Human Resources
70 Prozent der Bewerber:innen zögern bei Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe

70 Prozent der Bewerber:innen zögern bei Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe

Selina Beck | 01.06.26

Breite Gehaltsspannen schaffen offenbar kein Vertrauen. Sechs von zehn Bewerber:innen bewerten sie kritisch, während sich die Mehrheit konkrete Gehaltsangaben wünscht und Unternehmen bei der Bezahlung misstraut.

Das Gehalt ist einer der wichtigsten Faktoren bei der Jobsuche. Doch erst vor Kurzem zeigte eine Studie von Indeed, dass nur 12,5 Prozent der Stellenanzeigen in Deutschland den Verdienst nennen – obwohl die EU-Entgelttransparenzrichtlinie bereits bis Anfang Juni umgesetzt werden muss. Die Regelung soll unter anderem dazu beitragen, die Gender Pay Gap zu verringern. Deutschland bildet bei der Gehaltsangabe in Stellenanzeigen derzeit das Schlusslicht in Europa.

Liniendiagramm zum Anteil von Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe in europäischen Ländern von 2020 bis 2026. Deutschland liegt mit 12 Prozent deutlich hinter Großbritannien (56 Prozent), den Niederlanden (48 Prozent) und Frankreich (43 Prozent) zurück und bildet das Schlusslicht im Vergleich.
Über den Verdienst wird in Deutschland oft geschwiegen, © Indeed

Breite Gehaltsspannen schaffen kein Vertrauen

Mehr Gehaltstransparenz wünschen sich viele Beschäftigte. Doch breite Gehaltsspannen erzielen offenbar nicht den gewünschten Effekt. Laut einer aktuellen Jooble-Umfrage unter 1.231 Jobsuchenden aus April und Mai misstrauen sechs von zehn Befragten entsprechenden Angaben in Stellenanzeigen. 37 Prozent vermuten sogar, dass Unternehmen am Ende ohnehin das untere Ende der angegebenen Spanne zahlen möchten. Nur 23,8 Prozent bewerten eine breite Gehaltsspanne positiver als gar keine Gehaltsangabe.

Balkendiagramm zur Wahrnehmung breiter Gehaltsspannen in Stellenanzeigen. 75,3 Prozent der kaufmännischen Beschäftigten bewerten diese negativ, gefolgt von Führungskräften mit 62,3 Prozent. Auch in anderen Berufsgruppen liegt die Ablehnung bei über 50 Prozent.
Die negative Wahrnehmung breiter Gehaltsspannen unterscheidet sich bei den Bewerbenden je nach Branche, © Jooble

Zudem zeigt die Analyse, dass sich 70 Prozent der Jobsuchenden nicht oder nur unter Vorbehalt bewerben, wenn eine Stellenanzeige keine Gehaltsangabe enthält. Neun Prozent verzichten grundsätzlich auf Bewerbungen ohne Lohnangabe.

Bewerber:innen wollen konkrete Gehaltsangaben

Dabei wünschen sich 41,8 Prozent der Befragten eine konkrete Gehaltsangabe, beispielsweise einen festen Bruttomonatslohn. 34,6 Prozent bevorzugen eine enge Gehaltsspanne. Ein Gehalt nach Vereinbarung finden lediglich 13,6 Prozent attraktiv. Eine breite Gehaltsspanne spricht nur jede zehnte befragte Person an.

Balkendiagramm zur bevorzugten Form der Gehaltsangabe in Stellenanzeigen. 41,8 Prozent der Befragten wünschen sich ein konkretes Gehalt, 34,6 Prozent eine enge Gehaltsspanne. Breite Gehaltsspannen bevorzugen lediglich zehn Prozent der Jobsuchenden.
Die Mehrheit der Befragten will eine konkrete Gehaltsangabe, © Jooble

Die Ergebnisse zeigen zudem, wie wichtig Gehaltstransparenz für Bewerber:innen geworden ist. Zwar landet die Aufgabenbeschreibung auf Platz eins der wichtigsten Kriterien in Stellenanzeigen, direkt dahinter folgt jedoch bereits die Gehaltsangabe. Auf Platz drei liegen Arbeitszeiten und Flexibilität. Es folgen Standort und Erreichbarkeit sowie Benefits. Die Unternehmenskultur landet erst auf Rang sechs.

Das Misstrauen geht über Stellenanzeigen hinaus

Mehr als 60 Prozent der Befragten vertrauen Unternehmen ohne gesetzliche Vorgaben nicht, Gehälter fair und gleich zu bezahlen. Auf die Frage, ob Firmen auch ohne gesetzliche Verpflichtung fair und gleich bezahlen würden, antworteten lediglich 15,3 Prozent mit „ja, voll und ganz“. Weitere 24 Prozent vertrauen Arbeitgeber:innen eher. Mehr als jede zweite befragte Person hat dagegen kein Vertrauen.


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© cottonbro studio – Pexels


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Quelle Google OnlineMarketing.de

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