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Digitalpolitik
Twitter entfernt jetzt Hate Speech im Kontext von Alter, Krankheit und Behinderung
© Con Karampelas - Unsplash

Twitter entfernt jetzt Hate Speech im Kontext von Alter, Krankheit und Behinderung

Niklas Lewanczik | 06.03.20

Nach einem Update der Regeln gegen hasserfüllte Inhalte sollen bei Twitter Diskriminierungen aufgrund von Alter, Krankheit und Behinderung entfernt werden.

Im Juli 2019 hatte Twitter die eigenen Richtlinien insofern geupdated, dass Hate Speech im Rahmen der Diskriminierung religiöser Gruppen rigoros entfernt werden sollte. Was als wichtiger Schritt galt, griff manchem Kritiker aber zu kurz. Deshalb erklärte der Kurznachrichtendienst in einem weiteren Update nun, dass ab jetzt noch deutlich mehr hassschürendes Verhalten auf der Plattform zu Konsequenzen führen soll.

Auch Altersdiskriminierung wird als Hate Speech entfernt

Zu den drei neuen Kategorien, die bei Twitter als Hate Speech gelten und entfernt werden sollen, zählen Diskriminierungen im Kontext von Alter, Krankheit und Behinderung.

Vier Tweets mit Hate Speech zu Alter, Krankheit, Behinderung und religiöser Zugehörigkeit
Diese Art von Hate Speech soll nun entfernt werden, © Twitter

Twitter reagiert damit auf Feedback von über 8.000 Menschen aus 30 Ländern. Damit wird auch die mitunter verharmloste Altersdiskriminierung zu illegitimem Content auf Twitter; ob scharfzüngige OK-Boomer-Reaktionen darunter fallen, ist fraglich. Womöglich könnten drastische Tweets in diesem Kontext gemeldet werden.

Twitter wird entsprechende Hate Speech Tweets jedoch erst entfernen, nachdem sie gemeldet und geprüft worden sind. Tweets, die bereits veröffentlicht wurden und nach dem Update gegen die Richtlinien verstoßen, müssen gelöscht werden, führen aber nicht zu weiteren Sanktionen. Wer nun aber Tweets absendet, die gegen die Richtlinie zu hassschürendem Verhalten verstoßen, muss mit der Account-Sperrung rechnen.

Was bei Tweets ebenfalls nicht erlaubt ist

Die Richtlinie gegen hassschürendes Verhalten hat nun eine Erweiterung erfahren, untersagt Twitter Usern jedoch schon lange, bestimmte Inhalte zu verbreiten. Dazu gehört, dass Personen nicht gedroht werden darf, sie nicht angegriffen werden dürfen oder Gewalt gegen sie nicht gefördert werden sollte. Und Twitter erklärt umfassend:

Äußerungen aufgrund von Abstammung, ethnischer Zugehörigkeit, nationaler Herkunft, Kastenzugehörigkeit, sexueller Orientierung, Geschlecht, Geschlechtsidentität, religiöser Zugehörigkeit, Alter, Behinderung oder einer schweren Erkrankung erfolgen. Wir erlauben auch keine Accounts, deren Hauptziel darin besteht, basierend auf diesen Kategorien Schaden gegen andere anzustiften.

Auch Profilbilder und Anzeigennamen dürfen keinen Hass schüren. Die Realität sieht jedoch oft anders aus, da viele User bei Twitter Belästigungen erfahren. Auch, weil Twitter meist reaktiv statt proaktiv handelt, was wiederum ebenso dem Aktualitätscharakter der Plattform geschuldet ist. Daher haben auch viele User Verbesserungswünsche gegenüber Twitter geäußert. Allen voran in Bezug auf die Durchsetzung solcher Richtlinien. Außerdem konnte Twitter dem Feedback der Nutzer entnehmen, dass im Kontext von Hate Speech eine klare Angabe zur Sprache und eine konkretere Eingrenzung betroffener Gruppen nötig seien.

Globale Experten sollen Twitter helfen

Um sich der grassierenden Problematik von Hate Speech in Social Media zu stellen, hat Twitter globale Experten in einer Gruppe vereint, die dem Unternehmen Hilfestellung leisten sollen. Dabei sollen sie den Kurznachrichtendienst unterstützen, aktuelle Fragen zu beantworten:

  • Wie schützen wir Gespräche, die Menschen innerhalb von Randgruppen führen, einschließlich solcher, die zurückgeforderte Terminologie (Geusenwörter) verwenden?
  • Wie stellen wir sicher, dass unser Spektrum an Durchsetzungsmaßnahmen den Kontext vollständig berücksichtigt, die Schwere der Verstöße widerspiegelt und notwendig und verhältnismäßig ist?
  • Wie können oder sollten wir Überlegungen berücksichtigen, ob eine bestimmte geschützte Gruppe historisch marginalisiert wurde und/oder derzeit in unsere Bewertung der Schwere des Schadens einbezogen wird?
  • Wie erfassen wir Machtverhältnisse, die in verschiedenen Gruppen zum Tragen kommen können?

Twitter möchte sich dem Kampf gegen Hate Speech weiter verschreiben und weist auf zwei weiterführende Aufsätze zum Thema hin, darunter „Dangerous Speech“ von Dr. Susan Benesch und „Recent research on dehumanization“ von Nick Haslam und Michelle Stratemeyer.

Twitter gibt an, man sei sich bewusst, noch nicht alle Antworten in diesem schwierigen Diskurs zu haben. Doch zumindest stellt diese Änderung einen weiteren Schritt in die richtige Richtung dar; wenn denn eine Durchsetzung der Richtlinie auch optimiert wird.

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