Human Resources
Wie Corporate Health zum Recruiting-Faktor wird

Wie Corporate Health zum Recruiting-Faktor wird

Selina Beck | 19.10.26

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird immer wichtiger. Auch im Recruiting können Gesundheitsmaßnahmen für Fachkräfte das ausschlaggebende Argument für das Unternehmen sein. So können konkrete Maßnahmen aussehen.

Der Oktober steht im Zeichen der pinken Schleife, die auf das Thema Brustkrebs aufmerksam macht. Der Brustkrebsmonat wurde etabliert, um öffentlich auf die Vorbeugung und Behandlung von Brustkrebs aufmerksam zu machen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 75.000 Frauen und circa 700 Männer an Brustkrebs.

Die Krebsvorsorge wird auch im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) immer wichtiger, da Krebs zu den häufigsten langwierigen und schwerwiegendsten Erkrankungen in Deutschland zählt. So können Firmen beispielsweise Präventionskurse oder Bewegungskurse zur Vorbeugung anbieten oder Aufklärungen durch die Betriebsärzt:innen betreiben. Die Deutsche Krebshilfe bietet beispielsweise Kooperationen mit Werkärzt:innen an.

BGM wird zum Herausstellungsmerkmal

Doch nicht nur in der Krebsvorsorge spielt das BGM eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr waren Arbeitnehmer:innen in Deutschland im Schnitt 14,6 Arbeitstage krankgemeldet. Seit 2013 wird ein leichter Rückgang der Krankheitstage verzeichnet. Doch die Diskussionen um die Krankschreibungspflicht am ersten Arbeitstag sowie die geplante Kürzung der Kinderkrankentage haben gezeigt, dass sich viele Arbeitgeber:innen über zu viele Fehltage ihrer Beschäftigten beschweren. Hier kann das BGM mit gezielten Maßnahmen ansetzen, da Vorbeugung als wirksamer Faktor für langfristige Gesundheit und Arbeitsfähigkeit zum Tragen kommen kann.

Auch in Branchen, die unter dem Fachkräftemangel leiden, wie etwa der Pflege, können spezielle BGM-Maßnahmen dazu beitragen, dass sich Fachkräfte für jene Unternehmen entscheiden, für die Corporate Health zur gelebten Unternehmenskultur gehört. Zudem zeigt sich, dass Beschäftigte, die von BGM-Initiativen der Firmen profitieren, oft positiv über ihre Arbeitgeber:innen sprechen und damit dazu beitragen, den Ruf des Unternehmens positiv zu gestalten. Ferner können Unternehmen, die in das Wohlergehen ihres Personals investieren, die Arbeitnehmer:innen langfristig an sich binden und sparen dadurch viel Zeit und Kosten, die mit dem Recruiting einhergehen.

Diese Maßnahmen wünschen sich Arbeitnehmer:innen

Laut Haufe wünschen sich viele Beschäftigte als BGM-Maßnahmen Gesundheitsleistungen wie Check-ups, Coachings und Impfangebote sowie die Möglichkeit von Fitnessangeboten wie Kursen oder die Vergünstigung in Sportstudios. Auch flexible Arbeitsmöglichkeiten wie Gleitzeit oder Home Office können den Stress für viele Beschäftigte reduzieren und so zur Gesundheit der Beschäftigten beitragen. Mental Health Support wie Resilienztrainings wird in Zeiten von immer mehr psychischen Erkrankungen ebenso gefragter. Immerhin gaben in der HDI-Berufe-Studie zuletzt auch 25 Prozent der Befragten an, aus gesundheitlichen Gründen Teilzeitangebote im Job in Erwägung zu ziehen.

Teilzeitangebote werden auch aus gesundheitlichen Gründen in Betracht gezogen, © HDI Versicherungen, Diagramm mit Graphen und Zahlen
Teilzeitangebote werden auch aus gesundheitlichen Gründen in Betracht gezogen, © HDI Versicherungen

Doch auch im Berufsalltag sind einfache BGM-Maßnahmen wie ergonomische Bürostühle zur Vorbeugung von häufigen Arbeitserkrankungen wie Bandscheibenvorfällen zentral. Ein weiterer wichtiger Faktor: die Ernährung in der Kantine am Arbeitsplatz. Gesundes und nährstoffreiches Essen für die Mittagspause kann die Gesundheit des Personals unterstützen.

So kann Vorsorge im BGM praktisch umgesetzt werden

Ein praktisches Beispiel für die Umsetzung von BGM-Maßnahmen zur Aufklärung zeigt die Kampagne „200 für 200“ der gemeinnützigen Organisation Awareness Deutschland. 200 Unternehmen sollen sich dabei gemeinsam für die Aufklärung um Brustgesundheit und Früherkennung von Brustkrebs einsetzen – stellvertretend für die rund 200 Frauen, die in Deutschland täglich die Diagnose Brustkrebs erhalten. Für Matthias Schafhauser, Geschäftsführer der Awareness Deutschland, zählt die Gemeinsamkeit des Projekts:

Unternehmen sind jeden Tag mit sehr vielen Menschen verbunden – mit Mitarbeitenden, Kunden, Lieferanten und Partnern. Das gilt für große Unternehmen genauso wie für kleinere Betriebe. Genau darin liegt für mich die besondere Idee von ‚200 für 200‘: sichtbar zu machen, wie viele Menschen erreicht werden können, wenn viele unterschiedliche Unternehmen zusammenkommen. Nicht die Größe des einzelnen Unternehmens entscheidet, sondern das, was gemeinsam daraus entstehen kann.

Die Aktion "200 für 200" soll auf das Thema Brustkrebs aufmerksam machen, © Awareness Deutschland, Screenshot, 200 für 200 Aufmerksamkeit für Brustkrebs, Vorsorge
Die Aktion „200 für 200“ soll auf das Thema Brustkrebs aufmerksam machen, © Awareness Deutschland

Die Kampagne soll dabei öffentlichkeitswirksam konkrete Informationen vermitteln zu Fragen der Brustgesundheit. Zurzeit werden noch Unternehmen, die bei der Kampagne mitmachen möchten, gesucht. Dabei kann es sich laut Initiator:innen um alle Branchen und Unternehmensgrößen – vom Café über den Handwerksbetrieb bis zur Agentur – handeln. Mehr Infos dazu gibt es auf der Aktionsseite.

Generell können BGM-Maßnahmen ein wichtiger Faktor im Recruiting sein. Unternehmen, die in die Gesundheit ihres Personals investieren, können besser die Belegschaft halten und neue Fachkräfte gewinnen. Damit sind BGM-Initiativen zentral für die Corporate Reputation und die Zukunft des Unternehmens. Gesundheitsförderung als Benefit kann Bewerber:innen überzeugen, wenn wirklich konkrete Angebote vorhanden sind, darunter:

  • Bewegungsangebote (etwa Yoga-Kurse in der Mittagspause)
  • Besprechungsmöglichkeiten zu physischer und psychischer Gesundheit
  • Ermäßigungen oder Übernahme von Kosten für Fitness-Center oder Sportvereine
  • ein internes Fitness-Center (oder Sportoptionen wie Betriebssport)
  • gesunde Ernährung in der Kantine
  • ergonomische Arbeitsausstattung im Büro und Home Office
  • flexible Arbeitszeiten
  • Teilnahme an gesundheitsfördernden Maßnahmen, die im Verbund mit anderen Unternehmen geleistet werden

Übersichten und Informationen zum Thema bietet zum Beispiel die Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB) in Hamburg und das Bundesministerium für Gesundheit. Dort heißt es:

Schon kleine Schritte können viel bewirken. Die Einleitung und Umsetzung von Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung ist für die Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber eine auf freiwilliger Basis erfolgte Investition in die Gesundheit der Beschäftigten und liegt damit auch im Interesse des eigenen Unternehmens. Die Krankassen haben den gesetzlichen Auftrag, die Unternehmen beim Aufbau gesundheitsförderlicher Strukturen zu beraten und zu unterstützen. Erstberatung übernehmen dabei die regionalen BGF-Koordinierungsstellen, die an die richtigen Ansprechpersonen der Krankenkassen verweisen. Die Krankenkassen helfen unabhängig von der Größe der Unternehmen dabei, Bedarfe für gesundheitsförderliche Maßnahmen zu erkennen und umzusetzen.

Eine Präventionsoffensive soll derweil in Deutschland die Gesundheit stärken und Krankheiten minimieren.


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Eine Frau sitzt krank am arbeiten auf einem Sofa
© Karola G – Pexels


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