Human Resources
Babyboomer gehen, Nachwuchs fehlt: Diese Bundesländer rutschen in die Fachkräftefalle

Babyboomer gehen, Nachwuchs fehlt: Diese Bundesländer rutschen in die Fachkräftefalle

Marié Detlefsen | 26.06.26

Der Renteneintritt der Babyboomer trifft den Arbeitsmarkt mit voller Wucht, doch in einigen Bundesländern verschärft sich die Lage besonders stark. Wo Nachwuchslücken schon heute zum strukturellen Problem werden.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Jahr für Jahr verabschieden sich immer mehr Beschäftigte der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge in den Ruhestand – und längst ist klar, dass die nachrückenden Generationen diese Lücken vielerorts nicht schließen können. Der Fachkräftemangel wird dadurch weiter verschärft. Doch das Problem reicht tiefer: Nicht nur die Zahl junger Arbeitnehmer:innen reicht vielerorts nicht aus. Gleichzeitig bleibt vorhandenes Potenzial oft ungenutzt, weil Berufseinsteiger:innen seltener aus- und weitergebildet werden. Auch der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändert den Arbeitsmarkt und führt in manchen Unternehmen dazu, dass klassische Einstiegsaufgaben wegfallen.

Eine aktuelle Arbeitsmarktstudie der Plattform JobLeads zeigt nun, welche Bundesländer besonders stark von dieser Entwicklung betroffen sein dürften. Dafür wurden unter anderem die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen verschiedener Altersgruppen und Qualifikationsstufen, Arbeitslosenzahlen, die Relation zwischen Arbeitssuchenden und offenen Stellen sowie die Dauer bis zur Besetzung freier Stellen zwischen 2021 und 2025 ausgewertet. Das Ergebnis macht deutlich: Einige Bundesländer steuern auf erhebliche Nachwuchsprobleme zu.

Saarland weist bundesweit die größte Nachwuchslücke auf

Am stärksten betroffen ist der Studie zufolge das Saarland. Mit einem Indexwert von lediglich 4,62 von zehn erreicht das Bundesland den niedrigsten Wert im Ranking. Je geringer der Indexwert, desto größer fällt die erwartete Nachwuchslücke aus, wenn die Babyboomer zwischen 2021 und 2031 nach und nach aus dem Berufsleben ausscheiden.

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei jungen Fachkräften. Während die Zahl der unter 25-jährigen Beschäftigten im Helfer:innenbereich im Saarland mit durchschnittlich 0,19 Prozent pro Jahr nahezu unverändert bleibt, schrumpft die Zahl der unter 25-jährigen Fachkräfte jährlich um durchschnittlich 2,08 Prozent. Noch deutlicher fällt der Rückgang bei den 25- bis unter 35-Jährigen aus: Hier sinkt die Zahl der beschäftigten Fachkräfte sogar um durchschnittlich 2,86 Prozent pro Jahr.

Diese Bundesländer erwartet die größte Nachwuchslücke (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © JobLeads
Diese Bundesländer erwartet die größte Nachwuchslücke (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © JobLeads

Hinzu kommt ein weiteres Warnsignal. Unternehmen benötigen immer länger, um offene Fachkräftestellen zu besetzen. Die Vakanzzeiten steigen im Saarland jährlich um durchschnittlich 12,76 Prozent. Das deutet darauf hin, dass qualifizierte Nachwuchskräfte bereits heute knapp sind. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte sich der Engpass künftig auch auf höher qualifizierte Positionen ausweiten, weil weniger junge Beschäftigte die Möglichkeit haben, sich beruflich weiterzuentwickeln und in anspruchsvollere Tätigkeiten aufzusteigen.

Sachsen kämpft beim Nachwuchs mit besonders hoher Jugendarbeitslosigkeit

Auf Platz zwei landet Sachsen mit einem Indexwert von 5,13. Zwar wächst hier die Zahl der unter 25-jährigen Beschäftigten in allen Qualifikationsstufen, doch bei den 25- bis unter 35-Jährigen zeigt sich ein anderes Bild. Besonders bei Fachkräften schrumpft die Beschäftigtenzahl deutlich, und zwar um durchschnittlich 6,04 Prozent pro Jahr.

Gleichzeitig wird es für Unternehmen immer schwieriger, offene Stellen zu besetzen. Die Vakanzzeiten für Fachkräfte steigen jährlich um 7,82 Prozent. Ein weiterer Risikofaktor ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit: Mit einem Anteil von 44 Prozent weist Sachsen bundesweit den höchsten Anteil arbeitsloser Menschen zwischen 15 und 35 Jahren auf. Dadurch drohen wichtige Berufserfahrung und Entwicklungschancen verloren zu gehen.


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© cottonbro studio – Pexels


Den dritten Platz belegt Bayern mit einem Indexwert von 5,51. Trotz der starken Wirtschaft zeigt die Studie auch hier wachsende Nachwuchsprobleme. Die Zahl der jungen Fachkräfte geht zurück, bei den unter 25-Jährigen um durchschnittlich 1,9 Prozent, bei den 25- bis unter 35-Jährigen um 1,34 Prozent pro Jahr.

Hinzu kommen deutlich längere Besetzungszeiten für offene Fachkräftestellen. Die Vakanzzeiten steigen jährlich um 11,49 Prozent. Gleichzeitig waren 2025 rund 31 Prozent aller Arbeitslosen in Bayern jünger als 35 Jahre. Damit verliert ein erheblicher Teil potenzieller Fachkräfte wichtige Berufserfahrung zu Beginn des Berufslebens.

Nachwuchsförderung wird zunehmend zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass der Renteneintritt der Babyboomer längst nicht das einzige Problem auf dem Arbeitsmarkt ist. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, genügend junge Menschen dauerhaft in Beschäftigung zu bringen und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.

Besonders kritisch ist dabei die Entwicklung bei den Fachkräften. In allen drei Bundesländern mit den größten Nachwuchslücken gehen gerade in dieser Qualifikationsgruppe die Beschäftigtenzahlen zurück, während Unternehmen gleichzeitig immer länger nach geeignetem Personal suchen.

Soll die Lücke in den kommenden Jahren nicht weiter wachsen, werden Investitionen in Ausbildung, Weiterbildung und den Berufseinstieg junger Arbeitnehmer:innen eine immer wichtigere Rolle spielen. Denn nur wenn ausreichend Nachwuchs aufgebaut wird, können die Folgen des demografischen Wandels zumindest teilweise abgefedert werden.


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