Human Resources
KI-Schulfach als Schritt in die Zukunft: Deutschland jetzt schon kreativ bei neuen AI Jobs

KI-Schulfach als Schritt in die Zukunft: Deutschland jetzt schon kreativ bei neuen AI Jobs

Selina Beck | 10.09.26

Deutschland ist Europas Nummer eins bei neuen KI-Jobs: Bei der Vermittlung von erforderlichen KI-Kompetenzen ist Deutschland schneller als seine europäischen Nachbarländer. Auch Hessen hat bereits das Schulfach KI eingeführt. Dennoch gibt es in einem Aspekt dringenden Nachholbedarf.

Kein Weg geht mehr an KI vorbei – vor allem nicht in der Jobwelt. Hier gehören KI-Kenntnisse zu den neuen Must-have-Schlüsselqualifikationen. Die gute Nachricht: Deutschland ist Europas Nummer eins bei neuen KI-Jobs. Eine aktuelle Analyse von Indeed zeigt, dass Unternehmen seit 2023 zunehmend Jobtitel ausschreiben, bei denen KI im Fokus der Aufgaben steht. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich vorne mit 288 neuen Berufsbezeichnungen mit KI-Fokus im ersten Quartal 2026. Auf Platz zwei folgt Großbritannien mit nur 160 neuen Berufstiteln.

KI-Skills sind zudem längst nicht mehr nur in Tech-Unternehmen relevant, sondern werden immer mehr zum Karrierefaktor in verschiedenen Branchen. 64 Prozent der KI-Jobs entstehen mittlerweile außerhalb des Technologiesektors. Unternehmen fordern KI-Skills auch bei Fachkräften aus der HR-Branche, der Verwaltung, der Datenanalyse, dem Vertrieb und dem Mediensektor. So entstehen AI Jobs wie HR AI, Automation Manager oder Sachbearbeiter:innen für Digitalisierung mit KI-Schwerpunkt.


So viele Marketing-Stellen erfordern bereits KI-Skills

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© Igor Omilaev – Unsplash


Medienführerschein und KI als Schulfach

Auch Hessen geht einen mutigen Schritt in Richtung Zukunft: Dort wird der Schwerpunkt zunehmend auf die digitale Bildung gelegt – mit dem neuen Schulfach KI. Ab dem Schuljahr 2027/28 sollen Schüler:innen in der vierten Klasse einen Medienführerschein absolvieren. Zudem wird „KI und Digitale Welt“ in der fünften Klasse zum einstündigen Pflichtfach, ein Jahr später soll es auch in Klasse sechs eingeführt werden. Im Schuljahr 2029/30 soll dann für ältere Schüler:innen ein Angebot mit stärkerem Informatikschwerpunkt verpflichtend werden.

Der Fokus soll in der fünften und sechsten Klasse zuerst auf der Medienbildung liegen, später soll dann Informatik zum Schwerpunkt werden. Der hessische Kulturminister Armin Schwarz (CDU) sagt zu dem Vorhaben, dass Hessen damit das erste Bundesland ist, in welchem KI in einem eigenen Schulfach unterrichtet wird. Die Opposition kritisiert vor allem den Zeitplan und die Stellenplanung für die neuen KI-Schulfächer, da sich die Frage stelle, woher die Lehrkräfte für die zusätzlichen Angebote kommen sollen.

KI-Jobs boomen – während Frauen unter Benachteiligung leiden

Wichtig wäre es auch, dass bereits in der Schule gezielt auch Mädchen für das Fach KI und den Sektor angesprochen werden. Denn während die KI-Jobs einen Boom erleben, sind Frauen in KI-Unternehmen von der Führungsebene bis zu anderen Positionen hin unterrepräsentiert. Eine Analyse von LinkedIn zeigt, dass Frauen im vergangenen Jahr nur 26 Prozent der in den USA neu besetzten Stellen im KI-Sektor besetzten. Ferner kamen Frauen mit KI-Skills bei rund 15.000 Unternehmen in 27 Ländern nur zu 13 Prozent in Führungspositionen.

Auch in Deutschland sieht es nicht besser aus: Zwar sind die LinkedIn-Daten nicht auf Deutschland übertragbar, jedoch gibt es auch hierzulande eine evidente Benachteiligung von Frauen bei KI-Jobs. Eine Studie des Branchenverbands Bitkom anlässlich des Weltfrauentags ergab zum Beispiel, dass 43 Prozent der Unternehmen Männer bei IT- und Digitalberufen für die bessere Wahl halten. 72 Prozent der Befragten gaben an, es gebe im Unternehmen auch keine Pläne zur Frauenförderung – auch weil es an qualifizierten Bewerbungen mangele. Weiterhin zeigen diverse Analysen, dass Frauen vom KI-Wandel häufiger und stärker betroffen sind, da sie öfter in Jobs arbeiten, die durch KI automatisierbar sind und damit wegfallen (können). 

Frauen als KI-Fachpersonal werden zukünftig an Bedeutung zunehmen

Dabei werden Frauen bereits jetzt und noch häufiger in der Zukunft auch als KI-Fachkräfte benötigt. Analysen von McKinsey & Company verdeutlichen, dass ein höherer Anteil von Frauen in Tech-Jobs eine Lösung zur Stärkung der Innovationsfähigkeit in Europa sein kann. Denn in Europa fehlen bis 2027 zwischen 1,4 bis 3,9 Millionen Arbeitskräfte in dieser Branche. Hier könnte ein KI-Schulfach mit dem Fokus auf der Gewinnung von weiblichen Fachkräften ansetzen und zur Gleichberechtigung in der Branche beitragen. Ob andere Bundesländer Hessens Vorbild folgen, wird sich bald zeigen. Klar ist, dass die Künstliche Intelligenz schon in der Schule ein Kernthema ist, für Schüler:innen und Lehrkräfte zugleich. Da ist ein Schulfach nicht nur mit Blick auf die Zukunft eine logische Folge.


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