Human Resources
KI-Job-Boom? Auf KI-Jobs entfallen nur 0,4 Prozent der Stellenanzeigen

KI-Job-Boom? Auf KI-Jobs entfallen nur 0,4 Prozent der Stellenanzeigen

Selina Beck | 09.09.26

Der KI-Job-Boom bleibt in Deutschland begrenzt: Die Anzahl der Stellenangebote im Bereich KI hält sich trotz Verdopplung seit 2022 auf einem niedrigen Niveau. Für welche Berufsprofile Personal mit KI-Skills gesucht wird.

KI wird immer wichtiger in der Jobwelt – und zwar nicht nur in der Tech-Branche. Längst gehören die KI-Skills auch in den Berufsfeldern Datenanalyse, Medien und Kommunikation, HR, Wirtschaftsingenieurwesen und der wissenschaftlichen Forschung und Entwicklung zum geforderten Know-how. Allerdings liegen die KI-Jobs immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Das zeigt die aktuelle Analyse des Jobportals XING. Der Anteil KI-bezogener Stellenanzeigen in Deutschland hat sich von 0,2 Prozent vor vier Jahren auf 0,4 Prozent im Juli 2026 verdoppelt.

Vor allem Berufserfahrene gefragt

Die Expert:innen haben zudem analysiert, dass sich die rund 120.000 Stellenanzeigen für KI-Jobs, die zwischen 2022 und Juli 2026 ausgeschrieben wurden, vor allem an erfahrene Fachkräfte richten. 79 Prozent der Stellenausschreibungen fordern Berufserfahrung ein. Gesucht werden vor allem KI-Expert:innen für die operative Umsetzung. Nur drei Prozent der Stellen sind auf Managementebene ausgeschrieben; während sich 0,4 Prozent auf das Director-Level beziehen und nur 0,1 Prozent auf die oberste Führungsebene. Einstiegspositionen finden sich nur zu sechs Prozent bei den KI-Jobs, weitere elf Prozent richten sich an Studierenden- und Praktikant:innenstellen.

Neu entstandene AI-Jobtitel finden sich außerdem seltener als etablierte Profile. So werden Data Scientists in 23 Prozent der Stellenbeschreibungen gesucht, Machine Learning Engineers in sechs Prozent und AI Engineers in drei Prozent. Prompt Engineers liegen bei zwei Prozent. Kacper Potega, SVP Product und Marketing bei XING, sieht vor allem Fachkräfte gesucht, „die Daten auswählen, strukturieren und modellieren können – und die verstehen, was sich sinnvoll automatisieren lässt“.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre verlief in Wellen: 2022 wurden rund 28.700 KI-bezogene Stellenanzeigen erfasst, 2023 waren es rund 22.700. 2024 sank die Zahl auf nur noch rund 16.200 – und steigt seitdem wieder an. Lag sie 2025 insgesamt bei rund 29.200 Stellen, waren es allein von Januar bis Juli 2026 bereits rund 24.000, der höchste prozentuale Anteil während des Analysezeitraums, Grafik, © Xing
Die Entwicklung der vergangenen Jahre verlief in Wellen: 2022 wurden rund 28.700 KI-Jobs erfasst, 2023 rund 22.700. 2024 sank die Zahl auf rund 16.200 und steigt seitdem aber wieder an, © XING

In diesen Branchen und an folgenden Standorten gibt es Bedarf nach KI-Skills

Doch aus welchen Sektoren kommen die Jobausschreibungen? Die Analyse verortet die KI-Jobs vor allem im Bereich Internet und Informationstechnologie (27 Prozent). Weitere zehn Prozent stammen aus den IT-Dienstleistungen, knapp gefolgt von neun Prozent aus der Softwarebranche. Beratungsunternehmen machen sechs Prozent aus. Weitere KI-Jobs finden sich auch an Hochschulen, im Maschinenbau, in Bildung und Wissenschaft, im Handel sowie im Automobilbereich.

Regionale Unterschiede werden bei den KI-Berufen ebenfalls deutlich. Im Ranking führt Bayern mit rund 24.000 KI-Stellen, dicht gefolgt von Baden-Württemberg mit rund 20.700 Ausschreibungen. Auf Platz drei landet Nordrhein-Westfalen mit rund 18.600 Stellenausschreibungen. Dicht dahinter folgt Berlin mit rund 16.100 Stellenangeboten. Arbeitsmarktexperte Kacper Potega sieht langwierige, aber dynamische Entwicklungen:

Die Zahlen und die regionale Konzentration zeigen, dass KI-Jobs den Arbeitsmarkt bislang nur in begrenztem Umfang verändert haben, auch wenn die Entwicklung dynamisch ist. Der Einsatz von KI selbst wird den Arbeitsmarkt dagegen langfristig grundlegend verändern. KI wird nicht jeden Job ersetzen, aber sie macht Standardkompetenz leichter austauschbar. Umso wichtiger werden Erfahrung, Urteilskraft und echtes Fachwissen.

Die bundesweite Stellenmarktanalyse wurde im Juli 2026 von XING durchgeführt. Dabei wurden rund 120.000 KI-bezogene Stellenausschreibungen in Deutschland aus dem Zeitraum Januar 2022 bis Juli 2026 untersucht. Eine Stellenanzeige galt dabei als KI-bezogen, wenn im Titel und/oder in der Stellenbeschreibung mindestens ein Begriff aus einer Liste KI-relevanter Suchbegriffe auftauchte.


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