Human Resources
KI statt Berufseinstieg? Warum Juniorstellen unter Druck geraten

KI statt Berufseinstieg? Warum Juniorstellen unter Druck geraten

Selina Beck | 31.07.26

16 Prozent mehr arbeitslose Akademiker:innen: KI und die schwache Konjunktur machen den Berufseinstieg immer schwieriger. Expert:innen warnen: Wer heute beim Nachwuchs spart, zahlt morgen den Preis

Für Berufseinsteiger wird der Arbeitsmarkt schwieriger. Unternehmen stellen zurückhaltender ein, viele bauen Kosten ab und KI übernimmt zunehmend Aufgaben, die bislang häufig bei Junior-Mitarbeiter:innen lagen. Die Folge: Immer mehr Unternehmen überdenken, ob sie Einstiegsstellen überhaupt noch besetzen müssen.

Wie das Handelsblatt berichtet, gehen zwei Drittel der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften davon aus, in den kommenden Jahren deutlich weniger Berufseinsteiger:innen zu benötigen. Einige Unternehmen streichen Juniorstellen bereits oder verzichten darauf, frei werdende Positionen neu zu besetzen.

Unsichere Wirtschaftslage führt zu vorsichtigem Arbeitsmarkt

Die Entwicklung hat allerdings mehrere Ursachen. Neben der zunehmenden Automatisierung durch KI belastet vor allem die schwache Konjunktur den Arbeitsmarkt.

Eine Studie der Federal Reserve Bank of New York zeigt, dass Unternehmen in den USA seit dem starken Anstieg von Remote-Arbeit deutlich seltener Berufseinsteiger einstellen. Vor allem Absolvent:innen und Bewerber:innen ohne Berufserfahrung haben es schwerer, eine passende Stelle zu finden.

Ähnliche Signale kommen aus dem Vereinigten Königreich. Laut einer Studie von KPMG und dem Recruitment and Employment Confederation (REC) setzen viele Unternehmen derzeit lieber auf Zeitarbeit als auf unbefristete Neueinstellungen. Auch davon sind Nachwuchskräfte besonders betroffen.

Die Ergebnisse lassen sich zwar nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen, die Richtung ist jedoch ähnlich. Das aktuelle Arbeitsmarktbarometer der ManpowerGroup zeigt, dass Unternehmen im zweiten Quartal 2026 deutlich vorsichtiger eingestellt haben als erwartet. Neue Stellen entstehen seltener, viele Betriebe konzentrieren sich stattdessen auf ihre bestehende Belegschaft.


Mehr Zurückhaltung bei Jobs:

Neueinstellungen auf dem Arbeitsmarkt gehen zurück


KI-Kenntnisse werden zum Standard

Nicht nur der Arbeitsmarkt verändert sich. Auch die Anforderungen an Bewerber:innen steigen.

Wie Business Insider berichtet, enthalten immer mehr Stellenanzeigen Begriffe aus dem Bereich Künstliche Intelligenz. KI-Kenntnisse werden längst nicht mehr nur für technische Berufe erwartet. Auch im Marketing, Personalwesen, Vertrieb oder in der Verwaltung gehören sie zunehmend zum Anforderungsprofil.

Viele Unternehmen sehen beim eigenen Personal allerdings noch Nachholbedarf. Das zeigt die Studie State of HR in Deutschland 2026 von DGFP und Gallup. Zwar nutzen bereits 81 Prozent der HR-Verantwortlichen KI täglich oder mehrmals pro Woche. Allerdings sind nur vier Prozent überzeugt, dass alle Mitarbeiter:innen die Tools sicher beherrschen.

Arbeitslosigkeit unter Akademiker:innen nimmt zu

Diese Veränderung auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich auch an der gestiegenen Arbeitslosigkeit unter Absolvent:innen. Laut aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl arbeitsloser Akademiker:innen innerhalb eines Jahres um 16 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr lag die Arbeitslosenquote unter Hochschulabsolvent:innen bei 3,3 Prozent, die allgemeine Arbeitslosenquote bei 6,3 Prozent. 2025 stieg die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolvent:innen mit 16 Prozent deutlich stärker als die allgemeine Arbeitslosigkeit mit sechs Prozent.

Wie kununu unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und Einschätzungen des IAB berichtet, nennen Expert:innen vor allem die schwache wirtschaftliche Lage und die Zurückhaltung vieler Unternehmen bei Neueinstellungen als Gründe für die Entwicklung. Besonders Berufseinsteiger:innen ohne praktische Erfahrung haben es dadurch schwer. Viele Unternehmen verhängen Einstellungsstopps oder besetzen offene Stellen bevorzugt mit erfahrenen Fachkräften. Für Absolvent:innen erschwert das den Einstieg in den Arbeitsmarkt zusätzlich.

Fehlender Fachkräftenachwuchs könnte sich rächen

Arbeitsmarktexpert:innen warnen davor, den Fachkräftenachwuchs aus dem Blick zu verlieren. Werden Traineeprogramme gestrichen oder weniger Berufseinsteiger:innen eingestellt, könnte sich das langfristig rächen. Schon heute fehlen in vielen Branchen qualifizierte Fachkräfte. Bleibt die Förderung von Nachwuchskräften aus, dürfte sich dieser Engpass in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Arbeitsmarktexpertin Sara Weber schreibt dazu in ihrer Spiegel-Kolumne:

Wer in Zukunft noch Fachkräfte haben will, darf sie heute nicht im Stich lassen.

Auch Expert:innen des Manager Magazins warnen vor den langfristigen Folgen. Wenn Unternehmen Einstiegsstellen abbauen, fehlen Berufseinsteiger:innen wichtige Möglichkeiten, Berufserfahrung zu sammeln und Verantwortung zu übernehmen. Wer heute weniger Nachwuchskräfte ausbildet, muss künftig womöglich stärker um qualifizierte Fachkräfte konkurrieren.

Einer repräsentativen Umfrage des Branchenverbands Bitkom zufolge berichten bereits 22 Prozent der Beschäftigten, dass ihre Vorgesetzten Stellen wegen KI nicht mehr nachbesetzen oder streichen.

Bitkom-Infografik mit Umfrageergebnissen zu den Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt. 23 Prozent der Beschäftigten befürchten, durch KI ersetzt zu werden, 22 Prozent berichten von Stellenabbau oder ausbleibenden Nachbesetzungen.
Auswirkungen von KI auf Jobs, © Bitkom

Hast du bereits die Erfahrung gemacht, dass Stellen in deinem Unternehmen durch KI-Tools ersetzt wurden? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen!


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