Burnout und Depressionen: Wieso Millennials und Gen Z häufiger betroffen sind

Avocados und makabere Witze – das sind die jungen Arbeitnehmer, oder nicht? Nein, denn anstatt sie als faul und verblendet abzustempeln, sollten Arbeitgeber Verständnis zeigen.

© Anemone123 - Pixabay

Sie werden oft belächelt und abgestempelt, doch die jüngeren Generationen haben es im Arbeitsalltag nicht leicht. Und das liegt nicht daran, dass sie verzogen oder faul sind. Ein hart umkämpfter Arbeitsmarkt, Ausbildungsschulden und ein allgemein gesunkenes Einkommen sorgen unter anderem dafür, dass Gen Z und Millennials häufiger an psychischen Problemen leiden. Gerade die Krankmeldungen aufgrund von Depressionen und Burnout steigen. Ein Trend, den Arbeitgeber erkennen müssen – und entgegenwirken.

Immer mehr junge Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen

Während Baby Boomers die jungen Generationen gern als verweichlicht und faul darstellen, sehen diese sich selbst ganz anders. Besonders deutlich wird das durch einen Blick auf die Meme-Kultur von Gen Z und Millennials. Die Witze drehen sich oft um finanzielle Probleme, platzende Träume, Depressionen und Suizid.

Screenshot eines Millennial Jokes

Und so makaber und lustig diese Art von Memes auch wirkt, sie basieren leider alle auf einer traurigen und besorgniserregenden Realität. So zeigt eine Studie, die gemeinsam von Mind Share Partners, SAP und Qualtrics an 1500 Vollzeitkräften durchgeführt wurde, dass satte 75 Prozent der Gen Zers und 50 Prozent der Millennials bereits einen Job aufgrund von psychischen Beschwerden hingeschmissen haben. Eine weitere Untersuchung der San Diego State University ergab außerdem, dass die Zahl der Arbeitnehmer, die unter psychischem Stress leiden, seit 2008 um 71 Prozent zunahm. Zudem nahmen im selben Zeitraum auch suizidale Gedanken unter jungen Menschen um 47 Prozent zu. Doch woher kommt diese Entwicklung? Bereits vor kurzem haben wir euch in einem Bericht gezeigt, dass Millennials es in der Arbeitswelt schwer haben. Doch neben ständigen Zukunftsängsten, idiotischen Tweets von Donald Trump, Klimasorgen und Problemen bei der Arbeitssuche, gibt es noch andere Gründe für die erschreckenden Zahlen.

Mentale Probleme beginnen schon in der Schule

Depressionen betreffen nicht nur Erwachsene, sondern auch schon Schüler. Ein Auslöser hierfür ist ein ständiger Leistungsdruck seitens Eltern und Schule. Außerdem ist Mobbing ein reales Problem an allen Schulen, welches sich durch die Digitalisierung und damit einhergehend Cyber-Mobbing noch verschlimmert hat. Und Lehrer und Eltern, die das Ganze abtun mit „Naja, so sind Kinder eben, die hänseln sich halt mal“, machen die Situation nicht besser. Außerdem sitzen die jungen Arbeitnehmer oft zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite werden sie dafür kritisiert, einen anderen Weg einzuschlagen, als die Generationen vorher. Frei nach dem Motto „Früher war alles besser“. Auf der anderen Seite bekommen sie von klein auf beigebracht, dass Individualität etwas Wunderbares ist, sie ihren eigenen Weg im Leben finden sollen und mit einer guten Ausbildung alles erreichen können.

In Realität sieht dann jedoch anders aus. Dass Individualität und Anderssein oft bestraft werden, ist schon in Schulzeiten kein Geheimnis gewesen und verändert sich im Erwachsenenleben nur wenig. Ja, es gibt inzwischen glücklicherweise viel Offenheit in der Gesellschaft. Aber diese ist noch lange nicht überall angekommen. Hinzu kommt, dass die frischen, neuen Arbeitskräfte auf einen Markt geworfen werden, auf dem noch zig andere Bewerber die gleichen Voraussetzungen mitbringen – die Nachfrage jedoch begrenzt ist. Und so finden viele nach dem Abschluss keinen passenden Einstiegsjob und überbrücken die Zeit mit Nebentätigkeiten – um zumindest irgendwie Studienschulden und steigende Mieten bezahlen zu können.

Unterschiede zwischen den Generationen respektieren

An dieser Stelle sei angemerkt, dass Millennials und Gen Zers natürlich kein Monopol auf psychische Erkrankungen haben. Diese kommen auch in den älteren Generationen vor. Jedoch werden sie dort seltener thematisiert. Grund dafür ist, dass ältere Arbeitnehmer oft in dem Glauben erzogen wurden, dass psychische Leiden eine charakterliche Schwäche sind. Und sollte man doch einmal zur Therapie gehen, stelle dies einen wahren Skandal dar. Anders hier die jungen Generationen: Diese reden offen über ihre Therapien oder Krankheiten, tauschen sich aus und setzen sich außerdem für die Prävention von Depressionen und Burnout ein.

Worauf ich an dieser Stelle hinaus will, ist, dass die verschiedenen Generationen Verständnis und Respekt für einander aufbringen sollten. Die Älteren sind nicht alle konservative, weltfremde Personen, die sich vor Innovation sträuben. Und genauso wenig sind die Jüngeren verblendet, verweichlicht oder faul. Und nur weil es andere Werte und Herangehensweisen gibtt, sollte man einander nicht verurteilen. Was jedoch anscheinend leichter gesagt als getan ist, sieht man sich die Masse an älteren Männern an, deren Zielscheibe eine 16-jährige Klimaaktivistin ist.

Arbeitgeber in der Verantwortung: So schützt du junge Arbeitnehmer vor dem Burnout

Wie bereits erwähnt, stehen die Chefetagen in der Verantwortung dafür zu sorgen, dass ihre Angestellten arbeiten können, ohne bereits nach kurzer Zeit ausgelaugt und am Ende ihrer Kräfte zu sein. Diese zwei Maßnahmen können dabei bereits eine enorme Hilfestellung sein:

Schweigt psychische Krankheiten nicht tot

Ein wichtiger Schritt ist es, als Firma Themen wie Überforderung, Angstzustände, Depressionen und Burnout offen anzusprechen. Vermittelt euren Angestellten das Gefühl, dass sie sich in einem Safe Space befinden und bei Problemen einen Ansprechpartner finden, der ihnen Hilfestellungen anbietet. Das kann in Form einer offenen Sprechstunde passieren, dem Anbieten einer psychologischen Beratungsstelle sowie Schulungen zu den Themen Stressbewältigung und Co. Wenn die Millennials und Gen Zers es schaffen, offen über mentale Gesundheit und Probleme zu reden, dann schafft ihr als Unternehmen das auch.

Beharrt nicht auf ständige Erreichbarkeit

Es klingt nach wenig, doch das Respektieren der Work-Life-Balance der Angestellten kann viel bringen. Ein erster Schritt ist es, festzulegen, dass der Firmenchat nach Feierabend und im Urlaub abgeschaltet werden soll. Kommuniziert diese Regel klar mit euren Angestellten – und sprecht einen Mitarbeiter ruhig direkt darauf an, sollte dieser sich in seinem verdienten Urlaub doch auch Slack und Co. an Konversationen beteiligen. Macht den Arbeitnehmern außerdem klar, dass Überstunden nicht die Regel sein sollten und dass jemand, der zum regulären Feierabend geht, deswegen keine Konsequenzen oder abschätzigen Blicke oder Bemerkungen zu befürchten hat. Angebote wie Teilzeitarbeit, Home Office und freie Stundeneinteilung können außerdem dazu beitragen, dass eure Mitarbeiter eine gesunde Work-Life-Balance entwickeln.

Gebt den jungen Generationen eine Chance

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass an erster Stelle die Vorurteile über die Generationen enden müssen – auf beiden Seiten. Doch besonders die Millennials und Gen Zers sollten sich nicht ständig anhören müssen, sie seien faul und unfähig. Allein dieses Abstempeln kann die Psyche eines Menschen enorm belasten. Stattdessen sollte anderen Werten, anderen Verhaltensweisen mit Respekt begegnet werden und dem Versuch, die Gegenseite zu verstehen. Außerdem ist es essentiell, dass psychische Probleme auch im Arbeitsleben eine Rolle spielen und dementsprechend thematisiert und angegangen werden müssen. Jeder, der heute noch behauptet, Depressionen und Burnout seien Modeerscheinungen und charakterliche Schwächen, hat in seinem Leben anscheinend eine ganze Menge falsch gemacht. Doch glücklicherweise gibt es immer mehr Arbeitgeber und generell Personen, die mentale Probleme anerkennen und Verständnis zeigen. Dies verdeutlichte auch der vergangene Mental Health Day am 10. Oktober, an dem Menschen weltweit ihre Geschichten beispielsweise auf Social Media teilten und so Awareness schafften. Und daher zum Schluss noch ein Video, das zeigt, dass selbst ein angeblich so harter Kerl wie Dwayne „The Rock“ Johnson offen über Depressionen sprechen kann. Dann kannst du es auch schaffen.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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