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E-Commerce
Änderungen der Lieferschwelle in der EU ab 2021: Neue Umsatzsteuerpflichten für Online-Händler
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Änderungen der Lieferschwelle in der EU ab 2021: Neue Umsatzsteuerpflichten für Online-Händler

Ein Gastbeitrag von Maximilian Gampl | 08.12.20

Das für Sommer 2021 geplante E-Commerce-Steuerpaket wird bedeutsame Konsequenzen für die Welt des Online-Handels in der EU haben. Diese Änderungen sollten Händler im Blick behalten.

Das bereits 2017 von der EU beschlossene E-Commerce-Steuerpaket tritt 2021 in Kraft. Ursprünglich für den 01.01.2021 angesetzt, wird das Paket nun am ersten Juli des kommenden Jahres Gültigkeit erlangen und weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Online-Handel mit sich bringen. Vor allem die grenzüberschreitende Vereinheitlichung der Lieferschwellen muss dann beim grenzüberschreitenden Handel berücksichtigt werden.

Was ist die sogenannte Umsatzsteuer-Lieferschwelle?

Die Lieferschwelle für die Umsatzsteuer ist ein derzeit in jedem EU-Mitgliedsstaat individuell festgelegter Grenzwert, bei dessen Überschreitung Umsatzsteuerpflichten in dem Land, in das verkauft wird, ausgelöst werden. Die Lieferschwellenregelung besagt im Wesentlichen, dass ein Online-Händler, der in Land A seine Ware lagert und diese nach Land B verkauft, in Land B ebenfalls eine Umsatzsteuernummer beantragen muss, sobald die Lieferschwelle von Land B innerhalb eines Kalenderjahres erreicht beziehungsweise überschritten wurde.

Neben der Registrierung (beziehungsweise gerade deswegen) müssen sich in einem weiteren Land registrierte Verkäufer nun auch dort um Steuererklärungen, Voranmeldungen und die Einhaltung aller steuerlichen Vorgaben kümmern. Derzeit betragen die Lieferschwellen in den verschiedenen Mitgliedstaaten zwischen 35.000 Euro und 100.000 Euro. Für das Erreichen ist der Netto-Umsatz ausschlaggebend.

Welche anderen Gründe für die Registrierung gibt es?

Im europäischen E-Commerce gibt es vor allem zwei Gründe, die zu umsatzsteuerlichen Pflichten für Online-Händler führen. Neben der Lieferschwelle ist vor allem die Lagerung in einem Land ein ausschlaggebendes Kriterium. Wer in einem EU-Land lagert, der muss sich dort auch steuerlich registrieren.

Amazon-Händler beispielsweise, die mit Pan-EU oder einem anderen FBA-Service ihre Waren in Amazons Warenlagern unterbringen lassen, müssen in jedem dieser “Lager-Länder” eine Umsatzsteuernummer beantragen und die damit verbundenen Folgeaufgaben abwickeln.

Welche Regelungen gelten aktuell?

Beim grenzüberschreitenden Handel (Versandhandelsregelung gemäß § 3 c Abs. 3 UStG) muss ein Online-Händler derzeit die Umsatzsteuer in dem Land begleichen, aus dem die Ware versandt und meist auch gelagert wird. Diese Regelung greift allerdings nur, wenn die Lieferschwelle im Zielland eben noch nicht überschritten wurde. Sobald das jedoch der Fall ist, muss man sich, wie bereits erwähnt, im Land, in das verkauft wird, steuerlich registrieren und seinen damit verbundenen Verpflichtungen nachkommen. Derzeit kann jedes Land seine Lieferschwelle selbst festlegen und deshalb gibt es momentan noch viele verschiedene Grenzwerte in Europa, zum Beispiel 100.000 Euro in Deutschland oder 35.000 Euro in Frankreich.

Was ändert sich 2021 in puncto Lieferschwelle?

Um die Abwicklung der Umsatzsteuer zu vereinfachen und generell den Online-Handel zu stärken, wird es 2021 eine europaweit einheitliche Lieferschwelle geben. Das bedeutet nicht, dass die Lieferschwelle in jedem Land gleich ist, sondern es gibt einen europaweiten Grenzwert nach dessen Erreichung es notwendig wird, sich in allen Ländern zu registrieren, in die verkauft wird. Gemäß der Fernverkaufsregelung wird die Umsatzsteuer nicht mehr in dem Land erhoben, aus dem die Ware versendet wird, sondern dort, wo sich die Ware nach der Versendung befindet, also im Land des Kunden.

Weshalb diese Reform?

Das rasante Wachstum des E-Commerce kam für viele Experten schneller als erwartet. Da einige steuerliche Regelungen, beziehungsweise das Fehlen selbiger, dazu geführt haben, dass jedes Jahr Umsatzsteuerverluste in Milliardenhöhe verzeichnet werden müssen, soll mit dem neuen E-Commerce-Steuerpaket genau das in Zukunft verhindert werden. Gleichzeitig möchte man die Gesetzeslage den vielen Veränderungen und Entwicklungen im Online-Handel anpassen.

Wie hoch ist die neue, einheitliche Lieferschwelle?

Die neue Lieferschwelle beträgt 10.000 Euro und es werden alle Verkäufe in alle EU-Länder miteinbezogen. Werden also grenzüberschreitende Verkäufe von mehr als 10.000 Euro innerhalb eines Jahres getätigt, muss sich ein Onlinehändler in allen Ländern umsatzsteuerlich registrieren, in die er seine Ware liefert.

Ab wann gilt die neue Lieferschwelle?

Der Start des E-Commerce-Pakets war ursprünglich für den ersten Januar 2021 geplant. Aufgrund verschiedenster Entwicklungen, vor allem wegen Covid-19, kam es jedoch zu einer Verzögerung und der 01.07.2021 wurde als neues Datum festgelegt. Eine weitere Verzögerung ist denkbar, jedoch derzeit noch nicht im Gespräch.

Weitere Änderungen ab dem 01.07.2021

Das Steuerpaket wirkt sich jedoch nicht nur auf den innergemeinschaftlichen Versandhandel aus. Neben der Einführung einer einheitlichen Lieferschwelle sollen mit dem Steuerpaket auch die folgenden Bereiche neu gestaltet werden:

  • Mini-One-Stop-Shops (MOSS)
  • Kleinbetragssendungen
  • Steuerschuldnerschaft von Online-Plattformen

Mini-One-Stop-Shops (MOSS) werden ausgeweitet

Da sich Online-Händler wegen der niedrigeren und vor allem europaweiten Lieferschwelle in mehr und mehr Ländern registrieren werden müssen, wurde das OSS-Verfahren angepasst, um hier für eine leichtere Abwicklung der Steuer zu sorgen. Mit dem Verfahren müssen sich Online-Händler nicht mehr in in mehreren Mitgliedstaaten registrieren, sondern können die anfallende Umsatzsteuer in allen Ländern von einer Anlaufstelle aus abwickeln, beispielsweise in Deutschland beim deutschen Bundeszentralamt für Steuern.

Wer sich nicht für das OSS entscheidet, der muss sich in den betreffenden Ländern um alle Umsatzsteueraufgaben und -pflichten kümmern. Die Nutzung des OSS-Verfahrens ist freiwillig.

Keine Steuerbefreiung von Kleinbetragssendungen

Derzeit gilt eine Einfuhrumsatzsteuerbefreiung für Waren aus Drittländern mit einem Warenwert von 22 Euro. Diese Steuerbefreiung wird abgeschafft, um einen entstehenden Wettbewerbsnachteil für EU-Unternehmen zu vermeiden.

Neue Umsatzsteuer-Regelungen für Betreiber von Marktplätzen

Wie in den meisten E-Commerce-Paketen in den letzten Jahren wird die Haftung von Online-Marktplatzbetreibern (wie Amazon oder eBay) weiter ausgebaut. Im Klartext bedeutet das, dass bei B2C-Lieferungen bis zu einem Warenwert von 150 Euro die jeweiligen Betreiber des Online-Portals für die Abführung der Umsatzsteuer verantwortlich gemacht werden.

Wie bereits in der Vergangenheit kann man damit rechnen, dass die Betreiber der Plattformen weiterhin genauer hinsehen werden, ob aktive Händler steuerlich registriert sind. Nachweispflichten von Händlerseite lassen sich bereits seit einiger Zeit in immer mehr EU-Mitgliedstaaten beobachten.

Fazit

Das kommende Jahr bringt einige Änderungen für Online-Händler in Europa mit sich. Prinzipiell lässt sich jedoch sagen, dass die meisten Änderungen darauf abzielen, europäische Händler zu unterstützen und einen fairen Wettbewerb sicherzustellen.

Die Änderungen, ob EU-Lieferschwelle oder OSS, können durchaus genutzt werden, um den eigenen Online-Handel zu pushen und steuerliche Hürden abzubauen. Es gilt lediglich rechtzeitig alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen beziehungsweise sich darauf einzustellen. Da sich der Starttermin bereits verschoben hat und da sich in Zeiten von Corona generell noch einiges ändern kann, empfiehlt es sich, die Entwicklung im ersten Quartal 2021 genau zu verfolgen und sich rechtzeitig darauf vorzubereiten. Der insgesamte Mehraufwand ist durchaus überschaubar, man sollte sich nur nicht zu spät um die Anpassung kümmern. Dann kann das neue Steuerpaket im E-Commerce durchaus ein Segen für den europäischen Online-Handel werden!

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