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Büroalltag
Tabuthema Überwachung: Wie viele Angestellte werden unwissend überwacht?
© Chris Yang - Unsplash

Tabuthema Überwachung: Wie viele Angestellte werden unwissend überwacht?

Aniko Milz | 26.07.21

Mitarbeiter:innen werden bei der Arbeit häufiger überwacht als sie denken. Ganze 38 Prozent der Manager geben an, ihre Angestellten zu kontrollieren.

21 Prozent aller Mitarbeiter:innen in Deutschland werden bei der Arbeit überwacht. Das fand eine Studie der Software-Vergleichsplattform GetApp heraus. Im zweiten Teil der Studie beleuchten die Expert:innen nun die Manager-Seite. Was sind ihre Ziele, Meinungen und Investitionsabsichten in Überwachungs-Tools? Zu diesem Zweck wurden 400 Manager aus verschiedenen KMU in Deutschland befragt. Die Ergebnisse im Vergleich zu den Aussagen der Mitarbeiter:innen gehen teils stark auseinander.

Stärkere Kontrolle durch fehlende Anwesenheit

Nur wer da ist, arbeitet auch. Dieses Vorurteil ist leider immer noch nicht gänzlich aus den Köpfen der deutschen Manager verschwunden. Fehlende Präsenz, durch Remote-Möglichkeiten oder die Coronapandemie, wird gerne durch Kontrolle ausgeglichen – so scheint es zumindest in den Ergebnissen der Studie.

© GetApp

Angefangen damit, dass 28 Prozent der befragten Manager der Meinung sind, dass die Vorschriften zur Überwachung von Mitarbeiter:innen zu streng sind und es mehr Möglichkeiten zur Überwachung geben sollte. In Deutschland gibt es nämlich einiges zu beachten, wenn Angestellte kontrolliert werden sollen. Grundsätzlich gilt: Eine Überwachung im Home Office ist nur nach vorheriger Zustimmung durch die Arbeitnehmer:innen gestattet. 91,5 Prozent der befragten Manager gaben an, die gesetzlichen Regelungen sorgsam geprüft zu haben, wohingegen 8,5 Prozent angaben, nicht so sorgfältig gewesen zu sein.

Überwachung kann oft auch den gegenteiligen Effekt haben und die Arbeitsleistung senken

Doch nicht nur gesetzliche Regelungen schränken Manager bei der Überwachung ihrer Mitarbeiter:innen ein. Als größte Herausforderung auf Manager-Seite wurden Datenschutzregeln (46 Prozent), negative Auswirkungen auf das Vertrauen (38 Prozent) und Eindringen in die Privatsphäre (37 Prozent) genannt. Auf Seite der Arbeitnehmer:innen kann die Überwachung zu einem hohen Stresspegel führen, da sie befürchten, dass sie bereits der kleinste Fehler ihren Job kosten könnte. Damit könnte sie sich negativ auf die Arbeitsleistung einwirken. Auch fehlendes Vertrauen trägt meist nicht dazu bei, dass Angestellte effektiver arbeiten.

Doch welche Arten von Überwachung gibt es genau? GetApp listet folgende Bereiche auf:

  • Zeitmanagement: Insgesamt auf einzelne Aufgaben verwendete Zeit, auf Projekte verwendete Zeit, Arbeitskalender
  • Arbeitslastmanagement: Aufgabenlisten, Arbeitsplan, Ziele und KPIs (Leistungskennzahlen)
  • Anwesenheit: Anmelde-/Abmeldezeitpunkt, aktive/inaktive Zeit, Anwesenheit, Krankheitstage
  • Computeraktivitäten: Internetzugriff, Zeiterfassung, Webbrowsing
  • Aktive und inaktive Zeit: Mausbewegungen, Erfassung von Tastatureingaben, Anmelde-/Abmeldezeitpunkt
  • Arbeitsbereich: Videoüberwachung durch Webcams, Zeitrafferfotos oder Screenshots
  • Audiogespräche: Telefonnutzung
  • Digitale Kommunikation: E-Mails, Chat-Nachrichten, Videokonferenzen
  • Soziale Medien: Nutzung persönlicher Konten
  • Standort: GPS und Fahrzeugverfolgung
  • Gesundheit und Fitness: Technologien und Wearables zur Messung des körperlichen Wohlbefindens

Diskrepanz zwischen Wissenstand der Mitarbeiter:innen und tatsächlichen Überwachungsmaßnahmen

Diese Liste wurde anhand der Aussagen der Manager aufgestellt. Sie wurden befragt, woraus genau ihre Überwachung besteht. Gleichzeitig wurden Mitarbeiter:innen befragt, in welchen Bereichen sie der Mitarbeiterüberwachung ausdrücklich zugestimmt haben (beispielsweise durch mündliche oder schriftliche Kommunikation oder über Unternehmensrichtlinien).

© GetApp

Besonders erschreckend zeigt sich hier, dass zum Beispiel die Überwachung von Computer-Aktivitäten oder des Zeitmanagements deutlich häufiger durchgeführt wird, als von Mitarbeiter:innen angenommen. Auch bei Audiogesprächen, der digitalen Kommunikation und der Überwachung von sozialen Medien ist eine große Differenz festzustellen.

Während die von Managern angegebenen Vorteile Effizienz, ein besserer Einblick, Übersicht über Überstunden, Fehlererkennung und eine gestärkte Geschäftssicherheit sind, stehen auf der anderen Seite vor allem das wegfallende Vertrauen. Doch 71 Prozent der befragten Manager gaben an, auch in Zukunft in Überwachungs-Software investieren zu wollen. 67 Prozent von ihnen finden, dass Überwachungs-Tools positiv für das Unternehmen sind. Auf Mitarbeiter:innenseite sind es lediglich 17 Prozent, die Software positiv finden. Das dürfte zumindest ein wenig zu denken geben.

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