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Das Potenzial des Podcastings ist noch lange nicht ausgeschöpft
© Cowomen - Unsplash

Das Potenzial des Podcastings ist noch lange nicht ausgeschöpft

Ein Gastbeitrag von Tobias Griebenow | 19.08.21

Was können sich Podcaster in Deutschland von den großen Podcasts aus den USA abschauen? Und welche Monetarisierungspotentiale hält das Trendformat bereit? Hier erfährst du, wie Unternehmen Podcasts noch effektiver für sich nutzen können.

Podcasts sind weiterhin sehr beliebt und erreichen eine immer größer werdende Zielgruppe. Dabei gibt es beinahe kein Nischenthema, das nicht durch die Angebote von Podcasts abgedeckt wird. Eine Besonderheit bei der Podcast-Nutzung – egal ob per Mobilfunkgerät oder am Desktop – ist die hohe Werbeakzeptanz der Zuhörer:innen. Für Unternehmen und Organisationen bietet dies großes Potenzial, um mittels passender Podcast-Themen eine spezielle, aufmerksame und für Werbung offene Zielgruppe zu erreichen. 

Mit steigenden Hörer:innen-Zahlen und Umsätzen nimmt dann auch der Wettbewerb zwischen den Anbietern zu. Der Markt ist dabei hart umkämpft: Zukünftig kommt es nicht nur auf qualitativ hochwertigen und relevanten Content an, sondern auch auf ein gutes Channel Management sowie eine geschickte Cross-Media-Nutzung. Im Vergleich zu anderen Märkten wie etwa den USA, Spanien, Schweden oder UK liegt Deutschland in der Nutzung von Podcast zwar noch etwas weiter hinten, doch auch deutsche Podcasts professionalisieren sich immer weiter. Und auch 2020 hat der Branche einen weiteren Schub gegeben.

Die Auswirkungen bezahlter Werbung auf das Podcasting

Der offensichtlichste Vorteil sind natürlich die Einnahmen, die durch Werbung generiert werden. Diese können beispielsweise direkt in die Professionalisierung des eigenen Podcasts investiert werden. Darüber hinaus steigert Werbung im Podcast auch die Bedeutung der eigenen Show. Dabei ist Markenwerbung heutzutage ganz normal, akzeptiert und wird sogar schon fast erwartet – so wie auch bei jedem anderen Medium, bei dem Content gratis zur Verfügung steht.

Wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten. So schneiden viele Podcasts in Deutschland bezahlte Werbung weiterhin fest in ihre Episoden –  sogenannte “baked ins”. Podcast Creators schaffen sich damit ein selbstgemachtes Problem, denn so verkaufen sie einen quasi endlosen Werbeplatz. Wo gibt es das noch? Das bringt zwar kurzfristig Einnahmen, allerdings mit einem negativen Einfluss auf die spätere Monetarisierung der Episoden. Darüber hinaus wird so auch zukünftiges Potenzial verschenkt.

Das richtige Maß der Werbeplatzierungen spielt ebenfalls eine große Rolle. Wie bei vielen Dingen kann ”zu viel”, aber auch “zu wenig” einen negativen Einfluss haben. Daher gilt es, sich immer mit der nötigen Erfahrung und dem Weitblick für die geeignete Strategie zu entscheiden – individuell und der Entwicklung des Podcasts angemessen.

Viel Potenzial für das deutsche Podcast Business 

Um aus den Kinderschuhen herauszutreten, müssen sich für das gesamte deutsche Podcast-Geschäft ein paar fundamentale Dinge ändern. Zunächst ist dafür die einheitliche Währung der “International Association of Bookkeepers” (IAB) notwendig. Auch wird eine höhere Akzeptanz für Podcast-Audio-Werbung im Markt benötigt. Mit der qualifizierten Währung und genügend Audio-Inventar wird das Podcast-Umfeld für weitere Marken als reichweitenstarker Kanal attraktiver. Dies bringt sowohl den Podcasts als auch dem Markt neue Werbebudget, wovon letztendlich jeder in der Branche profitieren wird.

Ein weiteres Thema ist in diesem Zusammenhang die Internationalisierung von Inhalten. Deutsche Shows sind zwar schon jetzt in der DACH-Region über Landesgrenzen beliebt. Möchte man dann aber global an Relevanz gewinnen, wird das Thema Sprache zum Hauptproblem. Da haben es englische Shows natürlich wesentlich leichter. Doch es gibt bereits erste Tests, in denen lokale Shows übersetzt werden, um so weitere Märkte zu erobern. Auch werden lokale Konzepte an andere Studios verkauft, um sie dort dann mit lokalen Hosts umzusetzen. Eine spannende Entwicklung, die kontrovers diskutiert wird.

Potenzial in Markt-Anerkennung umwandeln 

Um als Podcaster für noch mehr Anerkennung und Aufmerksamkeit zu sorgen, stehen einige nützliche Tools und Werkzeuge zur Verfügung. Wer sich beispielsweise dazu entscheidet, mit einem IAB-2.0-zertifizierten Anbieter:innen zusammenzuarbeiten, erhält damit eine verifizierte und verlässliche Reichweite als Währung für Werbebuchungen. Zudem bietet die IAB-Messmethode eine transparente Reichweitenmessung über alle Plattformen. Nicht zuletzt ist es außerdem die Vergleichbarkeit aller Shows von IAB-zertifizierten Partnern –  egal ob lokal oder international. Das bildet Vertrauen für lokale, aber auch international agierende Marken und sichert Mediabuchungen.

Auch wenn die Hörer:innen Podcasts natürlich nicht wegen der Werbung selbst hören, gibt es bei den integrierten Werbeplatzierungen qualitative Unterschiede. So zeigt die aktuelle Studie der RMS 2021, dass Presenter Ads die höchste Akzeptanz bei den Hörer:innen genießen. Auf Platz 2 sind Sponsorships (Host Reads), gefolgt von reiner Audio-Werbung an dritter Stelle. Unabhängig von der Art der Werbung steigt die Akzeptanz für alle Formate generell, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Hörer:innen einen kostenlosen Zugang zu ihren Lieblings-Podcasts haben. Dies ist ein gewohntes Nutzungs-Szenario in der heutigen Medienwelt, in der Gratis-Inhalte durch Werbung monetarisiert werden.

Was sich Deutschland von anderen Märkten abschauen kann (und sollte)

Was Deutschland wirklich gebrauchen könnte, sind mehr Frauen als Hosts. Hierzulande mangelt es noch an weiblichen Podcast-Superstars, da sind andere Märkte schon deutlich weiter und haben eine viel ausgewogenere Auswahl an Top-Creatoren. Generell würde dem deutschen Markt mehr Diversität guttun. So sollte das Angebot die kulturelle Vielfalt im Land widerspiegeln, um so viele Menschen wie möglich anzusprechen. Aktuell ist hier noch viel Luft nach oben. Die Podcasts anderer Märkte haben in diesem Bereich schon ein erstaunliches Niveau erreicht, der Großteil der deutschen Podcasts wird sich diesem Niveau aber sicher annähern.

Und auch die Wahrnehmung von Audio-Werbung sollte sich weiter entwickeln. Wirft man einen Blick über den Tellerrand, lässt sich eine viel geringere Hemmung gegenüber Werbung im Podcast-Umfeld feststellen. Es wird von einer Verdopplung der Media Spends in den nächsten Jahren ausgegangen – von ca. 800 Millionen auf ca. 1,7 Milliarden Euro. Damit Deutschland seinen Anteil daran hat, müssen sich viele Podcaster mit einer skalierbaren Monetarisierung anfreunden. Diese neuen Werbebudgets werden dem gesamten Markt bei der Weiterentwicklung helfen.

Fazit:

Das Thema Podcasting hat in Deutschland eigentlich erst angefangen. Sowohl für die produzierenden Creatoren als auch die Werbetreibenden bietet sich noch jede Menge Potenzial, das Thema Werbung noch besser, nahtloser und auf die Zielgruppe abgestimmter zu integrieren. Podcasts können als Nebenbeimedium gehört werden oder stehen voll im Fokus der Hörer:innen. Das ist eine große Stärke, die in Zukunft für noch mehr Aufmerksamkeit für dieses noch eher junge Medium sorgen wird.

Kommentare aus der Community

tina am 19.08.2021 um 13:14 Uhr

Was Deutschland wirklich gebrauchen könnte, sind mehr Frauen als Hosts. Hierzulande mangelt es noch an weiblichen Podcast-Superstars, da sind andere Märkte schon deutlich weiter und haben eine viel ausgewogene Auswahl an Top-Creatoren. Generell würde dem deutschen Markt mehr Diversität guttun. So sollte das Angebot die kulturelle Vielfalt im Land wiedergeben, um so viele Menschen wie möglich anzusprechen.

Na wenn es sonst keine „Problem“ gibt…

Antworten
Anna-Lena am 26.08.2021 um 11:19 Uhr

Wenn ich sowas lese, könnte ich mich schon wieder aufregen.
Hier sieht man ein exzellentes Beispiel für „Hauptsache-ich-kann-meckern-ich-lege-erstmal-wieder-etwas-auf-die-Goldwaage. Warum sollte man auch den guten Willen aus einem Beitrag lesen, wenn man auch wieder die Worte verdrehen kann?

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Niklas Lewanczik am 20.08.2021 um 16:12 Uhr

Bei dieser Aussage handelt es sich um einen legitimen und relevanten Hinweis und eine Ermunterung zu mehr Diversität in der Medien- und Podcast-Branche, die als Wachstumspotential verstanden werden kann, aber auch fernab dieses Kontexts angestrebt werden sollte. Dabei werden die Podcasts hierzulande keineswegs als problematisch abgestempelt, vielmehr wird die Chance angedeutet, die mehr Vielfalt auch in diesem Medium eröffnet.

Beste Grüße

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Stef am 20.08.2021 um 15:53 Uhr

Habe mich über die Stelle auch gewundert…

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Chris am 19.08.2021 um 16:07 Uhr

Was uns der Artikel wieder sagen will: die deutschen Podcasts sind alle „zu männlich“ und „zu weiß“.

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