Human Resources
Insolvenzen auf Rekordniveau: Diese Bundesländer trifft es am härtesten

Insolvenzen auf Rekordniveau: Diese Bundesländer trifft es am härtesten

Marié Detlefsen | 20.07.26

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist auf den höchsten Stand seit 2013 gestiegen. Doch die Belastung fällt je nach Bundesland sehr unterschiedlich aus. Wir zeigen, wo besonders viele Unternehmen Insolvenz anmelden, die höchsten Forderungen entstehen und warum vor allem kleine Betriebe unter Druck geraten.

Die wirtschaftliche Lage bleibt für viele Unternehmen angespannt. Laut aktuellen Berichten auf tagesschau.de ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland auf den höchsten Stand seit 2013 gestiegen. Besonders häufig geraten kleine Betriebe in finanzielle Schwierigkeiten: 81 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen entfallen auf Kleinunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten. Hohe Kosten, die schwache Konjunktur und anhaltende wirtschaftliche Unsicherheiten setzen viele Unternehmen zunehmend unter Druck.

Mit einer aktuellen Analyse hat das auf internationales Personal-Management spezialisierte Unternehmen Teamed untersucht, in welchen Bundesländern Unternehmen besonders häufig in wirtschaftliche Schieflage geraten. Grundlage ist ein Ranking, das mehrere Kennzahlen berücksichtigt – darunter die Zahl der Insolvenzverfahren, die Insolvenzquote je Unternehmensniederlassung, die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer:innen sowie die Höhe der voraussichtlichen Forderungen. Wir zeigen dir, welche Bundesländer besonders stark von Unternehmensinsolvenzen betroffen sind.

Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit höchster Insolvenzrate

Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen weisen laut der Analyse die höchste Insolvenzbelastung Deutschlands auf. Mit einem Indexwert von jeweils 8,74 von zehn Punkten führen beide Bundesländer das Ranking an.

In Niedersachsen wurden 14.929 Insolvenzverfahren registriert. Mit 4,517 Insolvenzverfahren je 100 Unternehmensniederlassungen weist das Bundesland zudem eine der höchsten Insolvenzquoten Deutschlands auf. Die voraussichtlichen Forderungen belaufen sich auf mehr als 8,2 Milliarden Euro.

Nordrhein-Westfalen verzeichnet mit 28.334 Verfahren die höchste absolute Zahl an Unternehmensinsolvenzen. Zudem sind dort mit 55.534 Beschäftigten bundesweit die meisten Arbeitnehmer:innen betroffen. Ihr Anteil entspricht 0,637 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und liegt damit deutlich über dem Wert Niedersachsens.

In diesen Bundesländern sind Unternehmen am stärksten von Insolvenz betroffen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © teamed
In diesen Bundesländern sind Unternehmen am stärksten von Insolvenz betroffen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © teamed

Auf Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen folgt Berlin mit einem Indexwert von 8,52. Die Hauptstadt verzeichnet 6.643 Insolvenzverfahren und mit rund 18 Milliarden Euro die höchsten voraussichtlichen Forderungen aller Bundesländer. Auch der Anteil betroffener Arbeitnehmer:innen fällt mit 0,594 Prozent vergleichsweise hoch aus.

Die geringste Insolvenzbelastung weist Thüringen auf. Mit einem Indexwert von 4,42 schneidet das Bundesland im Ranking am besten ab. Dazu tragen 2.201 Insolvenzverfahren sowie vergleichsweise wenige betroffene Arbeitnehmer:innen und geringere voraussichtliche Forderungen bei.

Warum kleine Unternehmen besonders von Insolvenz gefährdet sind

Für kleine Unternehmen werden wirtschaftliche Belastungen oft schneller existenzbedrohend. Geringere finanzielle Rücklagen erschweren es, steigende Energie- und Finanzierungskosten oder eine schwache Konjunktur über längere Zeit aufzufangen. Kommen sinkende Umsätze, Fachkräftemangel oder höhere Personalkosten hinzu, geraten viele Betriebe schnell an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Die aktuellen Insolvenzzahlen verdeutlichen, wie stark insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen unter den anhaltenden Herausforderungen leiden.

Vor allem Startups und junge Unternehmen stehen vor besonderen Herausforderungen. Laut Creditreform mussten im ersten Halbjahr 1.140 Unternehmen innerhalb der ersten zwei Jahre nach ihrer Gründung aufgeben – 25,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Um dennoch wachsen zu können, setzen viele junge Unternehmen früh auf internationale Fachkräfte. Laut Teamed rekrutieren schätzungsweise rund 50 Prozent der Startups weltweit Mitarbeiter:innen aus dem Ausland. Der zunehmende Wettbewerb um qualifizierte Talente und die Möglichkeiten der Remote-Arbeit erleichtern den Aufbau internationaler Teams. Wie hoch der Wettbewerbsdruck in Teilen der Branche ist, zeigt auch das umstrittene 996-Arbeitsmodell, auf das vor allem einige US-KI-Startups setzen.


Startup Boom wegen KI:
Immer mehr Neugründungen

Startup Boom wegen KI: Immer mehr Neugründungen
© mapbox – Unsplash


Gerade bei der internationalen Personalgewinnung lauern jedoch zahlreiche Fallstricke. Viele Unternehmen übertragen ihre national funktionierenden Recruiting- und Einstellungsprozesse auf andere Länder und unterschätzen dabei Unterschiede im Arbeitsrecht. Hinzu kommen Probleme bei der Einstufung von Freelancern, komplexe Vorschriften rund um Lohnabrechnung und Sozialleistungen sowie das Risiko, Compliance-Themen erst dann ernst zu nehmen, wenn das Unternehmen bereits stark gewachsen ist. Tom Price-Daniel, Mitgründer von Teamed, sagt hierzu:

Bei der Expansion konzentrieren sich alle auf Geschwindigkeit, und genau da liegt meist das Problem. Ich habe schon erlebt, wie Unternehmen nach Deutschland oder Frankreich expandierten und annahmen, dass die Arbeitsbedingungen dort genauso funktionieren wie im Heimatmarkt. Das tun sie nicht. Jedes Land hat seine eigenen Regeln, daher muss man sich zunächst an die lokalen Gegebenheiten anpassen. Die Unternehmen, die das frühzeitig begreifen, können ohne Probleme skalieren.

Wer diese Herausforderungen früh berücksichtigt und Prozesse an die jeweiligen nationalen Vorgaben anpasst, schafft bessere Voraussetzungen für eine erfolgreiche internationale Expansion.


Stelle OnlineMarketing.de als bevorzugte Quelle auf Google ein

Wenn du OnlineMarketing.de auf Google als bevorzugte Quelle einstellen möchtest, um auch in den Schlagzeilen auf Google immer aktuelle News und Tipps aus der Welt des Marketing und der Tech-Entwicklungen zu finden, kannst du einfach die Google-Quelleneinstellungen aufrufen und die Seite anwählen. Über das Stern-Icon neben den Top Stories kannst du ebenfalls bevorzugte Quellen für die spätere Suche speichern.

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*

Melde dich jetzt zu unserem HR-Update an und erhalte regelmäßig spannende Artikel, Interviews und Hintergrundberichte aus dem Bereich Human Resources.