Human Resources
Gründe für erhöhten Krankenstand: Nicht nur die E-Krankschreibung

Gründe für erhöhten Krankenstand: Nicht nur die E-Krankschreibung

Selina Beck | 19.05.26

Krankheitsbedingte Fehltage sind in Deutschland vor einigen Jahren sehr stark gestiegen. Das liegt laut DIW aber nicht nur an der elektronischen Krankschreibung.

Die Fehltage aufgrund von Krankheiten bei Arbeitnehmer:innen erreichten 2022 einen Rekord – das zeigte eine aktuelle Studie des DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung). Mit knapp 15 Fehltagen pro Jahr war der Krankenstand in jenem Jahr knapp 19 Prozent über dem von 2021. Den Grund sehen die Arbeitsmarktexpert:innen allerdings nicht nur in der elektronischen Krankschreibung und der damit veränderten Erfassungsmethode, die Anfang 2022 gestartet ist. Das Statistische Bundesamt, das erst für 2024 wieder einen leichten Rückgang beim Krankenstand (14,8 Fehltage pro Jahr) anzeigte, sah darin noch den Hauptgrund für den Anstieg:

[…] Der Anstieg gegenüber 2021 (+3,6 Krankheitstage) dürfte unter anderem auf die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung seit 1.1.2022 zurückzuführen sein. Diese führt zu einer vollständigeren Erfassung der Arbeitsunfähigkeit, da vor allem kurze Arbeitsunfähigkeiten häufiger an die Krankenkasse gemeldet wurden.

Auch das erhöhte Auftreten von Atemwegserkrankungen und das veränderten Verhalten der Beschäftigten nach der Pandemie sorgen für mehr krankheitsbedingte Fehlzeiten, meint das DIW.

Besonders zwei Gruppen haben viele Fehltage

In ihrer Analyse haben sich die Expert:innen des DIW die Diagnosedaten der Krankenkasse AOK zu Krankschreibungen und die Fehltage nach soziodemografischen Merkmalen im Kontext der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) angeschaut. Die Untersuchung ergab neben dem Hinweisen auf Gründe für mehr Krankschreibungen, dass vor allem bei zwei Gruppen vermehrte Fehlzeiten auftraten: Insbesondere ältere Erwerbstätige und Beschäftigte mit großen Sorgen um ihre Gesundheit fehlen häufiger krankheitsbedingt. Studienautor Markus Grabka erklärt dies wie folgt:

Der sprunghafte Anstieg an Fehltagen erklärte sich [….] vor allem aus dem häufigeren Auftreten von Atemwegserkrankungen. Gleichzeitig hat sich nach der Corona-Pandemie wohl das Verhalten im Krankheitsfall geändert. Vulnerable Gruppen sind vorsichtiger geworden und bleiben gerade bei ansteckenden Erkrankungen eher zuhause als früher.

Insbesondere Atemwegserkrankungen haben zu mehr Fehltagen geführt, © DIW Berlin, Grafik Fehltage und Gründe
Insbesondere Atemwegserkrankungen haben zu mehr Fehltagen geführt, © DIW Berlin

Eine Studie der AOK deutet darauf hin, dass zudem ein „stetiger Anstieg der psychisch bedingten AU-Fälle“ zu verzeichnen ist. Das zeigt das Schaubild des DIW ebenso. Die AOK geht des Weiteren davon aus, dass die telefonische Krankschreibung keine „Anzeichen für einen systematischen Missbrauch“ zeige. Das bestätigt außerdem eine Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) gemeinsam mit der Barmer. In allen Analysen lässt sich nachlesen, dass es in den vergangenen Jahren zu mehr Atemwegserkrankungen gekommen ist, die zum erhöhten Krankenstand beigetragen haben.

Expert:innen empfehlen Teilkrankschreibung

Während Arbeitgeber:innenverbände die Vorschläge gemacht haben, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu reduzieren oder Karenztage einzuführen, sieht dies Studienautor Grabka als kontraproduktiv an, da dies Arbeiten trotz Krankheit fördern könnte.

Er plädiert stattdessen für die Einführung einer teilweisen Krankschreibung. Dadurch könnten leicht Erkrankte nur in begrenztem Umfang oder von zu Hause aus arbeiten. Wie diese Option im Krankenstand gemessen würde und ob sie der gesundheitlichen Entwicklung der Betroffenen zuträglich ist oder nicht, bleibt derweil offen.

Zudem empfiehlt der Experte, die Präventionsmaßnahmen – insbesondere im Bereich psychischer Gesundheit – stärker auszubauen. Denn psychische Erkrankungen würden zunehmend zu den wichtigsten Gründen für Fehltage zählen.


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© www.kaboompics.com – Pexels


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