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Büroalltag
Home-Office-Pflicht soll im Herbst 2022 zurückkommen

Home-Office-Pflicht soll im Herbst 2022 zurückkommen

Hauke Eilers-Buchta | 31.08.22

Der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil plant, im Herbst 2022 die Home-Office-Pflicht wieder einzuführen. Es soll allerdings Ausnahmen geben. Erste Reaktionen fallen gemischt aus, vor allem Arbeitgeber:innen äußern Kritik.

Angesichts der zu erwartenden hohen Coronainfektionszahlen im Herbst, plant das Bundesarbeitsministerium die Wiedereinführung der Home-Office-Pflicht. Aktuell können Unternehmen selber entscheiden, wo ihre Mitarbeiter:innen arbeiten. Eine Änderung könnte die Infektionszahlen senken und vor Coronainfektionen schützen.

Reduzierung von Kontakten dank Home-Office-Pflicht

Mit dem Ziel der Kontaktreduzierung wurde eine Home-Office-Pflicht bereits im Januar 2021 durch die Bund-Länder-Konferenz beschlossen. Der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der SPD stellte diese damals vor und wurde in verschiedenen Medien mit den Worten „Ziel ist es, die Kontakte zu reduzieren und mögliche Infektionen zu vermeiden“ zitiert.

Der Beschluss lief im März 2022 allerdings aus – weswegen für den kommenden Herbst angesichts der erwarteten hohen Infektionszahlen eine Nachfolgeregelung bestimmt werden muss. Ab Oktober 2022 möchte das Arbeitsministerium daher die Pflicht zur Arbeit im Home Office reaktivieren. Diese Schutzmaßnahme soll verhindern, dass sich viele Menschen gemeinsam in Innenräumen aufhalten und so sehr hohe Infektionszahlen vermeiden. Zudem sollen Unternehmen dazu verpflichtet werden, ein Hygienekonzept zu erarbeiten, wie ein Gesetzentwurf vorsieht. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) begrüßte die Vorschläge bereits, warnt aber gleichzeitig vor den Risiken im Home Office:

Homeoffice kann eine besondere Belastung und Gesundheitsgefahr für Beschäftigte sein.

In diesem Kontext meint der DGB, dass das Arbeiten zu Hause kein Ersatz für Kinderbetreuung sein dürfe und für Beschäftigte eine freiwillige Option bleiben müsse. Im Zuge der Vorsorgemaßnahmen hat das Bundesministerium auch die Möglichkeit, dass eine neue Variante des Coronavirus kommen könnte, im Blick. In dem Fall müsste eventuell über den Faktor Freiwilligkeit noch einmal nachgedacht werden.

Weitere Anregung: Kostenlose Tests für Arbeitnehmer:innen?

Der Gesetzentwurf sieht somit vor, dass Beschäftigte zum Schutz vor Coronainfektionen, von zu Hause aus arbeiten sollten; jedoch auf freiwilliger Basis auf Arbeitnehmer:innenseite und sofern dies betrieblich möglich ist. Andernfalls, so sieht es die neue Regelung vor, sollten Arbeitnehmer:innen, die weiterhin im Unternehmen arbeiten müssen, geschützt werden. Laut Bundesarbeitsministerium soll es dafür ausreichend Abstand zwischen einzelnen Arbeitsplätzen geben. Zusätzlich sollen Coronatests für alle Mitarbeiter:innen zur Verfügung stehen: Zwei Tests pro Woche sind derzeit im Gespräch. Seitens der Partei Die Linke kommt bereits die Forderung auf, diese Tests für Mitarbeitende kostenlos anzubieten.

Freiwillige Lösung statt Home-Office-Pflicht

Die Reaktionen auf den Vorstoß des Arbeitsministers Heil fallen bisweilen unterschiedlich aus. Wie schon angemerkt, zeigt sich der DGB darüber erfreut, dass sich das Bundesarbeitsministerium zeitnah Gedanken zur Vorsorge macht. Die DGB-Vorsitzende Anja Piel äußerte sich folgendermaßen:

Home Office ist ein bewährtes Mittel, um das Infektionsgeschehen zu verlangsamen und auch um die Kontakte zu reduzieren.

Hierbei nannte sie auch wegfallende Wegstrecken zur Arbeit als relevanten Faktor, der eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von Corona spielen könnte.

Arbeitgeberpräsident Reiner Dulger hält die Home-Office-Pflicht dagegen für unangemessen und findet, diese sei nicht nachvollziehbar. Immerhin hätte sich die Situation alleine schon durch die Impferfolge verändert und auch bereits durchlebte Coronainfektionen müsse man berücksichtigen. Sein Alternativvorschlag zur Home-Office-Pflicht ist eine auf Arbeitgeber:innenseite freiwillige Home-Office-Lösung.

Diskussionen um eine mögliche Energiepreispauschale im Rahmen der Home-Office-Pflicht

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Stracke, sieht durch eine mögliche Home-Office-Pflicht höhere Kosten auf Arbeitnehmer:innen zukommen. Vor allem die steigenden Heizkosten dürften hier eine große Rolle spielen. Er fordert, dass es für Arbeitnehmer:innen im Home Office nicht zu Zusatzbelastungen kommt, weil die Energiekosten drastisch ansteigen. Laut ihm sei eine weitere Energiepreispauschale notwendig. Diese Zahlung sollten alle Erwerbstätigen erhalten.

Die Frage nach den höheren Heizkosten im Home Office ist auch für die Partei Die Linke relevant. Sie forderte bereits eine Klärung, wer die höheren Heizkosten zahlen müsse, wenn Arbeitnehmer:innen im Herbst verstärkt am heimischen Schreibtisch statt im Büro arbeiten.

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Kommentare aus der Community

Sabine am 04.09.2022 um 01:01 Uhr

Wenn die Arbeitgeber den Beschäftigten anbieten müssen im Homeoffice arbeiten zu können, muss es der Arbeitgeber nicht annehmen wenn Gründe dagegen sprechen. Ich kann es nicht nachvollziehen warum die Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet werden.

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Sabine am 04.09.2022 um 01:03 Uhr

Ich meinte : muss es der Arbeitnehmer nicht annehmen

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Mueller am 02.09.2022 um 17:15 Uhr

Wir würden erstmal gerne überhaupt arbeiten können – arbeitstauglicher INTERNET etc Anschluß für eine wirkliche Digitalisierung gibt es auf dem Land noch nicht. Wenn das funktioniert, dann kann man darüber nachdenken Homeoffice zu machen…. geht allerdings nur bei der Bank, nicht als Dienstleister im Verkauf

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Tony am 02.09.2022 um 09:51 Uhr

Wie heißt es immer so schön? Wenn Du nichts ändern willst, dann setze auf Freiwilligkeit. Soviel dazu.

Ich verstehe auch gar nicht, warum man als AG darum betteln muss. Selbst mitten in der Pandemie gab’s genug „kreativen Spielraum“ sämtliche auferlegten Pflichten auszuhebeln.
Die Kontrollen sind hier noch dünner – um nicht zu sagen: virtuell – als bei der Steuerprüfung, die auch nur alle 120 – 200 Jahre mal vorbeikommt.

Oder wie es in der Strafrechtstheorie heißt: Wirkung = Grad der Durchsetzung x Strafhöhe. 0 x 0 ergibt was?

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Martin K. am 01.09.2022 um 17:56 Uhr

Meinem Vorredner muss ich widersprechen. Ich selber arbeite im Homeoffice effektiver und ein besserer Teamgeist ist am Arbeitsplatz nur eine Ausrede. Entweder man ist ein Team oder nicht. Geheizt wird so oder so. Und das bisschen Strom für den PC ist irrelevant. 0,2 kWh pro Tag. Ausserdem spart der Arbeitnehmer die Spritkosten. Die Firma spart Heizkosten und schont die Umwelt. Unser Teamgeist wurde sogar verbessert, da wir jeden Morgen über Teams uns absprechen. Und wenn was ist telefoniert man einfach.

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Sylvia Anacker am 04.09.2022 um 19:25 Uhr

Absolut richtig! Das sehe ich genauso und habe die gleichen Erfahrungen gemacht.

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Surferin am 02.09.2022 um 07:33 Uhr

Ist bei mir auch so, fahre normalerweise täglich insgesamt 120 km bei Präsenz. Was den Strombedarf betrifft, decke ich den fast 8 Monate lang über Photovaltik und das mache ich lieber als den Strom dem gierigen Grundversorger für 6 Cent in den Rachen zu werfen. Heizen tu ich mit Kamin mit Holz aus dem eigenen kleinen Wald, das unserem Hausbau gewichen ist. Im letzten Jahr bekam ich im HO eine Leistungsprämie, soviel zum Thema Leistung. Im Büro wird auch viel wichtige Zeit verquatscht. Im HO habe ich Skype und kann mich darüber gut verständigen, darüber auch Präsentationen abhalten. Was soll’s, bei mir bleibt HO und derzeit 1x wöchentlich ins Büro zu fahren ist okay. Bis auf COVID, das ich mir im Urlaub angelacht habe, war ich 2,5 Jahre lang nicht krank und das ist mit 56 Jahren gar nicht so schlecht. In Präsenz sind bei uns die Kollegen öfter krank, soviel zur Gesundheit.

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Daniel am 01.09.2022 um 19:40 Uhr

Genau, danke, Martin!!

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Marc am 02.09.2022 um 07:09 Uhr

volle Zustimmung

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Oromet am 31.08.2022 um 19:20 Uhr

Eine pauschale Home-Office Pflicht ist überhaupt nicht erforderlich. Die Voraussetzungen sind in jeder Firma unterschiedlich. Daher ist es richtig die Beurteilung den Arbeitgebern zu überlassen. Das vollständige arbeiten im Homeoffice ist auch entgegen der Meinung vieler (Arbeitnehmer) nicht geeignet, dauerhaft gute Ergebnisse zu erzielen. Dies gilt sowohl für das Arbeitsergebnis als auch für den sozialen Zusammenhalt, die Teamarbeit und auch die eigene Psyche.

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Tony am 02.09.2022 um 09:52 Uhr

Wie bei allen abenteuerlichen Behauptungen: Quelle? Oder dann doch eher Stammtisch als empirisch belegt?

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Daniel am 01.09.2022 um 19:37 Uhr

Oromet: Erst sprichst du von einer nicht erforderlichen Pauschalisierung und unterschiedlichen Vorraussetzungen (korrekt), um direkt im Anschluss selbst zu pauschalisieren und etw als grundsätzlich ungeeignet zu bezeichnen (falsch). Hä? :)

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