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Gestohlene Sessions, verbrannte Tokens: Wie Hacker Claude-Konten für sich arbeiten lassen

Gestohlene Sessions, verbrannte Tokens: Wie Hacker Claude-Konten für sich arbeiten lassen

Marié Detlefsen | 09.09.26

Was passiert, wenn das eigene Claude-Konto plötzlich Tokens verbraucht, obwohl man selbst längst Feierabend hat? Mehrere Nutzer:innen berichten von rasant steigenden Verbräuchen – und Anthropic warnt vor gestohlenen Login-Sitzungen.

Bei einigen Nutzer:innen von Anthropic läuft der Token-Zähler plötzlich davon – obwohl sie Claude gar nicht verwenden. Dahinter steckt offenbar kein gewöhnlicher Abrechnungsfehler, sondern der Diebstahl aktiver Login-Sitzungen. Besonders deutlich wurde das bei Grant De Swardt, einem unabhängigen KI-Berater aus Großbritannien. Laut TechCrunch bemerkte er Anfang August, dass sein Claude Max-Konto immer mehr Tokens verbrauchte. Das Problem: Er hatte an diesem Tag überhaupt nicht mit Claude gearbeitet.

De Swardt ging noch einen Schritt weiter und deaktivierte die mit Claude verbundenen Dienste, stoppte geplante Aufgaben und schaltete Cloud-Ausführungen ab. Trotzdem kletterte sein Verbrauch weiter. Anthropic sperrte sein kostenpflichtiges Konto schließlich, setzte bestehende Sitzungen zurück und machte serverseitig ausgestellte Claude Code Tokens ungültig. Für die verbleibende Laufzeit seines Abos bekam er teilweise Geld zurück. Dennoch ist der Fall offenbar kein Einzelfall.

Hacker zapfen Claude-Konten an

Nachdem De Swardt seine Erfahrung auf Reddit veröffentlicht hatte, meldeten sich weitere Claude-Nutzer:innen mit ähnlichen Erlebnissen. Bei manchen schnellte der Verbrauch innerhalb weniger Minuten nach oben. Andere berichteten davon, dass ihr gesamtes Kontingent über mehrere Tage ausgeschöpft wurde, obwohl sie Claude nicht benutzt hatten. In mindestens einem Fall soll sogar eine kostenpflichtige Tarifstufe aktiviert und die hinterlegte Kreditkarte belastet worden sein.

Anthropic says my Claude session may have been stolen — what should I check?
by u/WisdomSeeker101 in cybersecurity_help

Anthropic erklärte betroffenen Nutzer:innen, dass Kriminelle mit sogenannter Info-Stealer-Malware Login-Sitzungen abgreifen. Solche Schadprogramme haben es unter anderem auf gespeicherte Zugangsdaten und Sitzungsinformationen abgesehen. Einige User erhielten bereits Warnmails von Anthropic, doch nicht alle betroffenen User sind bisher bekannt.

Anthropic verschickte bereits Warnmails an einige User, die gegebenenfalls von einem Angriff betroffen waren, © r/cybersecurity_help via Reddit
Anthropic verschickte bereits Warnmails an einige User, die gegebenenfalls von einem Angriff betroffen waren, © r/cybersecurity_help via Reddit

Die Vorfälle sind deshalb heikel, weil ein gestohlener Session Token gewissermaßen wie ein bereits geöffnetes digitales Türschloss funktionieren kann. Ein:e Angreifer:in muss sich dann nicht unbedingt mit Passwort und Zwei-Faktor-Authentifizierung anmelden. Besitzt jemand eine gültige Sitzung, kann diese Person unter Umständen direkt auf das Konto zugreifen, bis diese Sitzung serverseitig beendet wird.

Im Fall von De Swardt stellte Anthropic fest, dass ein kompromittierter Sitzungsschlüssel offenbar dazu verwendet wurde, weitere OAuth-Tokens für Claude Code auszustellen. Nach Angaben des Nutzers konnte das Unternehmen allerdings nicht eindeutig feststellen, wie der ursprüngliche Zugriff erlangt worden war. Genau hier liegt jedoch eine Lücke: Wer nichts mit Claude macht, erwartet normalerweise auch keinen steigenden Verbrauch. Wenn gleichzeitig keine detaillierte Nutzungsübersicht verfügbar ist, kann ein Missbrauch lange unentdeckt bleiben.

Was Claude-Nutzer:innen jetzt tun sollten

Wichtig ist die Unterscheidung: Die bisherigen Hinweise bedeuten nicht automatisch, dass Claude selbst gehackt wurde. Stattdessen werden gezielt Info-Stealer eingesetzt, welche auf verschiedene Weisen auf den Computer gelangen. Die Schad-Software könnte also bereits vorher auf einem Computer gelandet sein, etwa über manipulierte Software, schädliche Werbung oder andere infizierte Downloads. Dennoch bedeutet dies für Anthropic nicht nur ein Sicherheitsproblem, sondern auch ein Vertrauensproblem. Wenn Nutzer:innen nicht nachvollziehen können, wodurch ihr Kontingent verbraucht wurde, ist ein ungewöhnlich hoher Verbrauch nur schwer einzuordnen.

Wer einen unerklärlichen Token-Verbrauch feststellt, sollte daher nicht einfach abwarten und folgende Schritte unternehmen:

1. Alle Claude-Sitzungen beenden.
Aktive Sitzungen und gespeicherte Autorisierungen sollten zurückgesetzt beziehungsweise widerrufen werden.

2. Passwort ändern.
Das sollte möglichst von einem Gerät aus geschehen, dem man vertraut.

3. Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren.
Sie schützt insbesondere vor klassischen Passwortdiebstählen. Gegen bereits gestohlene Sitzungen ist sie allerdings kein vollständiger Schutz – eine bestehende Session kann unter Umständen genutzt werden, ohne dass erneut MFA abgefragt wird.

4. Andere Zugangsdaten prüfen.
Wenn ein Info-Stealer vermutet wird, sollte das Gerät auf Schad-Software untersucht werden. Besonders wichtig sind gespeicherte Browser-Passwörter, Session Cookies und unbekannte Browser-Erweiterungen.

5. Zahlungsdaten kontrollieren.
Bei kostenpflichtigen Claude-Tarifen lohnt sich ein Blick auf Rechnungen, Tarifänderungen und hinterlegte Zahlungsmethoden.

6. Ungewöhnlichen Verbrauch dokumentieren und Anthropic kontaktieren.
Zeitpunkte, Verbrauchssprünge und Sicherheitswarnungen können bei der Untersuchung helfen.

Session-Daten sind genauso wertvoll wie Passwörter. Wer unbekannte Software installiert, dubiose Browser-Erweiterungen nutzt oder auf fragwürdige Downloads klickt, riskiert nicht nur den Verlust seines Passworts. Auch eine bereits authentifizierte Sitzung kann zum Einfallstor werden. Und genau das macht die aktuellen Fälle so unangenehm: Die KI muss gar nicht wissen, dass jemand anderes sie benutzt. Für Claude sehen die Angreifer:innen möglicherweise einfach wie bereits eingeloggte Nutzer:innen aus.


Nach OpenAI-Vorfall:

Auch Anthropic entdeckt Sicherheitslücken –

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Verweis auf weiteren Artikel: Nach OpenAI-Vorfall: Auch Anthropic entdeckt Sicherheitslücken – so schützt du dich vor KI-Angriffen
© Anthropic


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