Human Resources
Home Office trotzt Wirtschaftskrise – mit Problem bei Geschlechterverteilung

Home Office trotzt Wirtschaftskrise – mit Problem bei Geschlechterverteilung

Selina Beck | 04.05.26

Die Jobs mit Home-Office-Optionen bleiben konstant hoch. Doch: Home Office ist vor allem in männerdominierten Branchen verbreitet.

Die Anzahl an Stellenanzeigen mit Home-Office-Möglichkeiten liegt weiterhin bei 20 Prozent – das hat eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung ergeben. Der Wert hat sich seit vergangenem Jahr nicht verändert. Bei der Analyse wurden 79 Millionen Online-Stellenanzeigen des Jobmonitors der Stiftung untersucht. Es zeigt sich zum Beispiel: In Stuttgart werden durchschnittlich die meisten Home-Office-Jobs angeboten.

Vor der Coronakrise lag der Anteil an Home-Office-Jobs bei den Stellenangeboten lediglich bei 3,7 Prozent. 2024 waren es dann schon rund 20 Prozent, wobei sich der Wert seitdem kaum verändert hat. Die Konjunkturschwäche habe daran nichts geändert, so die Expert:innen. Der Arbeitsmarktexperte Gunvald Herdin sagte der Bertelsmann Stiftung dazu:

Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht. Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben.

Viele Studien zeigen, dass sich zahlreiche Beschäftigte weiterhin Home Office wünschen. Laut aktueller ifo-Konjunkturumfrage arbeiten 24,3 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland zumindest teilweise im Home Office.

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Ein Mann sitzt zu Hause und arbeitet
© Tima Miroshnichenko – Pexels


Problematische Verteilung in den Branchen

Allerdings gibt es die Home-Office-Jobs vor allem in Bereichen wie der IT-Branche (69 Prozent). Das Problem hierbei: Diese Branche etwa gilt als männerdominiert. Generell hat die Studie ergeben, dass Home-Office-Jobs primär in Bereichen angeboten werden, in denen überwiegend Männer arbeiten. Laut Erhebung Frauendominierte Berufe wie Pflegefachkräfte, Lehrer:innen und Erzieher:innen sind im Arbeitsalltag von Kontakt mit anderen Menschen geprägt, woraus offenkundig weniger Home-Office-Optionen resultieren.

Beim Ranking steht der erste frauendominierte Beruf – Steuerberatungsfachkraft – erst auf Platz 14. Lediglich für 13 Prozent der frauendominierten Berufe gibt es eine Home-Office-Option. Besonders bei Jobs mit hohen Bildungsabschlüssen wird dieser Unterschied deutlich. Bei nur 22 Prozent der frauendominierten Berufe mit Studienabschluss wird mobiles Arbeiten angeboten, während es in männerdominierten Branchen knapp 46 Prozent sind.

Die Ungleichverteilung der Geschlechter wird vor allem in Jobs mit Studienabschluss deutlich, © Bertelsmann Stiftung, Grafik
Die Ungleichverteilung wird vor allem in Jobs mit Studienabschluss deutlich, © Bertelsmann Stiftung

Für Eltern und vor allem Alleinerziehende ist Home-Office-Arbeit zentral

Das Problem wirkt sich besonders gravierend für Eltern und dabei vor allem für Alleinerziehende aus – 2024 waren 85 Prozent der Alleinerziehenden Frauen. Die Arbeitsmarktexpertin Michaela Hermann meint:

Gerade für Eltern und Pflegende ist ortsflexibles Arbeiten oft entscheidend. Für Alleinerziehende gilt das in besonderem Maße, weil zeitraubende Arbeitswege wegfallen.

Vereinbarkeitsangebote seien auch in Berufen mit sozialen Kontakten nötig. Laut den Expert:innen müssten Unternehmen hier gezielt Rahmenbedingungen für mehr Zeitflexibilität schaffen. Home-Office-Jobs sind außerdem interessanter für Menschen, die zusätzlich Care-Arbeit leisten.

Home Office wird laut den Analyst:innen vor allem für Akademiker:innen angeboten. 35 Prozent der Akademiker:innen können im Home Office arbeiten, während nur vier Prozent der Arbeitnehmer:innen auf Helfer:innenniveau ein Home-Office-Angebot erhalten.


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