Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Cases
Twitter: 20 US-Dollar pro Monat für den blauen Haken und mehr Fake News – folgt jetzt ein Exodus?

Twitter: 20 US-Dollar pro Monat für den blauen Haken und mehr Fake News – folgt jetzt ein Exodus?

Niklas Lewanczik | 01.11.22

Elon Musk krempelt Twitter um und möchte Berichten zufolge die Preise für Twitter Blue mächtig anziehen. Wer das Bezahlmodell nicht nutzt, soll die Verifizierung verlieren. Da wollen viele Creator nicht mitmachen; und schon jetzt verlassen Prominente die Plattform.

UPDATE

Auf Twitter bestätigte Elon Musk am 1. November, dass Twitter Blue für rund acht US-Dollar pro Monat zur Verfügung gestellt werden soll. Wer den blauen Haken als Verifizierungsmerkmal be- oder erhalten möchte, muss diese Gebühr zahlen. Diese Gebühr hatte Musk auch in einem Twitter-Gespräch mit Star-Autor Stephen King in den Raum gestellt, der sich kritisch zu der zunächst im Raum stehenden Summe von knapp 20 US-Dollar pro Monat geäußert hatte (siehe unten in diesem Artikel).

Zudem kündigte der neue Twitter CEO einen zusätzlichen Tag im Profil von Personen des öffentlichen Lebens an. Einen solchen gibt es bereits für Politiker:innen (siehe beispielsweise im Profil von US-Präsident Joe Biden).

Dieses Update stammt vom 2. November 2022.


Wer künftig bei Twitter auf den blauen Haken als Verifizierungsmerkmal setzen möchte, soll laut The Verge knapp 20 US-Dollar monatlich bezahlen. Diesen Preis veranschlagt Elon Musk nach Informationen des Publishers für eine überarbeitete Version des Bezahlmodells Twitter Blue, die schon am 7. November gelauncht werden soll. Zu diesem Zeitpunkt könnten bereits viele prominente Creator die Plattform verlassen haben – auch, weil Fake News und Hate Speech auf Twitter stärker kursieren könnten.

Musk widerspricht sich selbst: Macht er es doch für das Geld?

Als Multimilliardär Elon Musk Ende Oktober den Kauf von Twitter abschloss, schwang er sich zum CEO und sogenannten Chief Twit auf. Er erklärte jedoch in einem Brief an die Advertiser der Plattform, er habe das Unternehmen nicht des Umsatzes wegen gekauft:

I didn’t do it to make more money. I did it to try to help humanity, whom I love. And I do so with humility, recognizing that failure in pursuing this goal, despite our best efforts, is a very real possibility.

Doch Informationen von The Verge zufolge soll die Monetarisierung Twitters umgehend optimiert werden. Der Bericht von Tech-Experte Alex Heath offenbart, dass Mitarbeiter:innen den neuen Plan für Twitter Blue bis zum 7. November umsetzen sollen; andernfalls droht eine Kündigung. Dieser Plan sieht vor, dass 19,95 US-Dollar monatlich gezahlt werden müssen, wenn User auf exklusive Features wie den Edit Button zurückgreifen möchten. Außerdem soll aber die Verifizierung Teil des Bezahlmodells werden, für das Twitter erst im Sommer eine Preiserhöhung von 2,99 US-Dollar auf 4,99 US-Dollar angekündigt hatte. Ein Problem mit dem Modell Twitter Blue besteht derzeit noch darin, dass es erst auf vier Märkten weltweit zur Verfügung steht – in Europa kann es noch gar nicht genutzt werden.

Via Twitter bestätigte Musk kürzlich zumindest: „The whole verification process is being revamped right now“. Laut Alex Heath könnte Twitter unter Musk vor allem auf Einnahmen aus den Bereichen Advertising und Abonnements setzen. Letztere sollen sogar bis zur Hälfte der Einkünfte ausmachen. Mit 20 US-Dollar monatlich würde Twitter Blue sogar deutlich über den monatlichen Kosten für beispielsweise Netflix, Apple Music, Amazon Prime Video etc. liegen.

Advertiser und Prominente verlassen die Plattform bereits

Derzeit ist jedoch zumindest zweifelhaft, ob der Plan von Elon Musk aufgeht. Denn eine Reihe von Advertisern hat die Plattform bereits verlassen oder ihre Werbung dort ausgesetzt. Dazu zählt zum Beispiel General Motors. Unternehmen und Creator fürchten, dass Musk Hate Speech und Fake News auf der Plattform beinahe freien Lauf lassen könnte. Immerhin hatte der Tesla-Chef immer wieder betont, er wolle mehr freie Rede auf Twitter und alle sollten sagen können, was sie möchten, auch wenn es problematisch sei. Angesichts seiner Übernahme twitterte er dann auch „the bird is freed“, relativierte jedoch kurze Zeit darauf:

[…] Twitter obviously cannot become a free-for-all hellscape, where anything can be said with no consequences!

Diese Relativierung dürfte darauf einzahlen, dass Elon Musk die Plattform als „respektierteste Advertising-Plattform der Welt“ etablieren möchte. Dem läuft jedoch sein eigenes Verhalten zuwider. Zunächst löste der Multimilliardär den gesamten Verwaltungsrat von Twitter auf und machte sich zum alleinigen Direktor. Zudem teilte Musk vor wenigen Tagen via Twitter eine unbelegte Verschwörungstheorie im Kontext des brutalen Angriffs auf den Ehemann von Nancy Pelosi, der Sprecherin des Weißen Hauses. Gleichzeitig twittert Yoel Roth, Head of Safety & Integrity bei Twitter, darüber, dass das Unternehmen aktiv und entschieden gegen Hassrede auf der Plattform vorgeht.

Aufgrund der Unsicherheit bezüglich der Entwicklung, die Twitter nehmen wird, verlassen bereits viele bekannte Creator die Plattform. Die populäre Drehbuchautorin Shonda Rhimes gehört ebenso dazu wie Grammy-Gewinnerin Toni Braxton.

Andere Creator, wie die Tech-Expertin Taylor Lorenz, verweisen aufgrund der Unsicherheit bezüglich Twitter auf andere Plattformen, auf denen sie ihre Inhalte teilen.

Stephen King möchte aus Prinzip nicht für die Twitter-Verifizierung zahlen

Eine Reihe von Usern und Creatorn hat sich bei Twitter bereits zu Wort gemeldet und erklärt, sie möchten nicht so viel Geld zahlen, um ihren blauen Haken zu behalten. Das twitterte auch Star-Autor Stephen King und drohte, die Plattform zu verlassen. Daraufhin antwortete Elon Musk ihm: Twitter könne nicht allein auf Advertiser-Einnahmen setzen, schreibt er, und schlägt eine Summe von acht US-Dollar monatlich vor.

In den kommenden Tagen und Wochen wird die Twitter Community erfahren, welche konkreten Pläne Elon Musk für Twitter Blue, die Verifizierung und die Monetarisierung der Plattform hat. Ob er tatsächlich Accounts wie jene von Donald Trump, die zuvor lebenslang auf der Plattform gesperrt worden waren, wieder auf der Plattform erlauben könnte, ließ Musk bisher offen. Die Angst vor einer zu schwach regulierten Social-Plattform samt Hate Speech und Fake News dürfte aber sowohl Advertiser als auch Creator in großem Maße abschrecken – da sind hohe Kosten für blauen Haken nur ein weiterer Faktor, der zu einem Exodus beitragen könnte. Allerdings ist Twitter nach wie vor für viele ein wichtiges Informations- und Distributionsmedium. Das wahre Ausmaß der Muskschen Revolution wird sich wohl erst in wenigen Monaten zeigen; zu dieser Zeit könnten auch andere Plattformen – von TikTok bis Mastodon – von Twitters Veränderungen profitiert haben.

Dein Unternehmen startet im Kundenservice jetzt erst so richtig durch oder will die eigene Customer Experience nochmal neu aufrollen? Sorge dafür, dass dein Unternehmen die Erwartungen deiner Kund:innen erfüllt und nehme mit diesem interaktiven Bericht Schwung auf!

Jetzt kostenloses Whitepaper herunterladen

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*
*