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Expat Insider Studie 2021: In welchen Ländern lebt und arbeitet es sich trotz Coronapandemie am besten?

Expat Insider Studie 2021: In welchen Ländern lebt und arbeitet es sich trotz Coronapandemie am besten?

Michelle Winner | 18.05.21

Im Ausland zu arbeiten ist durch die Coronakrise noch schwieriger geworden. Expats stehen neuen Herausforderungen entgegen und umso wichtiger ist die Frage danach, in welchem Land die besten Voraussetzungen zum Leben und Arbeiten herrschen.

Bereits zum siebten Mal veröffentlicht InterNations, das weltweit größte Netzwerk für Expats, die Expat Insider Studie. Für diese wurden insgesamt 12.000 Teilnehmende befragt und 59 Länder miteinander verglichen, um herauszufinden, wo es sich am besten lebt und arbeitet. Wie der Name suggeriert, sind mit Expats Personen gemeint, die für einen vorübergehenden Zeitraum im Ausland arbeiten. In diesem Jahr wirft die Coronapandemie ihren Schatten auch über die Studie: Expats sehen sich neuen Herausforderungen gegenüber, die sich auch auf ihre Erfahrungen ausgewirkt haben. Doch welche Länder können trotz Krise punkten?

Die Top 10 Länder für Expats

Die besten zehn Länder zum Leben und Arbeiten punkten vor allen Dingen durch die schnelle Eingewöhnung, die dort möglich ist. Tatsächlich konnte sich nur ein europäisches Land in das Top-Ranking kämpfen:

  1. Taiwan
  2. Mexiko
  3. Costa Rica
  4. Malaysia
  5. Portugal
  6. Neuseeland
  7. Australien
  8. Ecuador
  9. Kanada
  10. Vietnam

Spitzenreiter Taiwan belegt sowohl in der Kategorie „Arbeiten im Ausland“ als auch in „Lebensqualität“ den ersten Platz. Die Expats freuen sich dort über sichere Arbeitsplätze und eine gute Wirtschaftslage. Zudem sind die meisten auch mit den Lebenshaltungskosten zufrieden (96 Prozent) und alle befragten Expats in Taiwan fühlen sich im Land sicher. Eine der befragten Personen erklärt sogar:

Das taiwanesische Gesundheitssystem betrachtet Menschen wirklich als Menschen und nicht einfach als Nummern.

Neben der schnellen Eingewöhnung können Mexiko, Costa Rica und Malaysia alle beim Thema Finanzen und Lebenshaltungskosten punkten und auch die Lebensqualität freut die meisten Expats dort. Das europäische Vertreterland im Ranking Portugal punktet durch die entspannte Lebensart im Land sowie das gute Klima und die vielseitigen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Die Expats fühlen sich in Portugal wie zu Hause, was sicher auch an der Freundlichkeit der Einheimischen liegt (87 Prozent).

Mit Klick auf die Grafik kommst du zur größeren Ansicht , © InterNations

Die Worst 10 Länder für Expats

Andere Länder schneiden in der Studie nicht so gut ab. Die Kategorien „Lebensqualität“ und „Arbeiten im Ausland“ werden hier besonders schlecht bewertet und die Länder landen auf den hintersten Plätzen:

  • Malta (50)
  • Indien (51)
  • Türkei (52)
  • Zypern (53)
  • Japan (54)
  • Ägypten (55)
  • Russland (56)
  • Südafrika (57)
  • Italien (58)
  • Kuwait (59)

Japan schneidet als einziges dieser zehn Länder in Punkte Lebensqualität gut ab. Dafür fällt Expats die Eingewöhnung dort extrem schwer. Hinzu kommt, dass die Work-Life-Balance als unausgewogen wahrgenommen wird (30 Prozent) und auch beim Thema Finanzen viele in Japan unzufrieden sind (26 Prozent). In Russland werden die wirtschaftliche Lage und die Bemühungen zum Umweltschutz negativ bewertet. Italien ist das europäische Land, das am schlechtesten abschneidet. Expats sind dort mit ihrer finanziellen Lage besonders unzufrieden (30 Prozent) und in der Kategorie „Karrierechancen & Arbeitszufriedenheit“ landet das Land sogar auf dem letzten Platz. Düsterer sieht es nur für Expats in Kuwait aus. In den Kategorien „Freizeitgestaltung“, „persönliche Zufriedenheit“ und „Reisen & Transportwesen“ belegt es den letzten Platz. Die Eingewöhnung in Kuwait fällt den meisten schwer und die Offenheit und Freundlichkeit der Einheimischen schneidet miserabel ab.

Wie wirkt sich die Coronapandemie auf Expats aus?

Insgesamt 45 Prozent der Befragten geben an, die Coronakrise hätte direkten Einfluss auf ihre Expat-Pläne. Von den Personen, die bereits im Ausland leben und arbeiten, planen 18 Prozent nicht in naher Zukunft zurück in ihr Heimatland zu kehren. Acht Prozent mussten ihren Aufenthalt in einem Gastland kurzfristig ändern, sechs Prozent wollen aufgrund der Krise das Aufenthaltsland wechseln und fünf Prozent wollen sogar früher als geplant zurück nach Hause. Bei den Befragten, die derzeit noch nicht im Ausland leben, sind sogar 61 Prozent von der Coronakrise betroffen. Hier mussten 35 Prozent ihre Pläne kurzfristig verwerfen. Neun Prozent haben jedoch gerade aufgrund der Krise den Schritt ins Ausland gewagt.

Mit Klick auf die Grafik kommst du zur größeren Ansicht , © InterNations

Deutschland landet im hinteren Mittelfeld des Rankings

Als Land für Expats belegt Deutschland Platz 36. Es punktet in der Kategorie „Arbeiten im Ausland“ und außerdem sind die Befragten zufrieden mit der Lebensqualität sowie ihren persönlichen Finanzen. 75 Prozent halten ihren Arbeitsplatz in Deutschland für sicher und 85 Prozent loben die gute wirtschaftliche Lage. Doch während die deutsche Wirtschaft verlockend ist, schrecken die sozialen Aspekte eher ab. Die Eingewöhnung fällt den meisten Expats extrem schwer, in dieser Kategorie landet Deutschland auf Platz 55. Vielen scheint das Lernen der deutschen Sprache Probleme zu bereiten und auch einheimische Freunde lassen sich nur schwer finden. Das könnte unter anderem daran liegen, dass die Einheimischen von den Expats als sehr unfreundlich eingestuft werden (26 Prozent). In puncto Freundlichkeit landet Deutschland auf Platz 52.

Mit Klick auf die Grafik kommst du zur größeren Ansicht , © InterNations

Und auch in der Kategorie „Digitale Infrastruktur“ erreicht Deutschland gerade einmal Platz 53. Expats bemängeln die fehlenden Möglichkeiten zum bargeldlosen Bezahlen und empfinden es schwierig, einen Internetanschluss für die eigenen vier Wände zu erhalten. Diese Punkte werden auch von vielen Einheimischen kritisiert, derzeit noch einmal mehr durch die anhaltende Coronapandemie. Die mangelnde digitale Infrastruktur erschwert nicht nur Remote Work, sondern auch das Kontakthalten mit der Familie. Insgesamt haben sich 14 Prozent der Expats in Deutschland aufgrund der Coronakrise dafür entschieden, zunächst in Deutschland zu verweilen. Acht Prozent planen hingegen eine Übersiedlung in ein anderes Gastland oder eine frühere Heimreise, um bei ihrer Familie zu sein. 39 Prozent der Personen, die eine Heimreise planen, tun dies, weil sie sich in Deutschland durch die Pandemie noch einsamer und isolierter fühlen als ohnehin schon.

Arbeitgeber:innen in Deutschland, die auf Expats setzen, sollten also versuchen diese aktiv zu integrieren – auch wenn das momentan oft nur digital möglich ist. Team Events können beispielsweise zur Integration und gleichzeitig das Gemeinschaftsgefühl stärken. Insgesamt muss Deutschland außerdem in Sachen digitale Infrastruktur aufrüsten, um auch zukünftig attraktiv für Expats zu bleiben.

Kommentare aus der Community

LePallavac am 18.05.2021 um 19:18 Uhr

Bin Internations-Mitglied und habe die „Studie“ auch gesehen und habe grosse Zweifel an der Studie. Verschiedene Länder kenne ich aus eigener Erfahrung. In vielen Ländern, z.b. Österreich, gibt es eine grosse Anzahl inländischer Mitglieder, sind also keine Expats (nach meiner Beobachtung waren sie es auch nie!). Zweitens z.B. Italien: „30% of expats are dissatisfied with their financial situation (vs. 19% globally)“??? Oder, eben auch Italien: „33% say their disposable household income is not enough to cover their expenses (vs. 23% globally)“. Bitte, welcher Vollkoffer geht unter diesen Konditionen als Expat nach Italien??? Mir scheint das eher eine Beurteilung von Inländern zu sein.

Antworten
Michelle Winner am 20.05.2021 um 09:51 Uhr

Moin LePallavac,

Studien kritisch zu hinterfragen, ist immer wichtig:

Zur Methodik der Expat Insider Studie können wir dir sagen, dass „12.000 im Ausland lebende und arbeitende“ Personen befragt wurden, so InterNations. Hinzu kommt, dass die Stichprobengröße pro Land mindestens 50 Teilnehmende betragen musste, damit ein Land überhaupt ins Ranking aufgenommen wird. Bewertet wurden 37 verschiedene Faktoren jeweils auf einer Skala von 1 bis 7.

Einige der Kritik- oder Lobpunkte werden natürlich auch von Einheimischen so gesehen, was aber nicht bedeutet, dass die Studie unter Einheimischen durchgeführt wurde. Für die Ergebnisse von Deutschland lässt sich beispielsweise sagen, dass gute Arbeitsbedingungen, aber Unfreundlichkeit oft von Personen aus dem Ausland, die hier her kommen, beobachtet werden. Das trifft, wie die Ergebnisse der Studie, natürlich nicht auf jede Person zu. Es ist zum Beispiel schön, dass du bereits positive Erfahrungen in einigen der Länder sammeln konntest.

Was Italien angeht, muss bedacht werden, dass die dort befragten Expats nicht zwingend während der Krise dort hingegangen sind, sondern vielleicht schon dort gearbeitet haben und ebenso wie wir alle von der Coronapandemie überrascht wurden.

Ich hoffe, diese Erklärungen konnten dir etwas helfen.

Beste Grüße

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