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Social Media Marketing
Mastodon und Co.: Welche Alternativen zu Twitter gibt es?

Mastodon und Co.: Welche Alternativen zu Twitter gibt es?

Larissa Ceccio | 29.04.22

Mastodon könnte auf Nutzungsebene Twitters Zwilling sein. Doch es gibt wichtige Merkmale, die sich stark von Twitter unterscheiden – und die vor allem angesichts der etwaigen Übernahme durch Musk relevanter denn je sind.

Die Meldung, dass Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, ein großes soziales Netzwerk wie Twitter kaufen konnte, sorgt nicht nur für Schlagzeilen, sondern bei einigen Fans der Plattform auch für Unmut. Diese fragen sich, habe ich eine Alternative? Kritiker:innen befürchten nämlich, dass Musks Versprechen, die Plattform wieder zu einem Ort, an dem „mehr Redefreiheit“ herrschen wird, zu machen, dazu führt, dass dort statt konstruktiver freien Meinungen vor allem wieder Hass und Hetze stattfinden werden. Auch die Frage, ob Ex-US-Präsident Donald Trump erneut twittern wird beziehungsweise darf, wird im Netz derzeit viel diskutiert.

Die heißeste Twitter-Alternative derzeit? Mastodon

Ein bisher eher unbekannter Dienst namens Mastodon erregt in dieser Debatte als mögliche Alternative zu Twitter am meisten Zuwachs und Aufmerksamkeit. Das soziale Netzwerk ähnelt Twitter auf den ersten Blick, ziert aber statt eines Vogels ein Urzeit-Rüsseltier aus der Familie des Mammuts: ein Mastodon. Statt Zwitschern hört man hier also Tröten. Und statt 280 Zeichen starken Tweets liest man 500 Zeichen lange „Tröts“. Wer will, kann seine Beiträge auf Mastodon sogar mit einem Verfallsdatum versehen, dann löschen sie sich automatisch. Noch ein Merkmal, das anders ist als auf Twitter, sind die zwei Timelines. Hier können User Likes in Form von Sternchen statt Herzen vergeben. Hashtags und Trends gibt es hier ebenso. Das User-Profil gleicht dem von Twitter.

Bei der Frage nach dem oder Gründer oder der Gründerin sind durch die jüngsten Ereignisse doch viele Menschen einigermaßen hellhörig geworden. Die Plattform wurde bereits 2016 von dem Thüringer Software-Entwickler Eugen Rochko ins Leben gerufen. Der inzwischen End-Zwanziger war selber Twitter-Nutzer, aber über die Einschränkungen für Programmierer:innen frustriert. Zudem fand er die prägnanten Ads sowie die Datensammlung auf dem US-Netzwerk störend. Aus diesem Grund unterscheidet sich die Konstruktion seines Social-Netzwerks doch fundamental von der von Twitter.

Hinter Mastodon steckt nicht nur ein Unternehmen, nein, es besteht vielmehr aus vielen einzelnen Firmen, die allesamt Geld verdienen wollen, beziehungsweise müssen. Die Twitter-Alternative beherbergt somit tausende kleine Mastodons unter einem Firmendach und ist damit dezentral aufgebaut. Diese heißen „Instanzen“ und werden auf verschiedenen Servern von Nutzer:innen mit Programmierkenntnissen betrieben. Sie sind in verschiedenen Interessengruppen und Regionen zu finden und nennen sich beispielsweise @mastodon.art, @bonn.social, @dresden.network oder @troet.cafe. Neben IT-Spezialist:innen betreiben auch Behörden aus der EU und Datenschutzbeauftragte des Bundes und der Länder Instanzen. Diese verschiedenen Akteur:innen können wiederum eigene Verhaltens- und Gruppenregeln aufstellen, zum Beispiel ob „Nudity“ erlaubt ist oder, wie man ohne Hate Speech miteinander diskutieren will.

So kannst du Mastodon User werden

© Mastodon (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zu einer größeren Ansicht)

So simpel und intuitiv wie Twitter funktioniert die App leider noch nicht – vor allem die Registrierung sowie der Zugang zu den Inhalten ist hier etwas komplizierter. Wer die App gedownloaded hat und mit dem „Tröten“ loslegen will, muss sich zunächst für eine Instanz entscheiden. Die Website Joinmastodon.org liefert hierfür einen guten Überblick. Die App gibt es für Android und iOS, die Anmeldung ist jedoch über den gängigen Handybildschirm noch etwas unübersichtlicher als über die Website im Browser. Hat man dann ein eigenes User-Konto, sieht man erstmal nichts. Es gibt keine Adressliste, die ausgelesen werden kann, um neue Kontakte zu finden. Man muss also selber aktiv werden und interessante Menschen finden, denen man folgen will.

Hier kannst du die dich selbst bei mastodon anmelden.

Bekannte Twitter User, die jetzt auf Mastodon sind

Inzwischen hat Mastodon bereits vier Millionen User – seit neuestem auch den Satiriker, Podcaster und Moderator Jan Böhmermann. Der Gründer Rochko hat Böhmermann sogar einen Begrüßungs-Tröt gewidmet. Und auch der IT-Sicherheitsberater Mike Kuketz ist bereits seit 2018 Mastodon-Mitglied und freut sich jetzt über den Zuwachs. Für diesen ist Mastodon Teil einer Bewegung gegen den Überwachungskapitalismus, wie ihn laut ihm Facebook und Twitter mit ihrem datengetriebenen Geschäftsmodell betreiben. Kuketz meint:

Ich finde Dezentralität und das föderale Prinzip von Mastodon sehr wichtig. Da gibt es keine Manipulation der Timeline durch Algorithmen, es gibt keinen kommerziellen Druck, keine Werbung und es werden keine Psychologen beschäftigt, die dafür sorgen sollen, dass die Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange auf der Plattform bleiben.

Meinungsfreiheit, ohne die Verbreitung von Hass und Diskriminierung

Durch Mastodons dezentrale Organisation liefert das soziale Netzwerk andere Möglichkeiten, mit beispielsweise Hate Speech oder Rassismus auf der Plattform umzugehen. Da hier einzelne Instanzen jeweils eigene Adminstrator:innen haben, sind die Beiträge und Kommentare überschaubarer. Zum Beispiel wurden bereits in einer Instanz Rechtsextreme durch die Administrator:innen gesperrt. Jedoch eingeschränkt: Sie konnten anschließend noch miteinander, aber nicht mehr mit Menschen in anderen Instanzen kommunizieren. Administator:innen haben zudem die Möglichkeit, einzelne User gänzlich zu entfernen – ein Donald Trump hätte somit vermutlich auf Mastodon keine Zukunft. Wie das demnächst auf Twitter aussieht, bleibt abzuwarten – derzeit ist er dort unfreiwillig kein User mehr.

Mastodon könnte demnach ein Anfang und ein Gegenentwurf sein, um Social Networking wieder unabhängiger von großen Tech-Konzernen oder einzelnen Menschen, wie Elon Musk, die es sich leisten können und eventuell auch damit durchkommen, ein wichtiges soziales Netzwerk zu übernehmen und nach eigenen Wünschen zu formen, zu machen. Aber eine einzige Twitter-Alternative reicht hierfür sicherlich nicht aus.

Weitere Twitter-Alternativen

Reddit: Reddit ist vom Format her zwar ganz anders als Twitter, User können hier aber ebenfalls in Foren miteinander diskutieren. Nutzer:innen haben auf Reddit die Möglichkeit in Form von Text, Fotos, Videos und Website Links zu kommunizieren, die Inhalte werden dann von anderen Usern hoch- oder runtergevotet. Dieser Mechanismus ähnelt der Schaltfläche „Gefällt mir“ auf Twitter.

Tumblr: Die Plattform gibt es schon seit 2007 und User können hier Multimedia- und kurze Blogs veröffentlichen. Wie bei Twitter können Nutzer:innen Blogs anderer User folgen. Jede:r kann selbst entscheiden, ob der eigene Blog öffentlich oder privat sein soll. Zudem fungiert Tumblr auch als Social-Netzwerk und verfügt über viele bekannte Features, darunter Instant Messaging und Kommentare.

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