Büroalltag
Jede:r 5. Selbstständige sorgt sich um Zukunft

Jede:r 5. Selbstständige sorgt sich um Zukunft

Selina Beck | 26.05.26

Existenzängste hat aktuell jede:r fünfte Selbstständige. Vor allem der Auftragsmangel und auch Unsicherheiten im Arbeitsalltag sind dafür verantwortlich – womöglich nicht zuletzt aufgrund von KI-Entwicklungen.

Die wirtschaftliche Lage sieht in Deutschland aktuell mau aus – zuletzt halbierte die EU-Kommission die Konjunkturprognose für Deutschland. Das zeigt sich natürlich auch auf dem Arbeitsmarkt. Eine aktuelle Analyse des ifo Instituts zeigt nun, dass sich 20,6 Prozent der Selbstständigen akut um ihre wirtschaftliche Zukunft sorgen. Wachsende Unsicherheit und Auftragsmangel belasten die Freischaffenden dabei zunehmend. Auch der Einfluss von AI-Entwicklungen könnte ein Faktor sein.


Zwischen Spitzenverdienst und Existenzkampf:

So viel verdienen Selbstständige wirklich

Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch und telefoniert
© Tima Miroshnichenko – Pexels


In der gesamten Wirtschaft liegt der Wert der Arbeitnehmer:innen, die sich um ihre Existenz sorgen, bei acht Prozent. Laut den Expert:innen liegt der hohe Wert bei den Selbstständigen unter anderem daran, dass knapp der Hälfte der Befragten im April Aufträge fehlten – eine leichte Steigerung zum Januar dieses Jahres. ifo-Expertin Katrin Demmelhuber sieht die Gründe für den Rückgang bei zwei Faktoren:

Viele Unternehmen halten sich bei Aufträgen zurück, gleichzeitig bleibt die Konsumlaune gedämpft.

Urteile zur aktuellen Lage deutlich negativer

Die schwierige Lage zeigt sich auch im „Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex“. Den Index berechnet das ifo Institut seit 2021 für Soloselbstständige und Kleinstunternehmen mit weniger als neun Beschäftigten. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Dienstleistungssektor.

Der Index fiel von -20,8 Punkten im März auf -29,9 Punkte im April und erreicht damit einen neuen Tiefstand. Die Urteile zur aktuellen Lage fallen deutlich öfter negativ aus, so die Expert:innen. Damit steigt offenkundig auch die Unsicherheit unter den Selbstständigen. Über 38 Prozent der Befragten sagen aus, dass sie ihre zukünftige Unternehmensentwicklung in der aktuellen wirtschaftlichen Situation schwer einschätzen können.

Zur Zukunftsangst vieler Selbstständiger mag auch beitragen, dass immer fortschrittlichere KI-Systeme und -Tools viele Arbeitsprozesse übernehmen können, die traditionell von Selbstständigen umgesetzt werden. Ganze Designvorgänge können User mit Claude Design beispielsweise ohne die Hilfe von Dritten ausführen. Auch Aufgaben wie die Übersetzung, Ghostwriting, Korrekturlesen Bildkreationen, Coding und Website-Erstellung fallen in Bereiche, die Tech Player wie Google, Meta, OpenAI, Microsoft, Anthropic und Co. mit diversen Lösungen abdecken können – oft einfach mit natürlicher Sprache. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sah schon 2024 einen Rückgang von Freelancer-Aufträgen von bis zu 30 Prozent in einer Studie, die den Einfluss von KI-Tools analysierte. Während der KI-Boom für große Chancen auch bei Selbstständigen sorgen kann, schafft er für manche etablierten Fachleute genauso Unsicherheiten im Arbeitsalltag.


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