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Büroalltag
Finnland plant Gesetz gegen die Gender Pay Gap: Angestellte sollen Gehälter der Kolleg:innen offen einsehen können

Finnland plant Gesetz gegen die Gender Pay Gap: Angestellte sollen Gehälter der Kolleg:innen offen einsehen können

Michelle Winner | 18.11.21

Im Kampf gegen ungerechte Gehaltspolitik stößt Finnland mit einem Gesetzesentwurf vor, der nicht nur Beifall erhält, sondern auch viel Kritik. Braucht es in Deutschland auch eine Anpassung des Entgelttransparenzgesetzes?

Ein neuer Gesetzesentwurf soll in Finnland beim Schließen der Gender Pay Gap helfen: Arbeitnehmer:innen sollen sich die Gehälter ihrer Kolleg:innen ansehen dürfen. Die Maßnahme soll Missstände aufdecken, steht gleichzeitig aber auch unter großer Kritik. Es stellt sich also die Frage, wie erfolgreich ein solches Gesetz wäre und ob es ein solches auch in anderen Ländern, wie Deutschland, braucht.

Finnland kämpft gegen Gender Pay Gap

Obwohl Finnland bereits seit Jahrzehnten politisch gegen Genderungerechtigkeit kämpft, schneidet es in Sachen Pay Gap eher schlecht ab. Im OECD-Ranking belegt der nordische Staat gerade einmal Platz 37 und landet weit hinter den skandinavischen Nachbarn Schweden (Platz 12), Dänemark (Platz 9) und Norwegen (Platz 8). Im Jahr 2020 verdienten Frauen in Finnland 17,2 Prozent weniger Geld als Männer. Die Gründe hierfür sind vermutlich die gleichen wie in den Ländern Westeuropas: Der Arbeitsmarkt wird zu sehr in Männer- und Frauendomänen untergliedert, wodurch Frauen im „Männerbereich“ oft weniger verdienen und seltener Aufstiegschancen haben.

Fehlende Beförderungen sind jedoch ein branchenübergreifendes Problem für Frauen und hinzukommt noch, dass Männer seltener in Elternzeit gehen. Diese Aufgabe bleibt oft an den Müttern hängen, die nach der Babypause häufig Probleme bekommen, wieder Fuß im Arbeitsalltag zu fassen und in der Teilezeitfalle landen. Um die Gehaltspolitik im Land nun gerechter zu machen, soll ein neues Gesetz her.

Angestellte dürfen das Gehalt ihrer Kolleg:innen einsehen

Die finnische Regierung legt unter der Leitung von Premierministerin Sanna Marin einen Gesetzesentwurf vor und hofft so, die Gender Pay Gap zu verkleinern. Der Entwurf sieht vor, dass Mitarbeiter:innen überprüfen dürfen, wie viel ihre Kolleg:innen verdienen, wenn sie den Verdacht haben, dass eine Ungerechtigkeit vorliegt. Diskriminierende Gehaltsstrukturen sollen so aufgedeckt werden. Doch der Gesetzesentwurf muss sich großer Kritik stellen. Gewerkschaften fordern sogar noch mehr Transparenz, während der größte Arbeitgeberverband befürchtet, dass durch die Maßnahme Konflikte am Arbeitsplatz gefördert werden.

Das könnte tatsächlich passieren, denn gerade beim Thema Geld gibt es häufig Missgunst und Neid. Andersherum muss es eine gewisse Transparenz geben, um Missstände aufzudecken und Gleichbehandlung zu fördern. Die Regierung will das Gesetz trotz Kritik durchsetzen, vermutlich noch vor den Wahlen im April 2023. Gleichstellungsminister Thomas Blomqvist sagt dazu:

What is central to the government’s programme is the elimination of unjustified pay gaps. They will now be addressed more rigorously.

Braucht es solch ein Gesetz auch in Deutschland?

In Deutschland liegt die unbereinigte Gender Pay Gap laut Statistischem Bundesamt 2020 bei 18 Prozent. Der bereinigte Wert, bei dem unter anderem herausgerechnet wird, dass Frauen seltener befördert werden und häufiger in Teilzeit tätig sind, liegt bei sechs Prozent. Regional betrachtet scheint es immer noch eine imaginäre Mauer in Deutschland zu geben: So liegt die unbereinigte Pay Gap in den neuen Bundesländern bei sechs Prozent, während sie in den alten Bundesländern 20 Prozent beträgt. Vor allem die Pandemie hat dafür gesorgt, dass das Gefälle zwischen den Geschlechtern wieder größer wird.

Nun stellt sich die Frage, ob ein Gesetz wie das in Finnland geplante wirklich helfen kann, die Lücke zu schließen. Zwar gibt es hier bereits das Entgelttransparenzgesetz, doch von diesem können Arbeitnehmer:innen nur Gebrauch machen, wenn ihr Unternehmen mindesten 200 Mitarbeiter:innen beschäftigt. Außerdem braucht es eine bestimmte Anzahl an Mitarbeiter:innen (mindestens sechs) mit vergleichbarer Position und Tätigkeit. Diese Hürde wegzunehmen, würde es auch in kleineren Betrieben ermöglichen, mehr Gehaltstransparenz einzufordern. Gleichzeitig bleibt jedoch das Risiko, dass dadurch Konflikte entstehen.

Wie stehst du zu dem Thema? Brauchen wir in Deutschland mehr Gehaltstransparenz? Muss es dafür extra ein Gesetz geben? Und ist es richtig, dass Unternehmen ihren Angestellten vertraglich verbieten, über ihr Gehalt zu sprechen? Lass es uns in den Kommentaren wissen.

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