Human Resources
Das sind die größten Baustellen in der HR-Branche

Das sind die größten Baustellen in der HR-Branche

Selina Beck | 05.06.26

Mangelnde Bindung ans Unternehmen, steigender Druck im Performance Management und Probleme beim Umgang mit KI-Tools fordern HR Teams. Die Probleme und Trends der Branche in der Übersicht.

KI, Mitarbeiter:innenbindung und Produktivität: Dies sind nur einige der Probleme, welche das Personalwesen gerade beschäftigen, offenbart die aktuelle Studie „State of HR in Deutschland 2026“ von DGFP und Gallup. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass sich HR heutzutage weniger mit Einzelthemen beschäftigt, sondern immer mehr mit der gleichzeitigen Organisation von Transformation, Effizienz und Leistungsfähigkeit.

Die meisten Veränderungen erfolgen in der People-Strategie den Analyst:innen zufolge aufgrund von Kostensenkung und Margendruck (57 Prozent) sowie der Digitalisierung und KI-Entwicklung (55 Prozent). Das Performance Management rückt zwar weiter in den Fokus in der HR-Branche, bleibt aber weiterhin ein großes Problem.

So nennen 38 Prozent der Befragten Performance Management als wichtigsten Aspekt ihrer HR-Arbeit, aber dennoch zeigen sich gravierende Probleme bei der Wirksamkeit von bestehenden Performance-Management-Systemen. Ganze 75 Prozent der Befragten sind mit dem Performance-Management-Ansatz ihres Unternehmens mehr oder weniger unzufrieden.

Die Unternehmen legen den Fokus auf verschiedene Phasen des Employee Life Cycle, © Gallup, Abbildung
Die Unternehmen legen den Fokus auf verschiedene Phasen des Employee Life Cycle, © Gallup

Weniger Fehlzeiten und höhere Produktivität bei Teams mit emotionaler Bindung

Eine weitere Erkenntnis ist sehr wichtig: Die emotionale Mitarbeiter:innenbindung wird häufiger als Problemfeld wahrgenommen, anstatt als Priorität. Dabei gibt es in Teams mit hoher emotionaler Bindung eine geringere Fluktuation (zwischen 21 und 51 Prozent geringere Fluktuation), 78 Prozent weniger Fehltage und eine höhere Produktivität (19 Prozent).

Außerdem gibt es sogar 63 Prozent weniger Arbeitsunfälle bei guten Beziehungen und 32 Prozent weniger Qualitätsmängel. Auch bessere Kund:innenbewertungen (10 Prozent) sind laut der Studie realistisch.

Aber: Nur zehn Prozent der befragten Arbeitnehmer:innen (1.700 Teilnehmer:innen) sagten vergangenes Jahr in einer Gallup-Studie, dass sie sich emotional sehr gebunden an das Unternehmen fühlen. Ausreichende Weiterentwicklungsoptionen sahen nur 23 Prozent bei ihren Arbeitgeber:innen.

Führungskräfte müssen zu Umgang mit KI-Tools animieren

Eine weitere Herausforderung liegt in der KI-Entwicklung: Zwar nutzen 81 Prozent des HR-Personals KI täglich oder mehrmals in der Woche, doch nur vier Prozent halten alle Mitarbeiter:innen für vollständig versiert im Umgang mit den KI-Tools. Hier ist die Arbeitgeber:innenseite entscheidend für die KI-Nutzung, denn ohne aktive Unterstützung von Führungskräften bleibt die Nutzung der neuen Technologien begrenzt, so die Expert:innen.


Für AI Scores:

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© Google DeepMind – Unsplash


Dennoch zeigt sich auch eine positive Erkenntnis in der Befragung: Die HR-Beschäftigten identifizieren sich stark mit ihrem Beruf und so würden sich 89 Prozent wieder für eine HR-Karriere entscheiden.

Das sind die aktuellsten Trends in der HR-Branche

Als aktuellste HR-Trends werden in der Analyse die transformative HR-Arbeit (64 Prozent), Effizienztreibeffekte (45 Prozent), Synergieeffekte (38 Prozent) und neue Weiterbildungsformen (31 Prozent) identifiziert. Auch die Überwindung der Datenkluft (29 Prozent) und die Gestaltung der hybriden Arbeitswelt (27 Prozent) stehen auf der Agenda der HR-Branche.

Zu den aktuellen HR-Trends gehören transformative HR-Arbeit und Effizienztreiber, © 2026 Gallup, Tabelle
Zu den aktuellen HR-Trends gehören transformative HR-Arbeit und Synergieeffekte, © Gallup

Eine weitere Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren etabliert: Employee Listening (Konzepte zur Analyse von Feedback der Angestellten mit dem Ziel, gute Entscheidungen und Maßnahmen abzuleiten). Die Mehrheit der befragten HR-Fachkräfte (76 Prozent) verwendet klassische Mitarbeiter:innenbefragungen, 69 Prozent nutzen formelle Gespräche mit den Beschäftigten und 49 Prozent Leistungsbeurteilungen als Tools. Kurzbefragungen werden von 31 Prozent verwendet und Vorschlagsboxen von 28 Prozent der Personaler:innen.

Employee Listening ist wichtig für die Unternehmen und kann zu positiven Veränderungen führen, © Gallup, Screenshot
Employee Listening ist wichtig für die Unternehmen und kann zu positiven Veränderungen führen, © Gallup

Ob aus dem Feedback der Beschäftigten Veränderungen resultieren, hängt laut den HR-Beschäftigten vor allem vom Willen der Geschäftsführung und der Unternehmenskultur ab. Wenn die Führungskräfte Kultur als Performance-Faktor wahrnehmen, dann wird der Folgeprozess von den Befragten als erfolgreicher bewertet. Nur 18 Prozent der Teilnehmer:innen gehen davon aus, dass die Geschäftsführung heute mehr Wert auf Organisationskultur legt als in den vergangenen Jahren. Die Analyst:innen bewerten generell die Problematiken in der HR-Branche und erkennen Stagnation beim Versuch der Behebung:

Bereits die erste ‚State of HR‘-Studie hat gezeigt, dass HR in Deutschland zwar an zentralen Zukunftsthemen arbeitet, dabei aber auf wiederkehrende Barrieren stößt, etwa eine nur begrenzte strategische Einbindung, geringe Anerkennung des von HR geleisteten Beitrags zum Organisationserfolg, ein schwaches Agilitätserleben sowie Defizite bei der emotionalen Bindung. Die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass sich dieses Bild nicht grundlegend verändert hat. Vieles von dem, was 2024 als Barriere beschrieben wurde, ist auch 2026 weiterhin erkennbar – teilweise nahezu unverändert.

Tipps für die Zukunft

Die Expert:innen empfehlen den Unternehmen, das Performance Management praxisnäher und alltagstauglicher zu gestalten. Zudem müsse die Aufmerksamkeit beim Employee Listening stärker auf die Umsetzung gerichtet werden. Auch im Bereich KI gibt es Nachholbedarf: Hier muss die KI-Befähigung der Mitarbeiter:innen systematischer organisiert werden.

Im Erhebungszeitraum von Ende Januar bis Ende Februar dieses Jahres nahmen 312 HR-Fach- und Führungskräfte an der Befragung teil. Der Fragebogen umfasste 65 Fragen.

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