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Büroalltag
Studie: 21 Prozent aller Angestellten in Deutschland werden bei der Arbeit überwacht
© Yasmina H - Unsplash

Studie: 21 Prozent aller Angestellten in Deutschland werden bei der Arbeit überwacht

Nadine von Piechowski | 24.06.21

Der Einsatz einer Überwachungs-Software während der Arbeitszeit ist nicht so selten wie viele Menschen annehmen. Dabei werden vor allen Dingen Mitarbeiter:innen von kleinen und mittleren Unternehmen überprüft.

Überwachen dich die Führungskräfte deines Unternehmens? Wird dein Browser-Verlauf analysiert, deine Mail-Korrespondenz mitgelesen oder dein Desktop sogar gescreenshottet? Was bei vielen Angestellten auf Verständnislosigkeit trifft, ist gewöhnlicher als angenommen. Fast ein Viertel aller Arbeitnehmer:innen werden im Alltag mittels einer Überwachsungs-Software ausspioniert (21 Prozent). Besonders Mitarbeiter:innen in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) werden von ihren Vorgesetzten kontrolliert. Das ergab eine Studie der Software-Vergleichsplattform GetApp. An dieser nahmen 1.105 Menschen teil und beantworteten Fragen zur Überwachung während der Arbeitszeit.

30 Prozent würden das Unternehmen verlassen, wenn dieses eine Mitarbeiter:innenüberwachung einführt

63 Prozent der Arbeitnehmer:innen, die in einem KMU arbeiten, das eine Software zur Überwachung nutzt, fühlten sich unter Druck gesetzt, der Kontrolle durch die Arbeitgeber:innen zuzustimmen. Nur 27 Prozent der Befragten gaben an, die Überwachungsmaßnahmen akzeptiert zu haben, weil sie es wollten. Interessant dabei: Ein Großteil der Unternehmen führte die Überwachungs-Software 2020 nicht aufgrund der vermehrten Arbeit im Home Office ein. Nur elf Prozent der Befragten gaben an, dass dies während der Coronapandemie der Fall war.

Die Studienergebnisse zum Einsatz von Überwachungs-Software während der Arbeit, © GetApp
Die Studienergebnisse zum Einsatz von Überwachungs-Software während der Arbeit, © GetApp

Für die Angestellten bedeutet der Einsatz von Überwachungs-Software häufig viel Druck. 44 Prozent der Befragten gaben an, dass die Kontrolle durch die Vorgesetzten zu einem erhöhten Stressempfinden beitragen. Für 54 Prozent wirkt sich die Überprüfung negativ auf das Vertrauen zum Unternehmen aus. Und die meisten (58 Prozent) Mitarbeiter:innen sehen im Einsatz einer Überwachungs-Software ein Eindringen in die Privatsphäre. Nach diesen Ergebnissen ist es nicht überraschend, dass 30 Prozent einen Wechsel des Arbeitsplatzes in Erwägung ziehen, sollte eine vermehrte Kontrolle durch die Führungsetage eingeführt werden.

30 Prozent wollen das Unternehmen wechseln, sollte dieses anfangen, Überwachungs-Software einzusetzen, © GetApp

Mitarbeiter:innenüberwachung: Welche Vorteile hat die ständige Kontrolle?

Ein positives Ergebnis der Studie: Die meisten Mitarbeiter:innen werden darüber informiert, ob sie überwacht werden oder nicht. Lediglich zehn Prozent gaben an, keine Informationen über die Kontrolle seitens der Führungsetage erhalten zu haben.

Viele Mitarbeiter:innen wurden über die Überwachung informiert, © GetApp
Viele Mitarbeiter:innen wurden über die Überwachung informiert, © GetApp

Die Frage, die sich viele Menschen stellen: Warum überwachen Unternehmen ihre Mitarbeiter:innen überhaupt mit derartiger Technologie? Die Kontrolle der Angestellten hat nicht nur Nachteile, sondern bringt auch einige Vorteile mit sich. Zu diesen zählen unter anderem:

  • Arbeitgeber:innen haben einen besseren Einblick in den alltäglichen Geschäftsbetrieb
  • Schwerwiegende Fehler können rechtzeitig entdeckt werden
  • Mitarbeiter:innen haben einen Nachweis über erbrachte Arbeiten

Ob diese Vorteile den Stress und das leidende Vertrauen in das Unternehmen rechtfertigen, bleibt jedem Unternehmen selbst überlassen.

Welcher Überwachung stimmten Mitarbeiter:innen zu?

Nicht alle KMU, die eine Überwachungs-Software nutzen, überprüfen die Slack-Nachrichten, E-Mails oder Browser-Verläufe der Angestellten. Auch die Zeit- und Anwesenheitserfassung ist eine Art der Kontrolle, die viele Führungskräfte durchführen. So gaben auch die Befragten an, der Verwendung unterschiedlicher Überprüfungs-Tools zugestimmt zu haben.

Angestellte stimmten unterschiedlichen Überwachungsmaßnahmen zu, © GetApp
Angestellte stimmten unterschiedlichen Überwachungsmaßnahmen zu, © GetApp

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

Was bedeutet die Studie nun für Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen? Zunächst einmal, dass eine Überwachung durch die Führungskräfte nicht nur Nachteile hat und, dass damit auch nicht immer die detaillierte Kontrolle der Nachrichten oder Browser-Daten gemeint ist. Allerdings schmälert die Einführung einer Überprüfungs-Software auch das Vertrauen in das Unternehmen und setzt die Mitarbeiter:innen enorm unter Druck.

Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit: Das heißt in diesem Kontext, dass Arbeitgeber:innen ihren Angestellten – auch ohne Kontroll-Tools – den zugeschriebenen Arbeitsbereich vertrauensvoll überlassen sollten. Und die Mitarbeiter:innen sollten dieses Vertrauen nicht ausnutzen, sondern ihren Aufgaben gewissenhaft nachgehen. Eine Alternative zur Überwachsungs-Software wären regelmäßige Meetings, zumindest um Fehler zu vermeiden. In diesen können die Angestellten Updates zu ihren Arbeitsbereichen geben und Fortschritte und Schwierigkeiten vorstellen.

Wie ist es bei dir? Nutzt dein Unternehmen eine Überwachungs-Software? Schreib es uns in die Kommentare?

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