Technologie
Die KI-Top-100: Wer gewinnt das Rennen um die Standard-KI?
© Andreessen Horowitz (a16z) via Canva

Die KI-Top-100: Wer gewinnt das Rennen um die Standard-KI?

Larissa Ceccio | 10.03.26

Schon mehr als zehn Prozent der Weltbevölkerung nutzen ChatGPT. Doch der Kampf um die Standard-KI beginnt gerade erst. Die neue Consumer AI Top 100 von a16z zeigt OpenAIs Vorsprung und welche AI Apps und Websites weltweit aufholen.

Welche KI-Tools dominieren gerade das Internet? Die Antwort liefert einmal mehr die Consumer AI Top 100 von Andreessen Horowitz (a16z). Zum sechsten Mal hat das Venture-Capital-Unternehmen analysiert, welche KI-Websites und AI Apps weltweit am häufigsten genutzt werden – gemessen an monatlichen Website-Besuchen und monatlich aktiven Mobile Usern. Drei Trends stechen dabei besonders hervor:

  • Der Wettbewerb um die Standard-KI wird intensiver
  • Die globale KI-Nutzung fragmentiert sich stärker nach Regionen
  • Neue Kategorien wie KI-Agents und integrierte KI-Tools gewinnen an Bedeutung


Vom Café bis zum Startup:
ChatGPT Boom in Deutschland

Screen mit Text in Rosa zu ChatGPT
© Jonathan Kemper – Unsplash


Diese KI-Tools dominieren aktuell Web und Apps

Die aktuelle Analyse zeigt, welche KI-Produkte weltweit am häufigsten genutzt werden. Grundlage sind monatliche Website-Besuche laut Similarweb sowie monatlich aktive Mobile-Nutzer:innen laut Sensor Tower. Wie a16z-Autorin Olivia Moore auf X schreibt, wurde jedoch die Methodik überarbeitet. Statt nur klassische KI-Startups zu betrachten, umfasst die Analyse nun auch etablierte Software-Produkte, bei denen generative KI längst zum Kern der Nutzung geworden ist. Deshalb tauchen in der neuen Rangliste auch Plattformen wie CapCut, Canva, Notion, Freepik, Picsart oder Grammarly auf.

Im Web liegt ChatGPT weiterhin klar vorne, gefolgt von Tools wie Gemini, Canva, DeepSeek und Grok. Gleichzeitig zeigt die Liste, wie breit das KI-Ökosystem inzwischen geworden ist. Neben großen Plattformen finden sich zahlreiche spezialisierte Anwendungen für Kreativarbeit, Coding oder Produktivität. Auch im App-Ökosystem wächst der Wettbewerb. Dort zählen neben ChatGPT vor allem kreative Tools wie CapCut oder Picsart sowie KI-Funktionen etablierter Plattformen zu den meistgenutzten Anwendungen.

Dabei bleibt ChatGPT ein Schwergewicht im KI-Ökosystem: 900 Millionen Menschen nutzen den KI-Dienst inzwischen jede Woche. Mehr als zehn Prozent der Weltbevölkerung greifen damit zumindest statistisch regelmäßig auf ein einzelnes KI-Produkt zu. Trotzdem ist das Rennen um die Standard-KI längst nicht entschieden. Die folgende Übersicht zeigt die 15 meistgenutzten Gen-AI-Web-Produkte weltweit nach monatlichen Website-Besuchen und verdeutlicht, wie stark sich der Markt inzwischen ausdifferenziert hat.

Diagramm der 15 meistgenutzten Gen-AI-Web-Produkte weltweit nach monatlichen Website-Besuchen mit ChatGPT, Gemini, Canva und DeepSeek an der Spitze.
Die 15 meistgenutzten Gen-AI-Web-Produkte weltweit nach monatlichen Website-Besuchen laut Similarweb, © a16z

Denn mehr als drei Jahre nach dem ChatGPT Launch verändert sich die Struktur des Marktes deutlich. Viele der erfolgreichsten Anwendungen sind inzwischen keine reinen KI-Startups mehr, sondern etablierte Software-Produkte, die KI tief in ihre Funktionen integrieren. CapCut erreicht 736 Millionen monatlich aktive Mobile User und nutzt KI etwa für Hintergrundentfernung, automatische Untertitel oder Text-to-Video. Bei Notion verwenden inzwischen mehr als 50 Prozent der Nutzer:innen die kostenpflichtigen KI-Funktionen. Generative KI ist damit nicht mehr nur eine eigene Kategorie von Apps – sie wird zunehmend zur Infrastruktur bestehender Software.

Wer wird zur Standard-KI für Milliarden Nutzer:innen?

ChatGPT bleibt das größte Consumer-KI-Produkt. Laut a16z verzeichnet die Plattform im Web 2,7-mal so viele monatliche Besuche wie Gemini. Auch auf Smartphones liegt ChatGPT vorne und erreicht 2,5-mal so viele monatlich aktive Nutzer:innen wie die Gemini App. Bei den Consumer-Abos liegt OpenAI ebenfalls vorne. ChatGPT hat achtmal so viele zahlende Nutzer:innen wie Claude und viermal so viele wie Gemini. Doch gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb. Laut Yipit Data stieg die Zahl der zahlenden Claude-Abonnements in den USA im Januar 2026 im Jahresvergleich um über 200 Prozent. Gemini verzeichnete im selben Zeitraum 258 Prozent Wachstum bei den Abonnements.

Ein Grund dafür ist das hohe Innovationstempo der Konkurrenz. Google hat die eigenen KI-Produkte in den vergangenen Monaten stark ausgebaut. Das Bildmodell Nano Banana generierte bereits in der ersten Woche 200 Millionen Bilder und brachte Gemini zehn Millionen neue Nutzer:innen. Inzwischen gibt es bereits die nächste Version: Nano Banana 2, ein schnelleres und günstigeres KI-Bildmodell, das stärker in Suche und Ads integriert werden soll. Gleichzeitig gilt Veo 3.1 für viele Beobachter:innen als ein großer Durchbruch für KI-Video. Anthropic setzt stärker auf professionelle Nutzer:innen. Mit Tools wie Cowork, Claude in Chrome, Plug-ins für Excel und PowerPoint sowie vor allem Claude Code richtet sich das Unternehmen an Entwickler:innen und Menschen aus daten- und analyseintensiven Berufen. Die folgende Grafik zeigt, wie sich die Nutzung der wichtigsten KI-Assistants zwischen 2024 und 2026 entwickelt hat.

Diagramm zu Marktanteilen von KI-Assistenten mit ChatGPT, Gemini, Claude, DeepSeek, Perplexity und Grok nach monatlichen Sessions zwischen 2024 und 2026.
Entwicklung der Marktanteile führender KI-Assistants nach Anteil an monatlichen Sessions im Web und auf Mobile zwischen 2024 und 2026 laut Sensor Tower und Similarweb, © a16z

Parallel verändert sich auch das Nutzer:innenverhalten. Rund 20 Prozent der wöchentlichen ChatGPT-Webnutzer:innen verwenden innerhalb derselben Woche auch Gemini. Viele User verwenden mehrere KI-Tools parallel, statt sich nur auf eines zu verlassen. Das spiegelt sich auch in aktuellen Marktanalysen wider. Laut Apptopia sank der Anteil an den täglichen US-Nutzer:innen von ChatGPT von 69,1 Prozent im Januar 2025 auf 45,3 Prozent im Januar 2026. Im gleichen Zeitraum stieg Gemini von 14,7 Prozent auf 25,1 Prozent. Wie dynamisch dieser Wettbewerb geworden ist, zeigte sich zuletzt auch im App Store. Anfang März erreichte Claude erstmals Platz eins im US App Store, nachdem eine Kontroverse um einen Vertrag zwischen OpenAI und dem US-Verteidigungsministerium kurzfristig zu mehr ChatGPT-Deinstallationen geführt hatte. Wenige Tage später kehrte ChatGPT wieder auf Platz eins der US App Store Charts zurück, gefolgt von Claude und Gemini.

Für Plattformen geht es jedoch nicht nur um Nutzer:innenzahlen. Entscheidend ist, wer zur Standardschnittstelle zwischen Menschen und Internet wird. Genau deshalb bauen die Anbieter:innen ihre Plattformökosysteme derzeit so massiv aus.



Claude toppt App Store Charts und ChatGPT vor Boykott
– mitten im Kriegstaumel

schwarzer Mauszeiger, weißes Symbol mit Punkten an Strichen, rosafarbener Hintergrund
© Anthropic via Canva


ChatGPT will das Betriebssystem für deinen Alltag werden

Aktuell bietet ChatGPT derzeit viele Vorteile. Denn OpenAI arbeitet konsequent daran, den KI-Dienst zur Einstiegsschicht für digitale Alltagsaufgaben auszubauen. CEO Sam Altman erklärte bereits, man wolle

KI Milliarden von Menschen zugänglich machen, die sich keine Abonnements leisten können.

Deshalb experimentiert das Unternehmen inzwischen auch mit Werbung und entwickelt eine eigene Identitätsebene unter dem Namen „Sign in with ChatGPT“. Ziel ist es, ChatGPT zum Ausgangspunkt für viele digitale Aktivitäten zu machen. Schon heute können Nutzer:innen dort etwa Einkäufe starten, Reisen planen, Informationen recherchieren oder Fragen rund um Gesundheit klären.

Parallel bauen die Anbieter:innen ihre Ökosysteme rund um die KI-Assistants aus. ChatGPT bot Ende Februar bereits 220 Apps in 13 Kategorien, über die sich verschiedene Dienste direkt in den Assistants integrieren lassen. Auch Anthropic erweitert die Möglichkeiten rund um Claude. Der Dienst bietet rund 160 kuratierte Konnektoren sowie etwa 50 Community MCP Server, über die Claude mit anderen Tools und Datenquellen verbunden werden kann. Die Überschneidung zwischen beiden Plattformen ist allerdings gering. Nur 41 Integrationen gibt es sowohl bei ChatGPT als auch bei Claude. Dabei handelt es sich vor allem um bekannte Produktivitäts-Tools wie Slack, Notion, Gmail, Google Kalender, HubSpot oder Stripe. Abseits dieses gemeinsamen Kerns verfolgen die Plattformen unterschiedliche Strategien. ChatGPT erweitert das eigene Angebot stark um Alltagsanwendungen und integriert inzwischen über 85 Apps für Verbraucher:innentransaktionen wie Reisen, Shopping oder Ernährung. Claude positioniert sich dagegen stärker für professionelle Nutzung und bietet Integrationen zu Tools wie Databricks, Supabase, Snowflake oder wissenschaftlichen Datenbanken wie PubMed und Benchling.

Damit deutet der Report bereits ein mögliches Szenario für den KI-Markt an. Wenn KI-Assistants immer weiter aus ihrem Chatbot-Dasein herauswachsen und zu zentralen Tools für Arbeit und Alltag werden, könnte sich der Wettbewerb anders entwickeln als bei der Web-Suche, die aktuell noch von Google dominiert wird. Statt einer einzigen marktführenden Plattform könnten mehrere große Ökosysteme parallel bestehen – ähnlich wie im Smartphone-Markt, der heute vor allem von Android und iOS geprägt ist.

Der KI-Markt fragmentiert sich weltweit

Neben dem Plattformkampf zeigt der Bericht eine zweite große Entwicklung. Die weltweite Nutzung von KI-Tools fragmentiert sich immer stärker nach Regionen. Während ChatGPT in vielen westlichen Ländern dominiert, setzen andere Regionen stärker auf lokale Modelle und Plattformen.

Diagramm zu Marktanteilen von KI-Chatbots nach Ländern im Januar 2026 mit ChatGPT, Gemini, DeepSeek, Grok, Claude und weiteren Modellen.
Marktanteile führender KI-Chatbots nach Ländern basierend auf Web- und Mobile Traffic im Januar 2026 laut Similarweb und Sensor Tower, © a16z

Westliche Tools wie ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity haben ihre größten Märkte in den USA, Indien, Brasilien, Großbritannien und Indonesien. In China spielen sie kaum eine Rolle. Dort dominieren lokale Produkte wie Doubao von ByteDance oder Kimi. Ein Sonderfall ist DeepSeek. Der Web Traffic verteilt sich dort auf China mit 33,5 Prozent, Russland mit 7,1 Prozent und die USA mit 6,6 Prozent. Auch Russland entwickelt inzwischen ein eigenes KI-Ökosystem. Der Yandex Browser mit integriertem Assistant Alice erreicht 71 Millionen monatlich aktive Nutzer:innen und gehört damit zu den Top Ten der mobilen KI-Produkte weltweit.

Um die KI-Nutzung pro Kopf vergleichbar zu machen, hat a16z einen Index entwickelt, der Website-Besuche und monatlich aktive Mobile-Nutzer:innen (MAU) pro Kopf kombiniert und eine Punktzahl von 0 bis 100 berechnet. Das Ergebnis zeigt ein neues geografisches Bild: Singapur liegt weltweit auf Platz eins, gefolgt von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Hongkong und Südkorea. Die USA landen trotz ihrer führenden Rolle bei der Entwicklung vieler KI-Produkte nur auf Platz 20.

Weltkarte zur KI-Nutzung pro Kopf mit einem AI Adoption Index von 0 bis 100, bei dem Singapur, die Vereinigten Arabischen Emirate, Hongkong und Südkorea besonders hohe Werte erreichen.
Globale KI-Nutzung pro Kopf basierend auf einem Index aus Web-Besuchen und monatlich aktiven Mobile-Nutzer:innen (MAU) pro Kopf laut Similarweb und Sensor Tower, © a16z

3 Trends, die den KI-Markt außerdem neu formen

Auch bei kreativen KI-Tools verschiebt sich der Markt. Während Bildgeneratoren lange die Kategorie dominierten, rücken inzwischen Video-, Musik- und Sprach-KI stärker in den Fokus. Ein Grund dafür ist, dass große Dienste Bildfunktionen zunehmend direkt in ihre eigenen Modelle integrieren, etwa mit GPT Image in ChatGPT oder neuen Bildmodellen in Gemini. Eigenständige Tools verlieren dadurch teilweise an Reichweite und konzentrieren sich stärker auf spezialisierte Anwendungsfälle sowie kreative Communities.

Ein weiterer Trend sind KI-Agents. Tools wie Manus, Genspark oder OpenClaw Agents erledigen komplexe Aufgaben selbstständig, etwa Recherche, Datenanalyse oder das Erstellen von Präsentationen. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt OpenClaw. Das Projekt sammelte innerhalb weniger Wochen 68.000 GitHub Stars und wurde Anfang März zum meistgestarrten Repository auf GitHub. Der Gründer Peter Steinberger wechselte kürzlich zu OpenAI und kommentierte den Hype rund um das Projekt mit den Worten:

The lobster is taking over the world.

Gleichzeitig verschiebt sich auch die Art, wie Menschen KI nutzen. Immer häufiger ist sie direkt in bestehende Software integriert, statt als eigenständige App aufzutreten. Browser, Desktop Tools und Workspace-Anwendungen bauen KI zunehmend in ihre Kernfunktionen ein. Beispiele reichen von KI-Features in Chrome und Office-Programmen bis zu Entwickler:innen-Tools wie Claude Code oder Codex.

Damit verändert sich auch, wo und wie Menschen KI nutzen. Viele verwenden KI heute nicht mehr nur über eigene Apps oder Dienste wie ChatGPT, sondern direkt in Programmen, die sie ohnehin im Alltag nutzen. Dazu gehören zum Beispiel E-Mail-Programme, Meeting Tools, Browser oder Code-Editoren. Das Problem dabei: Diese Nutzung taucht in klassischen Statistiken kaum auf. Rankings wie die Consumer AI Top 100 messen beispielsweise die Website-Besuche oder App-Nutzer:innen. Wenn KI aber direkt in Software integriert ist, etwa in Chrome, Outlook oder Entwickler:innen-Tools, wird sie zwar intensiv genutzt, erscheint in solchen Listen jedoch bisher kaum. Deshalb wird es zunehmend schwieriger, den tatsächlichen Einfluss von KI allein über klassische App oder Website Rankings zu messen.

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*