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Büroalltag
Folgen der Coronakrise: Arbeitnehmern vergeht die Lust auf Führungspositionen
© Daniel Tafjord

Folgen der Coronakrise: Arbeitnehmern vergeht die Lust auf Führungspositionen

Michelle Winner | 19.10.20

Die Pandemie sorgt für einen Wertewandel in der Arbeitswelt. Berufliche Ambitionen nehmen ab, während die Zufriedenheit mit dem Job steigt. Auch die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben wird gelobt.

Das Coronavirus ist weiterhin ein ständiger Begleiter in unser aller Leben und steigende Infektionszahlen führen bereits wieder zu strengeren Regeln. Zudem sind auch die Unternehmen wieder verstärkt dazu angehalten, das Infektionsrisiko für die Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten. Führungskräfte tragen durch die Pandemie immer mehr Verantwortung. Die Folge: Immer weniger Arbeitnehmer haben Lust darauf, Karriere zu machen und Führungspositionen einzunehmen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Initiative „Chefsache“.

Berufliche Ambitionen sinken während der Coronakrise

Im Rahmen der „New Work – Fair Chances!“-Umfrage wurden im Januar, April und September 2020 über 1.000 Beschäftigte zu Themen des Arbeitsalltags befragt und die Ergebnisse gegenübergestellt. Gerade hinsichtlich der beruflichen Ambitionen zeigt sich ein extremer Wandel: Im Januar dieses Jahres gaben noch 46 Prozent der Befragten an, dass sie demnächst eine Führungsposition anstreben. Die Verbreitung des Virus in Deutschland führt dazu, dass der Wert im April auf 15 Prozent hinabfiel. Nach der Umfrage im September sind es sogar nur noch 14 Prozent der Beschäftigten, die immer noch vom Chefposten träumen. Dabei gibt es nur einen geringen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Bei Männern sank der Wert von 49 Prozent im Januar auf 18 Prozent im September, bei den Frauen von 44 Prozent auf elf.

Gleichzeitig mit den scheinbar sinkenden Ambitionen stieg jedoch die Zufriedenheit mit der aktuellen Position. Im Januar waren nur 24 Prozent zufrieden damit, im April 43 Prozent und im September ganze 50 Prozent. Grund für den Wandel ist vermutlich die Erleichterung vieler Arbeitnehmer, dass sie im Gegensatz zu anderen trotz der Krise weiterarbeiten können und nicht auf Kurzarbeit angewiesen sind. Außerdem könnten die sinkenden Ambitionen mit der Angst vor den steigenden Verantwortungen von Führungskräften während der Coronapandemie zusammenhängen.

Wertewandel durch die Krise

Eventuell hängen die sinkenden Zahlen jedoch auch mit dem stetigen Wertewandel von Beschäftigten zusammen. So zeigt die Umfrage der Initiative, dass viele die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dank Home Office schätzen. Besonders betont werden hierbei die Männer, die im Vergleich zu den Frauen häufiger nach Führungspositionen gestrebt haben: Im April konnten nur 35 Prozent der männlichen Beschäftigten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schätzen. Das liegt vermutlich an der plötzlichen Umstellung auf Home Office und Home Schooling zum Beginn der Pandemie, die viele überforderte. Im September hatten die meisten Beschäftigten jedoch Zeit genug ein funktionierendes Konzept zu entwickeln und so zeigt sich, dass inzwischen 53 Prozent der Männer die Vereinbarkeit von Job und Privatleben schätzen.

In 43 Prozent der Familien hat sich zudem die Aufgabenverteilung geändert: Mehr als die Hälfte von diesen gibt an, dass Vater und Mutter sich nun gleichermaßen um die Kinderbetreuung kümmern. Zur Lage in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften gibt es keine Angaben. Tatsächlich scheint auch die Akzeptanz und Bereitschaft für alternative Arbeitsformen zu steigen. Ganz oben steht natürlich das mobile Arbeiten. Doch auch flexiblere Arbeitszeitmodelle sowie Teilzeitmodelle werden attraktiver – besonders bei den Männern, von denen diese Modelle vor der Krise seltener in Anspruch genommen wurden. Dieser Wandel kann, wenn er nach Corona beibehalten wird, zu mehr Chancengleichheit für Frauen auf dem Arbeitsmarkt führen und Probleme wie die Teilzeitfalle für arbeitstätige Mütter nach und nach ausmerzen.

Die Grafik zeigt die gestiegene Akzeptanz und Bereitschaft zu alternativen Arbeitskonzepten, © Initiative Chefsache

Wünsche an die Post-Corona-Zeit

Von den Beschäftigten, deren Arbeit Home Office erlaubt, wünschen sich 81 Prozent das Konzept auch nach der Krise beizubehalten. Dabei geht es meist nicht darum, den Großteil der Arbeit von zu Hause aus zu erledigen, sondern generell die Möglichkeit dazu zu haben und damit flexibler arbeiten zu können. Viele der befragten Arbeitnehmer vermissen aber Aspekte ihres gewohnten Arbeitsalltags. Am meisten wird sich nach dem persönlichen Austausch mit den Kollegen (56 Prozent) sowie der einfacheren Kommunikation (51 Prozent) und der besseren Kooperation im Team (50 Prozent) gesehnt. Psychische Belastung im Home Office oder fehlender Fokus bei der Arbeit spielen eine untergeordnete Rolle. Tatsächlich fehlt den Arbeitnehmern das persönliche Miteinander am meisten. Laut der Befragung aus dem September wünschen sich daher 65 Prozent der Befragten den gewohnten Arbeitsalltag nach Ende der Krise zurück. Unter den Home-Office-Nutzern äußern lediglich 45 Prozent diesen Wunsch.

Erneut zeigt sich, dass die Coronakrise Nachteile mit sich bringt, jedoch auch Chancen ermöglicht und Perspektiven auf unsere Arbeitswelt ändert. Inwieweit sich die hier genannten Ergebnisse in Zukunft ändern, werden weitere Umfragen der Initiative zeigen. Ebenso bleibt abzuwarten, ob und wie stark sich der Wertewandel der Arbeitnehmer auf die Post-Corona-Zeit auswirkt.