentative Stichprobe von 80.000 Freitextkommentaren mithilfe von KI auf zentrale Kritikpunkte und Themencluster hin ausgewertet. Bezugsort ist der DACH-Raum.


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