Human Resources
Mehr Arbeit? Wofür eigentlich? Mehr als jede:r 3. zweifelt am Leistungsprinzip

Mehr Arbeit? Wofür eigentlich? Mehr als jede:r 3. zweifelt am Leistungsprinzip

Marié Detlefsen | 17.08.26

Immer mehr Arbeitnehmer:innen fragen sich, ob sich zusätzlicher Einsatz im Job überhaupt noch auszahlt. Erfahre, warum Geld, Anerkennung und Karrierechancen längst nicht mehr die einzigen Faktoren für einen guten Job sind.

Wer mehr leistet, kommt weiter. Wer sich besonders reinhängt, bekommt mehr Geld, steigt auf oder macht Karriere. So zumindest lautet das Versprechen der Leistungsgesellschaft. Doch daran glauben viele Arbeitnehmer:innen nicht mehr. Eine aktuelle repräsentative Umfrage von Statista+, für die im Juni und Juli 2026 insgesamt 1.000 Voll- und Teilzeitbeschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt wurden, zeigt: 39 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland sind der Ansicht, dass sich Leistung im Job nicht lohnt. Nur 19 Prozent stimmen uneingeschränkt der Aussage zu, dass sich Leistung in Deutschland lohnt.

Mehr Einsatz auf der Arbeit? Lieber nicht um jeden Preis

Mehr als jede:r Fünfte zeigt sich entsprechend zurückhaltend: 22 Prozent der Befragten geben an, derzeit nicht motiviert zu sein, über das hinauszugehen, was ihre Position formal von ihnen verlangt. Der wichtigste Grund dafür ist ziemlich handfest: Geld. 41 Prozent geben an, dass zusätzlicher Einsatz finanziell nicht oder nicht ausreichend vergütet wird.

Doch nicht alles lässt sich auf dem Gehaltszettel ablesen. 34 Prozent vermissen Anerkennung und Wertschätzung. Weitere 26 Prozent sehen bei ihren aktuellen Arbeitgeber:innen keine realistische Aussicht darauf, dass sich zusätzliche Leistung irgendwann in besseren Karrierechancen niederschlägt. Und für 23 Prozent ist die persönliche Belastungsgrenze bereits erreicht. Annika in der Beek, Chief People Officer bei Statista, sagt hierzu:

Wenn Leistung nicht mehr als verlässlich belohnt wahrgenommen wird, hat das direkte  Auswirkungen auf Motivation und Engagement. Für Unternehmen bedeutet das, Leistung transparenter zu  bewerten und konsequent mit nachvollziehbarer Gegenleistung zu verknüpfen, etwa durch klare Gehaltsentwicklungen, echte Anerkennung im Alltag und verlässliche  Entwicklungsperspektiven.


Hier sind Beschäftigte am demotiviertesten

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© Mizuno K – Pexels


74 Prozent der Gen Z würden gerne weniger arbeiten

Geld ist allerdings nicht der einzige Grund, warum Arbeitnehmer:innen beim Thema Mehrarbeit auf die Bremse treten. Für 36 Prozent ist die eigene Freizeit ein wichtiger Faktor. 31 Prozent wollen ihre Lebensqualität nicht für zusätzliche berufliche Belastung opfern. Das zeigt sich auch bei der Frage nach einer möglichen Arbeitszeitverkürzung. 66 Prozent der Befragten können sich grundsätzlich vorstellen, weniger zu arbeiten. Zwölf Prozent haben diesen Schritt bereits gemacht. Weitere 20 Prozent planen eine Reduzierung innerhalb der kommenden zwölf Monate oder zu einem späteren Zeitpunkt.

Besonders offen dafür ist die Generation Z. Bei den jüngeren Beschäftigten können sich 74 Prozent eine kürzere Arbeitszeit vorstellen. Elf Prozent haben ihre Arbeitszeit bereits reduziert, 32 Prozent planen dies konkret.

Und welche Gründe nennen Beschäftigte für den Wunsch nach einer Arbeitszeitreduzierung? 47 Prozent derjenigen, die ihre Arbeitszeit reduzieren möchten, wollen dadurch mehr Raum für Familie und Freizeit gewinnen. 44 Prozent möchten schlicht mehr vom Leben haben. Ein weiterer Faktor ist die Belastung: 32 Prozent nennen eine zu hohe Arbeitsmenge als Grund für den Wunsch nach weniger Arbeitszeit.

Unternehmen sollten Balance zwischen Arbeit und Freizeit ermöglichen

Wer dauerhaft mehr Verantwortung übernimmt, Überstunden macht und zusätzliche Aufgaben schultert, erwartet dafür nicht mehr automatisch nur den nächsten Karriereschritt. Es geht auch um Planbarkeit, Anerkennung und die Frage, ob am Ende noch genügend Zeit für das eigene Leben bleibt.

Gerade für Arbeitgeber:innen könnte das zum Problem werden. Denn eine Belegschaft, die keinen Zusammenhang zwischen Einsatz und Gegenleistung erkennt, wird sich vermutlich zweimal überlegen, ob sie noch eine Schippe drauflegt. Das bedeutet nicht, dass Arbeitnehmer:innen plötzlich grundsätzlich weniger leisten wollen. Die Ergebnisse der Umfrage deuten vielmehr darauf hin, dass sich mehr Einsatz auch lohnen soll – und zwar sichtbar: Beim Gehalt. Bei der Entwicklung. Bei der Wertschätzung. Oder zumindest durch mehr Gestaltungsspielraum im Alltag.

Die Zeiten, in denen „Karriere um jeden Preis“ als selbstverständliches Lebensziel galt, scheinen jedenfalls weniger selbstverständlich zu werden. Für viele Beschäftigte ist die entscheidende Frage inzwischen nicht mehr nur: Wie weit kann ich beruflich kommen? Sondern auch: Was bleibt dabei eigentlich von meinem Leben übrig?


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© Mart Production – Pexels


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