Human Resources
Deutschland ist europaweit Schlusslicht bei Gehaltstransparenz

Deutschland ist europaweit Schlusslicht bei Gehaltstransparenz

Selina Beck | 27.05.26

Gehaltsangaben gibt es nur bei zwölf Prozent der Stellenanzeigen in Deutschland. Doch bald müssen Gehälter transparenter offengelegt werden.

Einer der wichtigsten Faktoren bei der Jobsuche ist für viele Bewerber:innen das Gehalt – das ist auch der HR-Abteilung bewusst. Dennoch zeigt eine aktuelle Studie von Indeed, dass in Deutschland nur bei rund jeder achten Stellenanzeige der Lohn angegeben wird. Vor allem bei den Büro- und Wissensberufen fehlt hier oft die wichtige Angabe.

Schon am 7. Juni endet die Umsetzungsfrist für die EU‑Entgelttransparenzrichtlinie. Mit diesem Gesetz müssen Unternehmen Bewerber:innen zukünftig das Einstiegsgehalt, die Gehaltsspanne und mögliche Tarifregelungen darlegen. Mit den verpflichtenden Gehaltsangaben soll die Gender Pay Gap auf dem Arbeitsmarkt verringert werden und mehr Fairness in die Arbeitswelt einziehen. Der Gender Gap Arbeitsmarkt liegt aktuell noch bei 37 Prozent.


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© Tim Mossholder – Pexels


Verhandlungsmacht verschiebt sich zugunsten der Firmen

Die meisten Länder sind laut der Analyse von Indeed noch sehr weit von flächendeckender Transparenz entfernt, zuletzt stagnierte die Entwicklung sogar. Doch am schlechtesten schneidet europaweit Deutschland mit Gehaltsangaben bei nur zwölf Prozent der analysierten Stellenanzeigen ab.. Dabei sank die Transparenz sogar noch im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent.

Über Gehälter wird in Deutschlands Stellenausschreibungen öfter geschwiegen als in anderen Ländern, © Indeed
Über Gehälter wird in Deutschlands Stellenausschreibungen öfter geschwiegen als in anderen Ländern, © Indeed

Indeed-Ökonomin Lisa Feist sieht diese Entwicklung parallel zum Arbeitsmarkt, auf dem sich die Verhandlungsmacht zugunsten der Arbeitgeber:innen verschiebt:

In den vergangenen Jahren wurde die offene Gehaltskommunikation vor allem als Lockmittel in Zeiten des akuten Fachkräftemangels eingesetzt. Da der Rekrutierungsdruck nachgelassen hat, fallen viele Unternehmen in alte Muster zurück. 

Sieger:in des Rankings ist Großbritannien mit Gehaltsangaben bei 56 Prozent der untersuchten Stellenanzeigen. Den zweiten und dritten Platz belegen die Niederlande mit 48 Prozent und Frankreich mit 43 Prozent. Immerhin: Insgesamt gibt es seit 2020 mehr als eine Verdopplung der durchschnittlichen Gehaltstransparenz bei Stellenanzeigen in Europa. Für die Analyse hat Indeed Millionen von Stellenanzeigen in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Irland, Spanien und den Niederlanden untersucht.

Transparenz bei Vergütung abhängig von Branche

In der Studie fiel zudem auf, dass die Transparenz bei den Löhnen sehr stark vom Arbeitsfeld abhängt. Am häufigsten gibt es Gehaltsangaben bei Dienstleistungsberufen wie bei den Reinigungsdiensten (34,8 Prozent), in der Sicherheitsbranche (23,5 Prozent) und im Transportwesen (22,3 Prozent).

Schlecht sieht es dagegen bei den Wissens- und Bürojobs aus: In der Architektur gibt es nur bei etwa sechs Prozent der Stellenanzeigen eine Gehaltsangabe, in der wissenschaftlichen Forschung und der Pharmazie sogar nur bei etwas über fünf Prozent.

Im Bereich IT (fünf Prozent) sowie Daten und Analytics (4,4 Prozent) bleibt das Gehalt auch oft eine Unbekannte. Laut den Analyst:innen bleiben viele Branchen ohne Vergütungsinfo, in denen Qualifikation und Verhandlungsspielraum das Einkommen deutlich prägen.

Mehrheit der Beschäftigten fordert Gehaltsangabe

In allen europäischen Ländern jedoch bewerben sich die meisten Befragten eher auf Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben. In Deutschland haben dies 61 Prozent ausgesagt. Zudem fordern 64 Prozent der Befragten, dass Unternehmen standardmäßig Gehaltsspannen integrieren sollten. Das ergab die Censuswide-Umfrage, die Indeed unter 6.000 Beschäftigten in sechs europäischen Märkten zur Gehaltstransparenz im Januar 2025 erhoben hat.

Dennoch bleibt die Frage, ob europäische Arbeitgeber:innen nicht noch zögern werden, bis sie ihre Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben versehen – etwa bis nationale Gesetze dazu festgelegt werden. Die Expert:innen vermuten:

Doch selbst dann bleibt die Qualität der Gehaltsangaben fraglich: Manche Arbeitgebende könnten Spannen angeben, die zwar gesetzeskonform sind, Bewerbenden aber kaum Einblick in die tatsächliche Vergütung bieten. Aktuelle Daten zeigen, wie wenig europäische Jobsuchende über die Gehälter der Stellen wissen, auf die sie sich bewerben.

In der Studie wurde deutlich, dass sich Beschäftigte generell mehr Lohntransparenz wünschen, © Indeed, Grafik
In der Studie wurde deutlich, dass sich Beschäftigte generell mehr Lohntransparenz wünschen, © Indeed


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© Christina @ wocintechchat.com – Unsplash


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