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Human Resources
Diversity Recruiting: So gestaltest du deine Teams bunter und produktiver
© Gemma Chua-Tran - Unsplash

Diversity Recruiting: So gestaltest du deine Teams bunter und produktiver

Michelle Winner | 13.04.21

Diversität am Arbeitsplatz verbessert die Kreativität, Effizienz und Produktivität. Doch wie gewinnt man entsprechende Talente für sich?

Bewerber:innen dürfen nicht aufgrund von Alter, Herkunft, Hautfarbe, Gender, Religion oder sexueller Orientierung diskriminiert werden. Und doch scheinen einige Arbeitgeber:innen Probleme damit zu haben, ein diverses Team zusammenzustellen – was nicht immer am Mangel an Kandidat:innen liegt, sondern oft auch an unterbewussten Vorurteilen. Dabei ist Diversity am Arbeitsplatz ein Zugewinn für jedes Unternehmen. Welche Vorteile die Zusammenstellung eines diversen Teams hat und wie du überhaupt für mehr Diversität im Recruiting sorgen kannst, wollen wir dir heute zeigen.

Wieso überhaupt für mehr Diversität im Team sorgen?

Für Diversität in Unternehmen sprechen besonders zwei Punkte: Erstens, mehr Gleichberechtigung und zweitens, wirtschaftlicher Erfolg. Doch was bedeutet das im Detail?

Gleichberechtigung führt zur Normalisierung

Der Punkt Gleichberechtigung dreht sich vor allem um soziale Gerechtigkeit, denn noch immer werden bestimmte Personengruppen in ihrem Alltag und Arbeitsleben benachteiligt. In Unternehmen macht sich dies zum Beispiel darin bemerkbar, dass Führungspositionen oft an weiße, heterosexuelle Männer vergeben werden oder dass Angestellte aufgrund von Religion, Hautfarbe oder Sexualität am Arbeitsplatz gemobbt werden. Zur Etablierung von Diversität sollen unter anderem Quoten beitragen. So hat sich Siemens Energy als Ziel gesetzt, die Zahl von Frauen in Führungspositionen bis 2025 um 25 Prozent und bis 2030 um 30 Prozent zu erhöhen.

Doch hier hört die Gleichberechtigung nicht auf. Neben Frauen fehlt es auch oft die Repräsentation anderer Genderidentitäten, Hautfarben oder Religionen. Unsere Gesellschaft ist bunt und facettenreich und das sollte sich in allen Lebensbereichen widerspiegeln – auch im Arbeitsalltag. Stellt ein Unternehmen ein diverses Team zusammen, trägt es zur Repräsentation bei und somit auch zur Normalisierung. Das ist besonders wichtig, um Vorurteile auszumerzen und ein Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen. Gerade Deutschland hat hier Nachholbedarf, denn 45 Prozent der Arbeitnehmer:innen geben an, dass es in ihrem Unternehmen keine Vielfalt gäbe.

Diverse Teams und wirtschaftlicher Erfolg

Doch Diversität bringt nicht nur aus sozialer Sicht Vorteile, sondern auch aus wirtschaftlicher. So kann mehr Offenheit für diverse Talente dabei helfen, gegen den fortschreitenden Fachkräftemangel vorzugehen, indem der Pool an Bewerber:innen erweitert wird. Hinzu kommt, dass bunte Teams kreativer sind, denn das Aufeinandertreffen verschiedener Denkansätze, kultureller Hintergründe und Weltanschauungen bringt oft Problemlösungen hervor, die in einem homogenen Team verborgen geblieben wären. Dadurch werden Effizienz und Produktivität gesteigert, was wiederum einen Vorteil für das Unternehmen selbst hat. Denn in der Regel macht sich effektive und produktive Arbeit auch positiv im wirtschaftlichen Erfolg bemerkbar. Abgesehen davon können Arbeitgeber:innen aber auch in puncto Reputation profitieren: Ein Unternehmen, dass sich aktiv für Diversität einsetzt und diese auch wirklich intern etabliert, stellt sich modern und progressiv vor. Das kann ein Vorteil im War for Talents sein.

Zeichen setzen und Diversität normalisieren, © Yoav Hornung – Unsplash

Wie gelingt es Diversität im Recruiting zu etablieren?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, schon während der Rekrutierungsphase auf Diversity zu setzen. Wichtig hierbei ist aber in jedem Falle, dass du offen dafür bist, auch jenseits der bekannten Wege die Augen nach vielversprechenden Talenten offen zu halten.

1. Auf die Formulierung achten

Beim Wording deiner Stellenausschreibungen solltest du auf Inklusivität achten, um alle Personengruppen miteinzubeziehen. Wichtig ist hier vor allem die Abkehr vom generischen Maskulinum, denn durch dessen Nutzung kann der Eindruck entstehen, es würden lediglich Männer für die Position infrage kommen, selbst wenn man den Zusatz m/w/d in Klammern hinzufügt. So ist belegt, dass sich Zugehörige anderer Gender seltener auf eine Ausschreibung bewerben, die im generischen Maskulinum formuliert ist. Übrigens reicht es auch oft nicht, lediglich die weibliche Form einer Berufsbezeichnung hinzuzufügen, zum Beispiel über das Binnen-I. Denn dadurch werden zwar Frauen mit angesprochen, jedoch nicht Personen jenseits des binären Gendersprektums.

Um diese mit einzubeziehen, kannst du beispielsweise Sonderzeichen nutzen, wie das Gendersternchen, die Gender Gap oder den Doppelpunkt, der auch von unserer Redaktion bevorzugt wird. Erscheint dir das zu kompliziert, kannst du auch auf neutrale Formulierungen setzen: Fachkraft ist beispielsweise eine genderlose Umschreibung und die Endung -kraft lässt sich auch an viele Berufsbezeichnungen anhängen. Im Fließtext kannst du Artikel und Pronomen, die auf ein Gender hinweisen, umgehen, indem du die Bewerber:innen direkt ansprichst, entweder mit du oder Sie. Dadurch wirkt deine Stellenausschreibung gleichzeitig auch viel persönlicher.

2. Diversität im Employer Branding zeigen

Um diverse Talente anzusprechen, sollte dein Unternehmen sich weltoffen zeigen und am besten bereits beim Employer Branding auf Diversität setzen. Doch wie gelingt das? Ein Schritt kann sein, beim Marketing und auf der Website bereits das vielfältige Bild unserer Gesellschaft widerzuspiegeln, indem zum Beispiel verschiedene Hautfarben, Religionen oder auch Familienkonstellationen abgebildet werden. Und auch über Social Media kannst du potentiellen Mitarbeiter:innen klarmachen, dass dein Unternehmen ein offener Arbeitsplatz für alle Personengruppen ist. Positioniere dich beispielsweise eindeutig bei sozialen Bewegungen, wie #BlackLivesMatter, indem du informative Ressourcen teilst oder, wenn möglich, an Organisationen spendest.

Aber Achtung: Du solltest Diversity nicht nur als Marketing-Instrument nutzen, sondern auch wirklich hinter dem stehen, was online vermittelt wird. Wer beispielsweise während des Pride Month das Unternehmenslogo in Regenbogenfarben einfärbt, der LGBTQ+ Community danach aber keinerlei Beachtung schenkt, outet sich schnell als unglaubwürdig.

3. Dein Netzwerk nutzen

Wie so oft spielt das Netzwerk auch bei der Talentakquise eine große Rolle. Es kann dir beispielsweise helfen einen Weg in Kreise zu finden, zu denen du sonst keinen Zugang hast. Denn es ist wichtig diverse Talents dort anzusprechen, wo sie sich aufhalten. Das können ganz allgemein die sozialen Medien sein, aber auch spezielle Foren, Organisationen oder auch Ausbildungsstätten. Hast du bereits Mitarbeiter:innen, die Teil einer diversen Community sind, kannst du auch versuchen diese zu mobilisieren: Sie haben einen anderen Zugang zu ihrer Gemeinschaft als Außenstehende können dort gezielt für dein Unternehmen als Arbeitsstätte werben.

Im besten Fall ist die HR-Abteilung selbst divers. Das vereinfacht es, Diversity zu etablieren, die Rekrutierungsprozesse anzupassen und auch den Bewerber:innen ein Gefühl von Zugehörigkeit zu vermitteln – beispielsweise im Bewerbungsgespräch.

4. Die inneren Vorbehalte besiegen

Unterbewusste Vorurteile hat jeder Mensch – sie bedeuten nicht automatisch, dass man sexistisch, rassistisch oder in einer anderen Form bewusst diskriminierend ist. Es kommt darauf an, wie man mit diesem Bias umgeht. Beim Recruiting solltest du versuchen, dir deine Voreingenommenheit bewusst zu machen: Hältst du vielleicht eine Frau mit Hijab für weniger kompetent? Obwohl sie die gleichen Qualifikationen mitbringt, wie alle anderen Kandidat:innen? Dann hast du ein inneres Vorurteil, dass es zu überdenken gilt. Zugegeben, das natürliche Schubladendenken abzustellen, ist nicht einfach. Eine Hilfe hierbei können blinde Bewerbungen sein:

Heißt, Kandidat:innen bewerben sich lediglich mit ihren Qualifikationen. Die besuchten Ausbildungsstätten, Alter und Geschlecht werden nicht genannt. Auch auf ein Bewerbungsfoto wird verzichtet und im besten Fall auch auf den Namen – denn auch dieser kann auf ein bestimmtes Gender oder einen kulturellen Hintergrund hindeuten. Blinde Bewerbungen sind bisher noch relativ selten, doch es lohnt sich, ihnen eine Chance zu geben, um zumindest die ersten Entscheidungsprozesse unbefangener zu gestalten.

Wie du siehst, lohnt es sich im Recruiting auf ein diverses Team zu setzen. Und entsprechende Talente für dich zu gewinnen, ist gar nicht so schwer. Die sozialen Aspekte der Etablierung von Diversität allein sind schon ein guter Grund, das Ganze umzusetzen. Und am Ende profitiert auch dein Unternehmen aus wirtschaftlicher Sicht davon. Also eine Win-Win-Situation, findest du nicht?

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