Human Resources
Arbeitsmarkt verliert weiter an Substanz

Arbeitsmarkt verliert weiter an Substanz

Selina Beck | 11.08.26

Der Arbeitsmarkt verliert weiter an Substanz, warnen Expert:innen. Die Zahl der Stellenangebote liegt über zehn Prozent unter dem Vorjahr. Nur zwei Berufsgruppen wachsen und selbst soziale Berufe rutschen ins Minus. Woran das liegt und welche Berufsgruppen dem Abwärtstrend trotzen.

Aktuell kommen wieder negative Nachrichten aus der Arbeitsmarktwelt: Der deutsche Stellenmarkt gibt weiter nach. Der Indeed Arbeitsmarkt Index lag im Juli 10,4 Prozent unter dem Wert des vergangenen Jahres, seit Jahresbeginn gibt es bereits ein Minus von 9,3 Prozent. Expert:innen warnen, dass mit 104 Punkten das Stellenangebot lediglich noch vier Punkte von dem Niveau entfernt ist, auf dem es vor der Pandemie im Februar 2020 lag. „Der deutsche Stellenmarkt steht heute nur noch minimal über dem Niveau vor der Pandemie und verliert weiter an Substanz​“, erklärt die Ökonomin Dr. Virginia Sondergeld.

Die Expertin sieht neben Deutschlands strukturellen wirtschaftlichen Problemen vor allem den Energiepreisschock infolge des Nahostkonflikts als Gründe für den Absturz. Zwar habe sich die Stimmung in den Firmen zuletzt verbessert, doch neues Personal werde immer noch eher zurückhaltend eingestellt. „Wer nicht weiß, was Energie und Vorprodukte im Herbst kosten, stellt im Sommer nicht ein“, so Dr. Sondergeld.


Mehr Zurückhaltung bei Jobs:

Neueinstellungen auf dem Arbeitsmarkt gehen zurück

© Wocintechchat.com – Unsplash


Schlechte Nachrichten für Einzelhandel und Sozialberufe

Auch bei den Berufsgruppen sieht es negativ aus: Hier wachsen nur zwei von 23 analysierten Gruppen: Therapieberufe um plus 8,3 Prozent zum Vorjahresmonat und das Bauwesen um ein Prozent. Die Nachfrage nach Pflegekräften, Ärzt:innen und Physiotherapeut:innen wird laut der Analystin in den nächsten Jahren aufgrund des demografischen Wandels noch steigen. Das Plus im Bauwesen dürfte laut ihrer Ansicht auch mit dem Sondervermögen für Infrastruktur zusammenhängen.

Der größte Rückgang findet sich dagegen im Sektor Einzelhandel mit minus 25 Prozent zum Vorjahresmonat, gefolgt vom Kund:innenservice mit einem Minus von 22,8 Prozent sowie den Reinigungsdiensten mit minus 20,1 Prozent. Sogar bei den sozialen Berufen wird ein Rückgang deutlich von 4,6 Prozent. Generell hat der Gesamtmarkt seit Jahresanfang 9,3 Prozent verloren. Hier liegen ebenfalls nur die Therapieberufe im Plus, mit 4,2 Prozent zu Jahresbeginn.


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