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Google Genie 4: Erstelle virtuelle 3D-Welten mit Sound in Echtzeit

Google Genie 4: Erstelle virtuelle 3D-Welten mit Sound in Echtzeit

Larissa Ceccio | 28.10.26

Google DeepMind hat mit Genie 4 ein neues KI-Weltmodell vorgestellt, das virtuelle 3D-Welten in Echtzeit generiert und auf Eingaben der User reagiert. Neben realistischeren Bewegungen und physikalischen Vorgängen erzeugt das Modell erstmals auch passende Geräusche, Musik und interaktive Dialoge. Erste Demos zeigen die neuen Möglichkeiten.

Virtuelle Welten in Echtzeit erstellen, selbst erkunden und nach Belieben verändern – das soll mit dem neuen KI-Modell Genie 4 von Google DeepMind noch realistischer möglich werden. Im Vergleich zum 2025 vorgestellten Genie 3, das inzwischen auch in Deutschland über Project Genie für Google AI Ultra-Abonnent:innen verfügbar ist, erzeugt das neue Modell detailgetreuere Umgebungen, natürlichere Bewegungen und erstmals auch passende Geräusche und Dialoge.

Die Möglichkeiten reichen von interaktiven Fantasiewelten bis zu komplexen Simulationen für Roboter. Dabei arbeitet Genie 4 auch mit dem kürzlich weltweit ausgerollten Gemini 4 Argon zusammen, das bereits spielbare 3D-Welten erstellen kann. Wie Genie 4 in der Praxis funktioniert, zeigt Google unter anderem in einem Video auf LinkedIn.

Bis User Genie 4 selbst ausprobieren können, müssen sich die meisten allerdings noch gedulden. Aktuell steht das Modell nur ausgewählten Testpersonen im Rahmen einer Research Preview zur Verfügung. Als Nächstes sollen User mit einem Google AI Ultra-Abonnement über Project Genie Zugriff erhalten. Auch für ausgewählte Unternehmen und Developer ist ein früher Zugang über die Gemini API und Google AI Studio geplant. Interessierte können sich bereits auf die offizielle Warteliste für Genie 4 setzen.



Google Gemini 4 Argon startet für Millionen User
– auch in der Suche

Zwei Personen formen ein stilisiertes „G4“ als Visual für Googles KI-Modell Gemini 4 Argon.
© Google


Das ist neu bei Google Genie 4

Mit Genie 4 können User virtuelle Welten nicht nur erstellen, sondern auch selbst erkunden und währenddessen verändern. Über die Tastatur bewegen bewegen sie sich durch die Umgebung und steuern die Kamera. Über Textanweisungen können sie beispielsweise das Wetter ändern, neue Objekte hinzufügen oder weitere Charaktere erscheinen lassen. Anders als bei einem fertigen KI-Video entwickelt sich die virtuelle Welt dabei in Echtzeit weiter und reagiert auf die Eingaben der User. Laut Google können sie sich mehrere Minuten darin bewegen und mit ihrer Umgebung interagieren. Bei der bisherigen Version von Project Genie mit Genie 3 waren die Simulationen noch auf 60 Sekunden begrenzt.

Für die Darstellung und Steuerung kommen auch andere Google-Modelle zum Einsatz: Gemini Omni unterstützt die realitätsnahe Darstellung und das Verhalten der virtuellen Welten. Gemini 3.8 Flash kann außerdem komplexere Aufgaben in einzelne Handlungsschritte zerlegen, den Verlauf der Simulation überprüfen und die nächsten Schritte anpassen. Genie 4 generiert dabei die virtuelle Welt und simuliert das Geschehen in Echtzeit.

Genie 4 in Aktion

Wie realistisch und vielseitig die mit Genie 4 generierten Welten aussehen können, demonstriert Google anhand verschiedener Beispiele. Die Szenen reichen von einem Saxophonspieler auf einem See über physikalische Simulationen bis zu einem Drachenrennen aus der Ich-Perspektive. Auch komplexe Aufgaben für Roboter lassen sich innerhalb der virtuellen Welten nachstellen.

Saxophonspieler auf einem See

In einer Demo spielt ein Mann im braunen Anzug Saxophon auf einer schwimmenden, bepflanzten Plattform inmitten eines nebligen Sees. Genie 4 simuliert die Bewegungen des Musikers, die Kameraführung sowie den Saxophonklang und die Umgebungsgeräusche. Den vollständigen Prompt mit Vorgaben zur Gestaltung der Szene, den Lichtverhältnissen, Kamerabewegungen und zum Sound können Interessierte in Googles offizieller Ankündigung nachlesen.

Ein Saxophonspieler auf einer schwimmenden Plattform: Genie 4 erzeugt die virtuelle Umgebung, Kamerabewegungen und passende Geräusche in Echtzeit, © Google DeepMind

Realistische Bewegungen und Physik

In einer weiteren Demo fällt eine antike Marmorbüste auf eine Wassermelone, die auf einem Steinsockel in einem sonnigen Garten liegt. Beim Aufprall zerbricht die Frucht und die Stücke fliegen auseinander. Die Simulation soll zeigen, wie Genie 4 Zusammenstöße und die Bewegungen unterschiedlicher Objekte darstellen kann. Auch hierfür veröffentlicht Google die zugrunde liegenden Prompts mit Angaben zur Umgebung und Beleuchtung.

Genie 4 simuliert, wie eine antike Marmorbüste auf eine Wassermelone fällt und diese beim Aufprall zerbricht, © Google DeepMind

Interaktive Fantasiewelten

Ein anderes Beispiel zeigt ein Drachenrennen aus der Ich-Perspektive. Die Simulation führt auf einem riesigen schwarzen Drachen mit einer im Prompt vorgegebenen Geschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde durch eine Berglandschaft. Weitere Drachen fliegen daneben, während Windgeräusche, Flügelschläge und andere Sound-Effekte die Szene begleiten. Der ausführliche Prompt legt unter anderem die Kameraperspektive, Flugbewegungen und Geräusche fest.

Ein Drachenrennen aus der Ich-Perspektive zeigt, wie Genie 4 interaktive Fantasiewelten samt Flugbewegungen und Sound generiert, © Google DeepMind

Komplexe Aufgaben für Roboter

Zusammen mit Gemini 4 Argon simuliert Genie 4, wie der humanoide Roboter Apollo von Apptronik Dame spielt. Argon zerlegt die Aufgabe dafür in einzelne Handlungsschritte und übermittelt entsprechende Anweisungen während der laufenden Simulation an Genie 4. Das Weltmodell stellt die Aktionen des Roboters anschließend in der virtuellen Umgebung dar.

Genie 4 simuliert ein Damespiel des humanoiden Roboters Apollo, während Gemini 4 Argon die einzelnen Handlungsschritte plant, © Google DeepMind

Genie 4 ist noch experimentell

Allerdings ist Genie 4 noch nicht ausgereift. Bei längeren Simulationen können sich Objekte und Details verändern. Auch komplexe Bewegungsabläufe und die Erzeugung passender Geräusche funktionieren laut Google noch nicht immer zuverlässig.

Google versieht alle mit Genie 4 erzeugten Videos und Audioinhalte mit dem unsichtbaren digitalen Wasserzeichen SynthID. Mit dem inzwischen weltweit verfügbaren SynthID Detector lässt sich prüfen, ob Inhalte entsprechend gekennzeichnet sind. In der EU müssen KI-generierte und mithilfe von KI bearbeitete Bilder und Videos ohnehin mit einem entsprechenden Label zur Markierung versehen werden.



SynthID Detector weltweit:
Jetzt checken, ob Bilder KI-generiert sind

grauer Hintergrund, KI-Bild mit Waschbär am Tisch und Textblock daneben und Logos darunter
© Google via Canva


Von der Filmproduktion bis zur Robotik: So könnte Genie 4 eingesetzt werden

Google testet Genie 4 bereits mit ausgewählten Unternehmen und Fachleuten aus verschiedenen Branchen. Die virtuellen Welten könnten nicht nur kreative Prozesse vereinfachen, sondern auch aufwendige Tests in der realen Welt ersetzen.

  • Filmproduktion: Film-Teams können Szenen vor dem Dreh virtuell ausprobieren und dabei Kameraperspektiven, Lichtverhältnisse, Dialoge und Handlungen verändern. Das könnte die Planung und Entwicklung neuer Filmideen erleichtern.
  • Journalismus: Aus historischen Fotos könnten begehbare virtuelle Umgebungen entstehen, die vergangene Orte veranschaulichen. Auch Naturereignisse wie Waldbrände oder Sturzfluten lassen sich simulieren.
  • Spieleentwicklung: Game Developer können aus ersten Ideen innerhalb weniger Sekunden interaktive Prototypen erstellen, verschiedene Designs ausprobieren und Spielmechaniken testen, bevor sie diese programmieren.
  • Robotik und KI-Forschung: Roboter und KI-Agents könnten komplexe Aufgaben zunächst in Simulationen üben. So ließen sich verschiedene Handlungsabläufe und Reaktionen testen, ohne dafür reale Versuchsaufbauten zu benötigen.

Mit der Entwicklung solcher Weltmodelle will Google auch die eigenen Ambitionen im Bereich der allgemeinen künstlichen Intelligenz (AGI) vorantreiben und langfristig neue Geschäftsfelder erschließen, etwa beim Robotertraining oder bei virtuellen Tests in der Industrie. Konkurrenz kommt unter anderem von Runway, das mit GWM Worlds 2 ebenfalls ein Modell für interaktive Welten samt Sound in Echtzeit vorgestellt hat.



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