Studie: So unterbezahlt und diskriminiert fühlen sich Frauen im Berufsleben

Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen ist nicht von der Hand zu weisen. Über die Ursachen, Gegenmaßnahmen und das Empfinden der Frauen selbst hat Viking geforscht.

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Schon lange ist es kein Geheimnis mehr, dass Frauen meist weniger verdienen als Männer, die eine ähnliche Tätigkeit ausführen. Laut des Statistischen Bundesamts liegt die Gender Pay Gap momentan bei 21 Prozent. Anlässlich des bevorstehenden Equal Pay Day am 18. März, der symbolisch für den Tag steht, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar bezahlt werden, führte Viking eine Studie durch.

In ihrem Rahmen wurden 1000 volljährigen Frauen in Bürotätigkeiten Fragen zur persönlichen Erfahrung mit Geschlechterdiskriminierung am Arbeitsplatz gestellt. Die Ergebnisse wurden mit aktuellen europäischen Studien verglichen, wodurch festgestellt wurde, wo deutsche Frauen innerhalb von Europa stehen und welche Länder die besten Konditionen haben.

Bewusstsein über die Gender Pay Gap

75,1 Prozent der befragten Frauen denken, sie sind unterbezahlt. Diese hohe Zahl zeigt, wie stark die geschlechtsspezifische Diskriminierung in das Bewusstsein weiblicher Mitarbeiter gerutscht ist. Vor allem wird nach den Ursachen für das Lohngefälle gesucht. Dr. Katharina Wrohlich, die am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zu diesem Thema forscht, sieht besonders zwei Gründe im Fokus: familienbedingte Erwerbsunterbrechungen, die hauptsächlich von Frauen in Kauf genommen werden, und lange Teilzeitarbeit. Beides, so Wrohlich, verringere die Chancen auf einen beruflichen Aufstieg.

In Anbetracht dessen ist es besonders erschreckend, dass jede 5. der Befragten angibt, sie glaube nicht daran, dass das Lohngefälle je verschwindet. Und selbst die 40 Prozent, die an eine Angleichung der Löhne glauben, sind der Meinung, dass diese erst in 11 bis 50 Jahren zustande kommt.

Schlechte Vereinbarkeit von Karriere und Familie

Noch immer hält sich in den Köpfen Vieler das traditionelle Bild des Mannes als Ernährer der Familie. Dadurch bleibt es meist Aufgabe der Frauen, sich um die Kinder zu kümmern und dafür eine Auszeit vom Berufsleben zu nehmen. Ganze 56,4 Prozent der befragten Mütter sagen, dass Kinder einen negativen Einfluss auf ihre Karriere hatten. Ein Dreiviertel musste sogar seine Arbeitsumstände als Mutter ändern und 65 Prozent sind in die Teilzeit gewechselt.

Diese scheinbaren Beschwerden der Frauen bedeuten nicht, dass sie ihre Kinder als Last ansehen und Rabenmütter sind. Doch in Anbetracht der von Dr. Wrohlich genannten Gründe für das Lohngefälle, lässt sich die Benachteiligung, die Frauen durch das Mutterwerden erfahren, nicht mehr verleugnen. Zumal es in Deutschland schon seit Jahren möglich ist, dass auch der Vater in Elternzeit geht.

Hürden und Sexismus im Beruf

Offensichtliche Diskriminierungen von Frauen führen dazu, dass diese sich kaum überwindbaren Hürden im Berufsleben gegenübersehen. Besonders belastend für die Befragten seien der geringere Verdienst, die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das Gefühl der Einschränkung, was die berufliche Entwicklung angeht.

Und Sexismus am Arbeitsplatz beginnt häufig schon beim Vorstellungsgespräch. Über die Hälfte der Frauen gibt an, unzulässige Fragen zu den Themen Herkunft und Gewerkschaftstätigkeit bekommen zu haben. Jede Dritte im Alter von 24 bis 35 Jahren wurde sogar explizit nach der Familienplanung gefragt. Diese Fragen sind unzulässig, weil sie kein Kriterium für die Einstellung darstellen dürfen. Sie geben nämlich nichts über die beruflichen Qualitäten der Bewerberin preis, sondern zielen auf das Privatleben ab.

38 Prozent der Frauen haben Sexismus am Arbeitsplatz erlebt.

Entgelttransparenzgesetz

Das neue Gesetz soll für mehr Transparenz sorgen, da der Verdienst der Kollegen nun kein Tabuthema mehr ist – zumindest in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten. Tatsächlich gaben sogar 76,6 Prozent der Befragten an, sie würden nach einer Gehaltserhöhung fragen, sollte ein Kollege mit ähnlichen Tätigkeiten mehr verdienen. Henrike von Platen, ehemalige Präsidentin vom Business and Professional Women Germany e.V. und Gründerin des FPI Fair Pay Innovation Lab, sieht das Entgelttransparenzgesetz als ersten Schritt in die richtige Richtung.

„Ein Gesetz ist immer nur so gut wie seine Anwendung, es muss mit Leben gefüllt werden“, erklärt von Platen. Männer sowie Frauen müssen für einen Kulturwechsel also auch wirklich nachfragen und über Geld sprechen. Die Transparenz müsse direkt eingefordert werden. Als gutes Beispiel ginge Schweden voran, wo die Unternehmen selbst berichtspflichtig sind. Deutschland hinke dagegen hinterher.

Maßnahmen

Für Dr. Wrohlich gibt es klare Maßnahmen, die getroffen werden müssen, um die Benachteiligung von Frauen aus dem Alltag zu eliminieren. Neben politischen Rahmenbedingungen sei es wichtig, dass die Vereinbarkeit von Job und Familie verbessert wird. So sollte die familienbedingte Erwerbsunterbrechung verkürzt werden. Dies kann durch die stärkere Einbeziehung der Väter in die Familienarbeit ermöglicht werden.

Von Platen ergänzt, dass flexible Arbeitsmodelle hermüssen, wie die 32-Stundenwoche als neue Vollzeit. Außerdem sollten endlich alle Klischees und Rollenbilder aus den Köpfen unserer Gesellschaft gestrichen werden und mehr Frauen in Führungspositionen eingestellt werden. Allgemein sei mehr Diversität in Entscheidungspositionen gefordert. Die vielen Kontroversen und Überlegungen zum Thema Gender Pay Gap fasst von Platen in einem Satz perfekt zusammen:

Lohngerechtigkeit selbst ist einfach umzusetzen – wenn alle sie wollten, wäre sie schon morgen möglich.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Michelle Winner studiert Anglistik und Germanistik an der Uni Hamburg. Nachdem sie in einer Lokalzeitung und im Eventbereich Erfahrungen gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

Ein Gedanke zu „Studie: So unterbezahlt und diskriminiert fühlen sich Frauen im Berufsleben

  1. Sabine Bischoff

    Liebe Michelle Winner,
    Danke für den Artikel! Gut recherchiert und mit den Statistiken super untermauert^^ Beim lesen der headline kommt mir spontan: Nicht die Frauen FÜHLEN sich unterbezahlt, sie SIND unterbezahlt!
    Ich werde mir ihren Artikel speichern und am Equal Pay Day auf unserer Seite veröffentlichen! Ich bin Unternehmerin und setze mich sehr für Frauenrechte ein! Für den Newsletter von OnlineMarketing.de bin ich schon angemeldet :)

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