Island schafft die Gender Pay Gap ab – und wie ist die Perspektive in Deutschland?

Gleiche Löhne für gleiche Arbeit – das gilt ab ersten Januar diesen Jahres in Island per Gesetz. Ein längst überfälliges weltpolitisches Statement. Dass Deutschland in Kürze nachzieht, bleibt unwahrscheinlich.

© Tanja Heffner - Unsplash

Gleicher Job – gleiches Gehalt? Eigentlich ist das doch selbstverständlich. Dass diese banale Annahme jedoch nicht stimmt, zeigt die Bezahlung von Frauen im Vergleich zu Männern in den gleichen Positionen. Weltweit ist das entsprechende Gehalt für Frauen, die dem gleichen Job wie Männer nachgehen, leider eine Wunschvorstellung. Diese nicht zu beschreibende, große Ungerechtigkeit, auch als Gender Pay Gap bekannt, will Island nun als erstes Land beheben. Ab dem ersten Januar dieses Jahres soll alles besser werden: Gleiches Gehalt für gleiche Positionen!

2018 nach Christus und Island schafft die Gender Pay Gap ab

Islands Weltprämieren-Verkündung fand letztes Jahr am 8. März statt, dem internationalen Frauentag. Große Geste, die schon viel zu lang auf sich warten lässt. Island ist auf dem Vormarsch, was die Gender Equality, also die Gleichstellung der Geschlechter, angeht. Das isländische Parlament besteht immerhin knapp zur Hälfte aus Frauen und ist durch diese Konstellation unter den Top vier in der Weltpolitik. Das ist gut für Island und mehr als beispielhaft, doch zeigt es auch wie kümmerlich der Rest der Welt diesbezüglich dasteht. Ausgehend von der Preisvergabe des World Economic Forums wurde Island in den vergangenen neun Jahren immer auf den ersten Platz für die Gleichstellung der Geschlechter gewählt. Nach beachtlichen neun Jahren auf Platz eins bereitet Island jetzt also den Weg dafür, die Gender Pay Gap zu schließen.

Nachdem Island das Vorhaben im März zum Besten gab, gingen im Oktober zahlreiche Frauen auf die Straße, um zu protestieren. Da es in Island zu diesem Zeitpunkt ab Januar illegal ist, Männern und Frauen unterschiedlich viel zu zahlen, war für die Frauen klar: Dann arbeiten wir gerade bis Januar umsonst.

Wie soll die Gender Pay Gap geschlossen werden?

Unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Sexualität sind Firmen per Gesetz verpflichtet allen Menschen den gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit zu zahlen. Unternehmen, die mehr als 25 Angestellte haben, müssen nachweisen können, dass sie ihre Mitarbeiter dem Gesetz entsprechend gerecht bezahlen. Wenn Firmen dazu nicht in der Lage sind, müssen diese mit Strafgebühren rechnen. Denn ungleiche Bezahlung ist seit ein paar Tagen in dem nordischen Staat rechtswidrig. Ziel ist es, dass in vier Jahren (2022) gleiche Löhne für gleiche Jobs keine Utopie mehr darstellen, sondern bereits fest in der Realität etabliert sind.

Sichtweisen von Experten

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass Experten, die sich mit der Gleichstellung befassen, hoffen würden, dass andere Länder sich an Island ein Beispiel nehmen und ebenfalls der Gender Pay Gap den Kampf ansagen. Außerdem werde durch diesen erstmaligen Beschluss in Island deutlich, dass die Politik weltweit an einem Mangel an Frauen leide. Um die ungerechte Bezahlung zu vernichten, bräuchten wir Menschen, die sich besonders für dieses Recht einsetzen würden. In Anbetracht der vielen vergangenen Jahre, in denen sich nicht viel getan hat, wird deutlich: Frauen müssen die Veränderung selbst vorantreiben. Bisher ist im Durchschnitt nur jede fünfte Person in der Politik eine Frau.

Virginie Le Masson, Geographin und Expertin in Gender Konzepten aus England, erhofft sich, dass Islands neu erlassenes Gesetz die Einstellung gegenüber Frauen in der Wirtschaft als auch in der Politik verbessert und vor allem andere Länder inspiriert, endlich für Gerechtigkeit zu sorgen. Sie machte die globale Ungerechtigkeit gegenüber Reuters deutlich:

Ample evidence shows that women work as much as men and are still paid less.

US-Politiker Bernie Sanders rief die USA dazu auf, in Island ein Beispiel zu sehen und diesem zu folgen. Auch er sieht es als notwendig, endlich gleiche Löhne für gleiche Arbeit zu etablieren.

Deutschlands Lage ist nicht wirklich zukunftsweisend

Auch hierzulande ist die Gender Pay Gap existent. Im Durchschnitt verdienten deutsche Frauen 2016 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Deutschland, das oft als fortschrittliches und gerechtes Land beschrieben wird, vernichtet die Merkmale der Gleichheit mit dieser Gender Pay Gap. Mit knapp einem Viertel weniger Gehalt ist auch in Deutschland die ungerechte Bezahlung an der Tagesordnung. Aber kann es wirklich sein, dass Frauen für die gleiche Arbeit so viel weniger Lohn bekommen? Es gibt die Berechnung der bereinigten Gender Pay Gap, in der verschiedene Faktoren mit einbezogen werden. Da diese Erhebung des Statistischen Bundesamtes sehr kompliziert ist, wird diese nur alle vier Jahre durchgeführt. Der zuletzt ermittelte Wert der bereinigten Gender Pay Gap liegt bei sechs Prozent. Dennoch ist die Gender Pay Gap von 21 Prozent im Vergleich zum bereinigten Wert real. Der Durchschnitts-Stundenlohn werde nicht geringer, nur indem man die Vergleichsgrößen ändere, betont der Journalist Andrej Reisin. Frauen verdienen weniger, aber aus unterschiedlichen Gründen.

© Eurostat – Statista

Außerdem gibt das Statistische Bundesamt die Bestätigung, dass der Verdienstunterschied in Deutschland seit 2002 unverändert konstant sei. Eigentlich hatte sich die Bundesregierung vorgenommen, die Gender Pay Gap von 21 auf 15 Prozent bis 2010 zu senken. Acht Jahre später nach der angestrebten Zielsetzung hat sich immer noch nichts verändert. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten ist Deutschlands Lage keineswegs zukunftsweisend. Mit einer überdurchschnittlich hohen Gender Pay Gap bleibt es unvermeidbar an der Gleichstellung der Geschlechter festzuhalten.

Über Maja Hansen

Maja Hansen

Seit 2017 unterstützt Maja die Redaktion von OnlineMarketing.de. Dabei widmet sie sich primär dem Karrieremagazin mit den Themenfeldern rund um Jobs und Karriere, schreibt aber auch über digitales Marketinggeschehen.

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